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Autokinos – hier eine Archivaufnahme aus Aschheim – sind aktuell in Bayern nicht erlaubt. 

Fußballer scheitern bislang mit besonderer Idee in Corona-Zeiten

Autokino in Ohlstadt: Behörde steigt auf die Bremse

  • Silke Reinbold-Jandretzki
    vonSilke Reinbold-Jandretzki
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Filme im eigenen Auto unter freiem Himmel sehen – das ist in diesen Corona-Zeiten in einigen Bundesländern ganz großes Kino. In Bayern bleiben öffentliche Leinwände – drinnen wie draußen – dunkel. Eine Initiative von Fußballern des SV Ohlstadt lief deshalb ins Leere. Sie wollten auf dem SVO-Parkplatz ein Autokino anbieten – und damit zugleich Gutes tun.

Ohlstadt – Die Idee ist nicht filmreif-spektakulär, sondern eher von sozialem Engagement getragen. Menschen sollen nach Ansicht von Simon Nutzinger, Fußballer des SV Ohlstadt, „in diesen tristen Zeiten eine risikofreie Möglichkeit erhalten, einen gemeinsamen Kinoabend zu erleben“ – und die Corona-Krise zumindest für ein paar Stunden vergessen.

Ein Autokino auf dem weitläufigen Parkplatz des Vereinsgeländes des SV Ohlstadt – das ist die Idee, die Nutzinger und sein SVO-Kamerad  Bernhard Kurz aufs Tapet brachten. Ein ausgeklügeltes Konzept soll den Schutz aller Beteiligten vor einer Corona-Infektion gewährleisten. „Das würde wunderbar funktionieren“, zeigt sich Nutzinger überzeugt. Kinobesucher sollen zu jeder Zeit in ihren Autos bleiben und von dort auf einer großen Leinwand aktuelle Filme – mal für Familien, mal für Jugendliche und Erwachsene – zu sehen bekommen. Etwa 60 Stellplätze will man markieren. Was nach Abzug der Kosten an Geld übrig bleibt, ist für lokale Institutionen gedacht, die aktuell unter der Krise leiden. Als Veranstalter tritt die Fußballsparte des SVO auf, die dafür mit Georg Betzmeir, Betreiber des Murnauer Griesbräu-Kinos, zusammenarbeiten will. Betzmeir, der unter der Schließung seines Kinos leidet, kümmert sich um Technik und Ausstattung. So weit der Plan.

Landratsamt lehnt Antrag des SV Ohlstadt ab: Autokino gilt als Freizeitveranstaltung

Doch: Aus dem Vorhaben wird aktuell nichts – Betzmeir machte den Fall öffentlich. Das Landratsamt hat den SVO-Antrag abgelehnt. Der Grund: „Freizeitveranstaltungen“, zu denen auch Autokino-Vorstellungen zählten, seien derzeit in ganz Bayern untersagt, erklärt Behördensprecher Stephan Scharf. In manch anderem Bundesland erleben diese dagegen einen Boom. Mit der Autokino-Idee stehen die Ohlstädter in Bayern folglich nicht alleine – es gibt diverse Vorstöße dieser Art. „Die Sache muss auf Landesebene geklärt werden und liegt in der Entscheidung der Staatsregierung“, sagt Scharf.

Ein Hoffnungsschimmer? Das bleibt offen. Nutzinger jedenfalls reagiert auf Tagblatt-Anfrage erst mal enttäuscht auf die Ablehnung. „Wir hätten Lust, das zu veranstalten, und wir sehen Möglichkeiten, wie wir unter Einhaltung der Vorschriften etwas Cooles für die Leute machen können. Schade, dass wir – Stand jetzt – nicht dürfen.“ Zumal er die Begründungen nicht durchgängig nachvollziehen kann. Ein Behördenvertreter argumentiert, eine Genehmigung schaffe einen Präzedenzfall – mit Auswirkungen auf Nachbarlandkreise. Und: Es lasse sich nicht ausschließen, dass sich Besucher nach der Filmvorführung privat treffen. Menschen könnten doch aus ihren Autos aussteigen. Oder gleich mit Angehörigen eines anderen Hausstands im selben Pkw sitzen. An Letzterem, sagt Nutzinger, „mag etwas dran sein“. Fazit des Landratsamts: Von der Veranstaltung geht ein zu großes Risiko aus, dass Beteiligte Infektionsschutz-Maßnahmen nicht beachten.

Griesbräu-Kino-Betreiber Betzmeir glaubt: Die Stimmung bei Familien kippt

Betzmeir beobachtet derweil, dass nach Wochen der Ausgangsbeschränkungen bei Familien mittlerweile „die Stimmung kippt, die wollen etwas unternehmen“. Ein Autokino, davon zeigt auch er sich überzeugt, „wäre ein Stimmungsmacher gewesen“. Betzmeir selbst droht eine Tour durchs Tal der Tränen, wenn Kinos noch lange geschlossen bleiben. Seit Mitte März sind die Leinwände dunkel, Einnahmen brachen weg. Betzmeir erhielt nach eigenen Angaben die staatliche Soforthilfe und eine Zuwendung der Filmwirtschaft. „Das ist nicht das, was man monatlich braucht, um zu überleben“, sagt der Kino-Betreiber. „Wir sind in Miete, Fixkosten laufen weiter.“ Wenn sich bis Mitte Mai nichts an der Situation ändere, werde es „schwierig“.


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