Retter der Bergwacht, hier mit Bergsportlern
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Bei Wind und Wetter im Einsatz: Retter der Bergwacht, hier mit offenbar angepasst ausgerüsteten Bergsportlern (Symbolbild).

Bei Lawinengefahr

In Leggings und kurzer Hose: Sportler im tiefen Schnee unterwegs - Bergwacht muss sie retten

  • Silke Reinbold-Jandretzki
    vonSilke Reinbold-Jandretzki
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In Dunkelheit und auf knapp 1200 Metern Höhe musste die Bergwacht Ohlstadt zwei schlecht ausgestattete Sportler retten. Das Paar aus München war in Shirt und kurzer Hose beziehungsweise Leggings unterwegs.

  • Die Bergwacht Ohlstadt musste zwei Trailläufer aus rund 1200 Metern Höhe retten.
  • Die Gesuchten trugen nur Shirt und kurze Hose beziehungsweise Leggings.
  • Die beiden hatten Riesen-Glück, dass man sie entdeckte - ihnen drohte eine Unterkühlung, außerdem bestand Lawinengefahr.

Ohlstadt/Eschenlohe – Der Leichtsinn hätte sie im schlimmsten Fall das Leben kosten können: Der Mann und seine Partnerin drohten zu unterkühlen, zudem befanden sie sich in einem Gelände, in dem angesichts steiler Hänge Lawinengefahr bestand. Doch das Paar aus München wurde am Ende rechtzeitig gefunden – auch weil die Bergwacht Ohlstadt in starker Besetzung ausrücken konnte.

Bei Lawinengefahr: Bergwacht muss Münchner Paar in Dunkelheit retten - auf 1200 Meter Höhe

Die Sportler, resümiert Bereitschaftsleiter Willi Hirmer, „haben wirklich ein Riesen-Massel gehabt“. Sie standen gegen 20.15 Uhr nur mit Shirt und kurzer Hose beziehungsweise Leggings bekleidet frierend auf knapp 1200 Metern Höhe vor den zwei Bergwachtlern, die sie entdeckt hatten. Ihre gesamte Ausrüstung, so schildert es Hirmer, bestand aus einem Trinkrucksack für zwei Personen.

Die Rettungsleitstelle hatte die Bergwacht Ohlstadt am Samstag gegen 18.45 mit der Meldung alarmiert, dass zwei Wanderer, die sich im Bereich Hirschberg/Ölrain befinden, im tiefen Schnee nicht mehr weiterkommen. Man erfuhr noch, dass sie unverletzt waren. Weitere Informationen ließen sich nicht abfragen, weil der bis dahin schon schlechte Telefonkontakt danach ganz abbrach und somit auch keine Handy-Ortung möglich war.

Einsatz der Bergwacht Ohlstadt: Sportler kommen im tiefen Schnee nicht mehr weiter

14 Ohlstädter Bergwachtler rückten aus. Man ging davon aus, dass man die Sportler in Notlage am schnellsten von Ohlstadt aus über den Wanderweg zum Wankfleck erreichen werde. Zehn Mann begaben sich in zwei Fahrzeugen zum höchstmöglichen Ausgangspunkt. Von dort marschierten sie mit Lawinenausrüstung und Schneeschuhen weiter.

Etwas früher waren, weil genügend Personal zur Verfügung stand, zwei Einsatzkräfte mit einem Quad ins Eschenlainetal gestartet, um sicherheitshalber auch die Südseite abzudecken. Doch fürs Quad lag bald zu viel Schnee. Also stiegen die beiden Retter auf Ski um. Als sie etwa 15 Minuten auf diesen unterwegs waren, trafen sie gegen 20.15 direkt auf der Forststraße Richtung Hirschau zwischen Eschenlohe und Walchensee auf die Gesuchten – zwei Trailrunner.

Suche nach Trailläufern: Bergwacht muss wegen des vielen Schnees vom Quad auf Ski umsteigen

Diese Sportler laufen gerne abseits von Straßen, etwa auf Schotter-, Wald- und Wiesenwegen oder auf Stein- und Geröllpfaden. Nach Angaben der Bereitschaft waren sie am Wanderparkplatz in Eschenlohe gestartet und am Nachmittag über den Osterfeuerkopf aufgestiegen. Der Mann erklärte, er sei die Runde bereits im Dezember gelaufen – und das habe einwandfrei funktioniert. In der Zwischenzeit hatte es jedoch wiederholt kräftig geschneit.

Die beiden Münchner, geschätzt zwischen 30 und 40 Jahre alt, wurden mit Bergwacht-Bekleidung versorgt und auf dem Quad zügig ins Tal gebracht. Ein Retter ließ sich auf Ski hinter dem Gefährt herziehen. Gegen 21.30 war der Einsatz für alle Beteiligten beendet. Das Paar benötigte keine Behandlung in einer Klinik.

Garmisch-Partenkirchen: Bergwacht Ohlstadt mit eindringlichem Appell an Wintersportler

Das Resümee der Bergwacht: Die beiden Sportler seien „ausgesprochen schlecht vorbereitet und ausgerüstet“ gewesen. Zusätzlich verhielten sie sich „äußerst ungeschickt“, indem sie sich nach ihrem Notruf auch noch vom Meldeort entfernten und anschließend keinen Kontakt mehr zur Bergwacht herstellen konnten.

„Nur durch großes Glück wurden sie so schnell aufgefunden“, hieß es. Die Bergwacht appelliert deshalb erneut, Touren im winterlichen Gebirge gewissenhaft zu planen, was Ausrüstung und Bekleidung, Tourdauer und Tageszeit, Witterung und lokale Gegebenheiten wie Schneemenge und Lawinengefahr betrifft.

Nachts und bei minus 20 Grad musste die Bergwacht kürzlich auch einen Vater und Sohn (5) von einem Gipfel retten. Alles aus der Region gibt‘s im GAP-Newsletter.

(Von Silke Reinbold-Jandretzki)

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