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Arbeiten seit Mai 2018 am Aufbau der Schleifmühle: (v. l.) Franz Gaisreiter, Peter Gumbert und Anton Schmuttermeier. Mit den Buben (v. l.) Lukas Müller (10) und Simon Gaisreiter (11) haben sie tatkräftige Helfer. 

Ambitioniertes Projekt in Ohlstadt

Die Erinnerung wachhalten: Aufbau der Wetzsteinmühle schreitet voran

Im Herbst 2020 soll in Ohlstadt die wiederrichtete Wetzsteinmühle eröffnet werden. Dahinter steht großes ehrenamtliches Engagement.

Ohlstadt – Einen maßgebenden Teil der Geschichte des Dorfes wieder lebendig werden zu lassen, ist Ziel eines ehrgeizigen Projektes der „Interessengemeinschaft Schleifmühle Ohlstadt“. 2016 hatten sich sieben engagierte Bürger zusammengeschlossen, um auf einem gemeindeeigenen Grundstück an der Ecke Simmersbergweg/Heimgartenstraße eine funktionsfähige, originalgetreue Wetzsteinmühle zu errichten, die gleichzeitig museale Zwecke erfüllen soll. War doch Ohlstadt einst ein bedeutendes Zentrum der Wetzsteinmacherei, und in der Blütezeit dieses Handwerks gab es in seinem Umfeld nicht weniger als 19 Steinbrüche und 24 Schleifmühlen.

Das Hauptgebäude steht bereits, gegenwärtig wird am Bachlauf gearbeitet, dessen Fluten einmal ein mächtiges, rund eine Tonne schweres Wasserrad aus Eichenholz antreiben sollen. Franz Gaisreiter von der Interessengemeinschaft, der auch für die CSU im Gemeinderat sitzt, freut sich über die vielen Sach- und Geldspenden, die seine Gruppe bisher erhalten hat. „Zum Beispiel haben Bauunternehmen und Betonwerke den von uns verarbeiteten Beton kostenlos zur Verfügung gestellt“, sagt er dazu. „Ganz besonders hat uns das Leader-Förderprogramm geholfen. Hätten wir diese 75 000 Euro nicht erhalten, wäre das etwa 80 000 bis 100 000 Euro teure Projekt nicht zustande gekommen.“

Das Vorhaben wird ausschließlich mit ehrenamtlicher Arbeit verwirklicht, wobei einige der Akteure erfahrene Handwerker sind: So ist Gaisreiter Zimmerermeister (und federführend bei der Herstellung des hölzernen Wasserrads) und Paul Gumbert Malermeister. Oft schon sei an Ohlstädter Stammtischen darüber gesprochen worden, wieder eine Wetzsteinmühle aufzubauen, sagt Gaisreiter. Schon vor rund 50 Jahren habe es Bestrebungen gegeben, ein solches Vorhaben anzugehen, das aber nicht realisiert wurde. „Bereits unsere Generation weiß ziemlich wenig über die Wetzsteinmacherei, und unsere Nachkommen werden vermutlich fast gar nichts mehr darüber wissen“, so seine Befürchtung. „Aus diesem Grund halten wir es für wichtig, die Erinnerung an diesen Teil der Ohlstädter Geschichte, die 600 Jahre lang diesen Ort geprägt hat, wach zu halten und auf diese Weise darzustellen.“ Der Gemeinderatsbeschluss für die Baugenehmigung der Mühle war einstimmig gefallen.

Anton Schmuttermeier, Bauingenieur und ebenfalls CSU-Gemeinderat, beschreibt den genauen Arbeitsvorgang in den einstigen Schleifmühlen: „In mühsamer Handarbeit haben die Steinbrecher die benötigten Steinplatten aus den Wänden herausgebrochen, bevor sie in der so genannten ‚Stelzenhütte’, die wir noch heuer errichten, zum Grobrohling geschnitten wurden. Dann hat man sie im Hauptgebäude auf großen Schleifsteinen zu einer Konvexform geschliffen.“

Die Anlage soll ein dynamisches Museum werden. „Wir wollen den Prozess zeigen, wie die Steine durch das durch den Bach angetriebene Wasserrad geschnitten werden“. Deshalb werde die Mühle voll funktionsfähig und realitätsnah präsentiert. Mittels Filmen und Fotodokumentationen solle den Besuchern die Geschichte der Wetzsteinmacherei nahegebracht werden, sagt Schmuttermeier.

Als Basis für die Anlage hatten historische Bilder und Pläne gedient, teils aus dem Freilichtmuseum an der Glentleiten, teils aus Unterammergau, wo dieses Handwerk ebenfalls betrieben worden war. „Der Standort mitten im Dorf war ausschlaggebend für die Verwirklichung“, fügt Peter Gumbert hinzu: „Das war in unseren Augen der beste denkbare Platz für diesen Zweck.“

Auf dem 880 Quadratmeter großen Grundstück war zuvor eine alte Säge gestanden, die baufällig war und im März 2018 abgebrochen wurde. Im Mai desselben Jahres begannen die Erdarbeiten für die Schleifmühle. Für die Versorgung mit dem nötigen Wasser wird die Kaltwasserlaine sorgen. „Das ist alles schon mit dem Wasserwirtschaftsamt Weilheim abgeklärt“, unterstreicht Schmuttermeier. Als Eröffnungstermin gibt er den Herbst 2020 an. „Das wird noch etwas dauern, zumal wir alle berufstätig sind. Aber wir sind sicher, dass die Anlage ein Publikumsmagnet werden wird.“

Bereits 2017 hatte sich der Gemeinderat mit der Schleifmühle befasst. 

Die Mitglieder der „Interessengemeinschaft Schleifmühle Ohlstadt“ sind: Anton Schmuttermeier, Franz Gaisreiter, Peter Gumbert, Jakob Fichtner junior, Johannes Wittig senior, Waltraud Klammet und Martin Schwinghammer.

Heino Herpen

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