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So wird der neue Tunnel in Oberau verlaufen. 

Am Dienstag ist Spatenstich

Oberau: Ein Tunnel für das geteilte Dorf

Oberau - Gut vier Kilometer lang und 200 Millionen Euro teuer: Am Dienstag ist Spatenstich für die Umfahrung Oberau – ein Nadelöhr auf dem Weg Richtung Garmisch-Partenkirchen wird nach jahrzehntelangem Warten beseitigt.

„Demonstrieren ist ja eigentlich nicht unsere Art“, sagt Josef Bobinger, Sprecher der Initiative Verkehrsentlastung Oberau. Eigentlich. Dennoch waren hunderte von Bürgern in der 3200-Einwohner-Gemeinde seit Jahren immer wieder auf der Straße. Ihr Ziel: Oberau sollte endlich eine Umfahrung bekommen, damit sich vor allem an den Wochenende nicht mehr endlose Fahrzeugkolonnen durch den Ort quälen. Spätestens seit dem Jahr 1982, als die Garmischer Autobahn A95 bis Eschenlohe fertiggestellt wurden, häuften sich die Verkehrsprobleme ein paar Kilometer weiter südlich. „Seither sind wir ein geteiltes Dorf“, erzählt Bobinger. Im Schnitt fahren heute täglich 26 000 Fahrzeuge durch das Dorf, in Spitzenzeiten sind es – wie erst im März eine Zählung ergab – fast 50 000.

2001 war für die Oberauer die Schmerzgrenze erreicht: Sie gründeten eine Bürgerinitiative – die nunmehr ihr Ziel erreicht hat: Am Dienstag wird eine große Delegation mit Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) an der Spitze den offiziellen Spatenstich zur Verlegung der Bundesstraße B2 vornehmen. Im Vorjahr hatte der Bund endlich das Geld für den Bau freigegeben – nach derzeitigem Stand 204 Millionen Euro. Endlich geht es los mit dem Bau der Westumfahrung, deren Kernstück ein etwa drei Kilometer langer Tunnel sein wird. Dobrindt hatte den Bau schon als einfacher Abgeordneter immer wieder gefordert – für den Minister, der mit seinen Projekten bekanntlich Rückschlag auf Rückschlag verdauen muss, dürfte der Dienstag Balsam auf die Wunden sein. „Ich habe versucht, möglichst an allen Demonstrationen teilzunehmen“, sagt er. „Ich freue mich deshalb umso mehr.“

Die Umfahrung wird insgesamt 4,2 Kilometer lang, drei Kilometer davon verlaufen im Tunnel, für den zwei getrennte Röhren durch das Gestein gehauen werden. Je Fahrtrichtung werden zwei Fahrstreifen gebaut. Die beiden Röhren werden, wie es Vorschrift ist, alle 300 Meter durch Querschläge verbunden.

Der Ingenieur Stephan Geuder von der Autobahndirektion Südbayern verantwortet als Projektleiter den Bau. Für ihn ist es Neuland, er war noch nie mit einem Tunnel befasst. Nach dem Spatenstich soll es mit Volldampf voran gehen, hofft Geuder. Begonnen wird am Nordende, wo früher eine Mülldeponie war, die bis auf Reste inzwischen vollständig beseitigt wurde. „Noch vor dem Wintereinbruch soll dann der Tunnelanschlag stattfinden“, sagt Geuder. Der Tunnelbau selbst wird im Sprengvortrieb erfolgen – das heißt, dass die Oberauer einige Jahre mit dumpfen Sprengdetonationen leben müssen. „Es gibt aber ein Nacht-Sprengverbot“, versichert Geuder.

Eine heikle Stelle hat der Tunnelbau: Ausgerechnet in der Mitte im sogenannten Gießenbachtal, wo die Röhren unter der Ortsbebauung verlaufen, müssen die Bauarbeiter mit lockerem Gestein rechnen. Der Tunnel wird hier nur sieben Meter unter der Erde liegen. Mit viel Beton sollen diese Probleme gemeistert werden. Ende 2021, nach sechs Jahren Bauzeit, soll die Umfahrung fertig sein.

Für die Region, so hoffen viele (nicht alle), wird der zweite Tunnel (nach der Umfahrung Farchant) nicht der letzte sein: Ein Tunnel durch das Kramer-Bergmassiv, vor Jahren schon begonnen und dann wegen Wassereinbruchs und fehlerhafter Planungen abrupt gestoppt, soll den Garmischer Ortsteil vom Verkehr entlasten. Derzeit wird der Antrag zur Planfeststellung erarbeitet. Noch in weiter Ferne ist das Bauwerk durch den Wank, das Partenkirchen entlasten würde. Für beide Projekte fehlt aber vor allem das Geld. Und auch die nur zweispurige Bundesstraße zwischen dem Nordende von Oberau und dem Autobahnbeginn Eschenlohe wird ein Nadelöhr bleiben.

Tanja Brinkmann und Dirk Walter

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