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Geht wieder an Bord: Ralph Götting, hier bei seiner Mission 2017 auf der „Sea-Eye“.

Ralph Götting hilft, Flüchtlinge im Mittelmeer vor dem Ertrinken zu bewahren

Neue Mission auf der „Alan Kurdi“: Ohlstädter Lebensretter kehrt zurück in die Todeszone

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„Ich kann nicht anders“: Ralph Götting aus Ohlstadt kehrt vor die Küste Libyens zurück, um an Bord der „Alan Kurdi“ Flüchtlinge vor dem Tod im Mittelmeer zu bewahren.

Ohlstadt– Schiffe, die sich mit Flüchtlingen an Bord über Wochen auf Irrfahrt befinden, weil sie keine Häfen anlaufen dürfen. Eine italienische Regierung, die mit Härte gegen private Seenotretter vorgeht und horrende Strafen aufruft. Die Situation auf dem Mittelmeer ist nicht einfacher geworden, seit Ralph Götting im Jahr 2017 an Bord der „Sea-Eye“ vor der Küste Libyens gegen das große Sterben kämpfte. „Sie ist schwieriger denn je“, sagt der 52-Jährige.

Familienvater will dem Sterben im Mittelmeer nicht tatenlos zusehen

Trotzdem wird er zurückkehren, seine Mission fortsetzen: auf der „Alan Kurdi“, einem ehemaligen Forschungsschiff, das seit Ende 2018 für die Nichtregierungsorganisation „Sea-Eye“ unter deutscher Flagge Einsätze absolviert. Götting fliegt am Freitag nach Spanien, am Samstag sticht der Ohlstädter auf der „Alan Kurdi“ von Castellon aus in See, um als Teil einer rund 20-köpfigen Crew auf der Suche nach Flüchtlingsbooten in der Search-and-Rescue-Zone vor der libyschen Küste zu kreuzen. „Ich kann nicht anders“, sagt Götting. „Ich sehe einfach die Notwendigkeit“ – und gegenwärtig keine alternative Lösung. Der Familienvater will dem Sterben im Mittelmeer nicht tatenlos zusehen. „Wer einmal draußen war und sich mit dem Thema befasst, hat meist den Wunsch, noch mal in den Einsatz zu gehen. Das Problem hat ja nicht aufgehört.“ Es spitzte sich vielmehr zu, nachdem die staatliche Seenotrettung vor einigen Monaten eingestellt worden ist. Dazu kommt eine neue Unbekannte: Die Missionen sind zeitlich schwieriger zu kalkulieren als 2017, seit Italien und Malta Seenotrettungsschiffen mit Geflüchteten immer wieder die Einfahrt in ihre Häfen verweigern und Gerettete auf EU-Länder verteilt werden müssen. „Das ist für alle Menschen an Bord eine sehr belastende Situation“, sagt Götting. Das alles schreckt ihn nicht ab. Grundsätzlich sieht er „eher ein politisches Problem, ich begebe mich nicht in körperliche Gefahr“. Doch dieses könnte ihn in eine schwierige Lage manövrieren: Für Mitte September hat er seinen Rückflug geplant. Diesen muss Götting, der als Medizinprodukte-Berater Trainings für Fachkräfte abhält, von Berufs wegen unbedingt wahrnehmen.

Mission auf der „Alan Kurdi“: Ohlstädter nimmt für den Rettungseinsatz Urlaub

Drei Wochen ist er unterwegs. Eine Zeit, für die er Urlaub nimmt, getrennt ist von der Familie. „Das ist schon schwierig, aber Frau und Tochter unterstützen mich und bringen Verständnis auf“, sagt Götting. Dafür, dass es ihm ein Bedürfnis ist, Flüchtlinge aus dem Mittelmeer zu retten. Er erhält viel Zuspruch aus dem Bekanntenkreis. Hauptsächlich in Internet-Kommentaren sieht sich Götting, der schon in seiner Zeit als Krankenpfleger in der Notaufnahme der Unfallklinik Murnau mit menschlichem Leid konfrontiert war und sich als Rettungsassistent ehrenamtlich beim BRK/SEG Ohlstadt engagiert, auch Angriffen ausgesetzt. Doch seine erste Mission hat ihn in seiner Ansicht und in seinem Wunsch zu helfen bestärkt: „Viele Menschen befinden sich in unglaublich schlechter körperlicher und psychischer Verfassung, sind seit Jahren auf der Flucht.“ Wäre es nach ihm gegangen, er wäre bereits vor einem Jahr zurückgekehrt vor Libyens Küste. Die Flugtickets waren bereits gebucht, am Ende aber blieben die Ehrenamtlichen zur Untätigkeit verdammt, um nicht Gefahr zu laufen, dass ihr Schiff beschlagnahmt wird.

Götting engagiert sich in diversen Bereichen für den gemeinnützigen Verein „Sea-Eye“ und gehört unter anderem der Trainings-Mannschaft an, die Freiwillige vorbereitet. Auf der „Alan Kurdi“ übernimmt der 52-Jährige diesmal primär die Aufgabe eines Human Rights Observers: Er wird rund um Einsätze die Einhaltung der Menschenrechte dokumentieren.

Ralph Götting geht davon aus, mit Belastungen gut klarzukommen, sogar Kraft aus der Mission schöpfen zu können, die ihm so viel gibt: das Gefühl, getan zu haben, was gegenwärtig möglich ist. „Wenn niemand da ist“, sagt er, „werden hunderte Menschen ertrinken.“

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