„Achtung Hundebesitzer“: An mehreren Stellen im betroffenen Gebiet – hier an der Kaltwasserlaine zwischen Solar-Freibad und Boschetstraße – finden sich Hinweise auf ausgelegte Giftköder.
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„Achtung Hundebesitzer“: An mehreren Stellen im betroffenen Gebiet – hier an der Kaltwasserlaine zwischen Solar-Freibad und Boschetstraße – finden sich Hinweise auf ausgelegte Giftköder.

Gemeinde warnt Tierhalter vor Giftködern

Angst vor Hundehasser treibt Ohlstadt um

  • Silke Reinbold-Jandretzki
    vonSilke Reinbold-Jandretzki
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Ohlstadts Hundehalter sind alarmiert: Es mehren sich Hinweise, dass ein Tierhasser im Bereich von Bahnhof und Kaltwasserlaine sein Unwesen treibt. Mindestens zwei Hunde sollen Giftköder gefressen haben; eines der Tiere ist offenbar gestorben. Die Gemeinde Ohlstadt warnt.

  • Die Gemeinde Ohlstadt hat Mitteilungen von Bürgern aufgegriffen und warnt vor möglichen Giftködern im Bereich von Bahnhof und entlang der Kaltwasserlaine.
  • Ein Hund soll bereits gestorben sein, an anderer wurde Schilderungen zufolge in einer Tierklinik gerettet.
  • Bürgermeister Christian Scheuerer verurteilt die mutmaßlichen Taten scharf - auch eine Hündin der Scheuerers hat einst einen Giftköder gefressen, dies aber überlebt.

Ohlstadt – Erst das Ammertal, dann Ohlstadt? Nachdem bekannt geworden ist, dass zwei Hunde am Altherrenweg zwischen Ober- und Unterammergau allem Anschein nach mit einer Blausäure-Verbindung vergiftet worden sind (wir berichteten), beschleichen auch Tierhalter unterm Heimgarten Angst und Sorge. Warnungen machen die Runde. Die Gemeinde hat sie aufgenommen und verbreitet – auf ihrer Homepage ebenso wie per Facebook. „Wir bekommen derzeit vermehrt Informationen von Hundebesitzern aus Ohlstadt, dass Giftköder um den Bahnhof und an der Kaltwasserlaine (um den Tennisplatz und bis zur Partenkirchner Straße) entlang ausgelegt wurden. Es sind bereits Hunde verletzt und in der Tierklinik behandelt worden!“, heißt es da. Es folgt der Aufruf, man möge andere Hundebesitzer informieren. Und: „Wir bitten um Hinweise an die Gemeinde und die Polizei, sobald Anwohner oder Spaziergänger diesbezüglich etwas beobachten können.“

Hunde-Giftköder in Ohlstadt: Bei Murnauer Polizei ist noch keine Anzeige eingegangen

Noch liegen offenbar keine handfesten Beweise vor für die mutmaßlichen Giftköder-Attacken. Bei der Murnauer Polizei ging nach Angaben von Inspektions-Chef Joachim Loy weder eine Anzeige noch eine entsprechende Mitteilung ein. Beate Z., eine Tierschützerin aus Murnau, weiß von zwei konkreten Fällen, in denen eine Vergiftung naheliegend scheint. „Ein Hund hat es nach drei Tagen in der Tierklinik gerade noch geschafft“, sagt sie. Dieser habe in der vergangenen Woche Blut gespuckt und ausgeschieden. Hier liege der konkrete Verdacht vor, dass Rattengift die Ursache gewesen sein könnte. Ein anderer Hund, der in Ohlstadt zu Hause und bei einem kurzen Spaziergang nur zwischen Kaltwasserlaine und Tennisplatz unterwegs war, ist den Schilderungen der Murnauerin zufolge nicht mit dem Leben davongekommen. Sein Besitzer lasse ihn in einer Pathologie untersuchen. „Er will wissen, an was der Hund genau gestorben ist“, sagt Z. Dem Tierarzt in einer Klinik sei der Fall suspekt vorgekommen. Die Murnauerin ruft zu Aufmerksamkeit auf – um den Verantwortlichen vielleicht auf frischer Tat zu ertappen.

Ohlstadts Bürgermeister weiß aus eigener Erfahrung, was ein vergiftetes Tier für die betroffene Familie bedeutet

Ohlstadts Bürgermeister Christian Scheuerer (parteifrei) liegt sehr daran, dass Halter im Dorf die Verdachtsfälle an den beliebten Gassirouten kennen und entsprechende Vorsicht walten lassen. Er weiß aus eigener, schmerzhafter Erfahrung, was ein vergiftetes Tier für die betroffene Familie bedeutet. Vor längerer Zeit erwischte es die Hündin der Scheuerers, die damals beim Gassigehen vermutlich im Tennisplatz-Bereich einen Köder schluckte. Es folgte ein Heiligabend in einer Tierklinik. Die Hündin überlebte damals, erreichte noch ein fast biblisches Alter. „Aber so etwas ist nicht schön und bleibt einem ewig in Erinnerung“, sagt Scheuerer. „Diese Erfahrung möchte ich nicht noch einmal machen.“ Für ihn war sie Grund genug, „diese Meldung zu bringen, auch wenn es nur ein Gerücht ist – was ich nicht sagen kann“, erklärt der Bürgermeister. Er bezieht deutlich Position: „Man kann Hunde mögen oder nicht – aber das geht gar nicht.“ Er verurteile solche Taten „mit aller Schärfe“. Die Tiere seien in vielen Fällen wie Familienmitglieder. Scheuerer denkt dabei auch an eventuell betroffene Kinder, die an ihnen hängen.

Tierschutzvereins-Vorsitzende Lödermann spricht von einer „sehr hinterhältigen, feigen Aktion“

Damit spricht er Tessy Lödermann aus der Seele. „Solche Täter bringen Leid über Tiere und ihre Familien“, betont die Garmisch-Partenkirchnerin. Die Vorsitzende des Tierschutzvereins des Landkreises findet: Attacken in der Adventszeit zeugten besonders von einem „niedrigen Beweggrund und einem schlechten Charakter. Aber Gift auszulegen, ist immer eine sehr hinterhältige, feige Aktion“. Sie erfuhr am Telefon von der Situation in Ohlstadt und riet dazu, die betroffene Gegend nach Ködern abzusuchen und Warnhinweise aufzuhängen. Wichtig, betont Lödermann, sei auch, dass Betroffene bei der Polizei Anzeige erstatten. Dann wissen die Beamten von den Fällen und kennen die Namen der Geschädigten. Das kann helfen, die Tierarztkosten geltend zu machen, wenn ein Täter verurteilt wird.

Polizei-Hundeführer gehen in Zivil mit ihren Tieren auf betroffenen Routen Gassi

Inspektions-Chef Loy appelliert ebenfalls an Hundehalter, sich zu melden, wenn eine hohe Wahrscheinlichkeit vorliegt, dass Giftköder ausgebracht wurden. „Wir gehen solchen Hinweisen nach.“ Manchmal scheint es indes schwierig zu unterscheiden, ob eine mutwillige Vergiftung vorliegt oder ein unglücklicher Zufall: „Hunde fressen wirklich viel“ – und manchmal auch Dinge, die ihnen nicht gut tun. Liegt der Verdacht nahe, dass ein Tierhasser am Werk war, sind Beamte zur Stelle. Dann geht schon mal ein Hundeführer in Zivil mit seinem Tier im betroffenen Gebiet Gassi – und hält die Augen offen.

Lesen Sie dazu auch: „Niederträchtig und charakterlos“ : Zwei Hunde werden vergiftet - Polizei ermittelt

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