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Hau Ruck! In Ohlstadt wird kein Unternehmen engagiert, das die Zelte aufstellt. Das machen die Ehrenamtlichen im Dorf – wie hier am Ram – selbst. 

Gibt‘s nächstes Jahr gar nichts zu feiern?

Bierzelt-Pause in Ohlstadt

„Ziag o“ hieß es heuer des Öfteren in Ohlstadt. Und zwar immer dann, wenn ein Festzelt aufgebaut wurde. Damit ist nächstes Jahr Schluss. Im Bobfahrerdorf soll kommendes Jahr kein Zelt aufgestellt werden. Der Grund ist reiner Zufall.

Ohlstadt – Das Oktoberfest läuft seit einer Woche in vollen Zügen. Tausende Besucher zieht’s auch heuer wieder in die Bierzelte an der Theresienwiese. Die Festzeltsaison im Landkreis ist dagegen weitgehend zu Ende. Sowohl in Garmisch als auch Partenkirchen, Murnau, Eschenlohe und in vielen anderen Gemeinden wurden Jubiläen gefeiert. Auch der Gaujugendtag in Partenkirchen war einer der Höhepunkte dieses Jahr. Besonders oft hieß es jedoch in Ohlstadt ,Ziag o“. Und zwar immer dann, wenn ein Festzelt aufgebaut wurde.

Heuer gab es aber auch viele Gründe dafür. Die Musikkapelle feierte seinen 70., der Trachtenverein seinen 110. und der Krieger- und Soldatenverein seinen 150. Jahrestag. Die drei Geburtstage wurden zusammengelegt. Die Ohlstädter Festtage fanden in diesem Jahr ebenfalls statt. Und Anfang März strömten die Besucher zum Starkbierfest mit Fingerhakeln und Stoaheben. Man könnte meinen, die Ohlstädter brauchen eine Pause vom Feiern. Denn nächstes Jahr soll es kein Festzelt geben.

Dass es einmal kein Bierzelt gibt, ist an sich nichts Besonderes - in Ohlstadt aber irgendwie doch

„Ich weiß nichts anderes“, sagt Florian Poschenrieder. Und er muss es wissen. Immerhin ist er Vorsitzender der Stoaheber und der Musikkapelle Ohlstadt. Dass es nächstes Jahr kein Bierzelt geben soll, ist an sich nichts Ungewöhnliches. In Ohlstadt aber irgendwie doch. In den vergangenen Jahren stand nämlich eigentlich immer ein Zelt am Ram oder am Schwimmbadparkplatz. „Freilich hat’s des schon einmal gegeben, dass nichts war“, betont Poschenrieder. Er weiß jedoch nicht mehr genau, wie lange das her ist. „Sechs Jahre dürften es schon gewesen sein.“ Der Grund für die bevorstehende Festzelt-Flaute? „Nächstes Jahr gibt’s kein Jubiläum“, sagt er.

Eine feste Regelung, wann ein Jahrestag zelebriert wird, gibt es zwar im Allgemeinen nicht, betont Michael Hägle, Schriftführer vom Ohlstädter Trachtenverein. Jeder könne das handhaben, wie er will. Es sollte sich jedoch entweder um eine runde Zahl handeln, zumindest jedoch sollte die Zahl Fünf an zweiter Stelle stehen. Von einem beispielsweise 173-jährigem Jubiläum habe Hägle noch nie gehört. Auch wenn in Ohlstadt gern gefeiert wird, wäre dies kein Anlass, um deshalb das Festzelt aufzubauen. Dass die Jubiläen sich in den vergangenen Jahren gehäuft haben, ist für Alois Bader von der Schützengesellschaft „Heimgarten“ reiner Zufall. Dass nächstes Jahr kein feierwürdiger Vereins-Geburtstag stattfindet auch.

Auch im Fasching soll es ruhiger werden

Hägle findet dies nicht tragisch. „Das macht auch einmal nichts“, sagt er. Immerhin ist mit einem Festzelt auch immer eine Menge Arbeit verbunden. Die Ohlstädter bauen ihre nämlich immer selbst auf. Ehrenamtliche helfen dabei zusammen. Ein großer Organisationsaufwand ist so ein „Festl“ trotzdem. „Freilich, das ist schon immer ziemlich viel Arbeit“, sagt Hägle. „Auch wenn es was Schönes ist.“ Dem schließt sich unter anderem Franz Gaisreither vom Trommlerumzug an. Im November wollen sich die Vereins-Vorsitzenden Ohlstadts zusammensetzen und die Termine für kommendes Jahr genau besprechen. Eines ist dabei schon mal klar. Auch in der fünften Jahreszeit wird es ruhiger werden.

Einen Faschingsumzug soll es dann ebenfalls nicht geben. Der findet nämlich nur alle zwei Jahre statt, sagt Stefan Stadler vom Gebirgsschützenverein. Gibt es also 2018 gar nichts zu feiern? Ganz so schlimm ist es nicht. Garten- oder Dorffeste finden trotzdem statt. „Da kommen auch immer mehrere hundert Leute zusammen“, sagt Poschenrieder. Außerdem finden auswärts zahlreiche Veranstaltungen statt, an denen sich die Vereine beteiligen. Zum Beispiel das Gaufest in Murnau. „Da rücken wir selbstverständlich auch aus“, sagt Hägle. Gänzlich in Abstinenz leben müssen die Ohlstädter also nicht. Falls es 2018 doch zu langweilig werden sollte, hat Florian Poschenrieder einen Notfall-Plan. „Wir stellen einfach ein Zelt auf und schreiben darüber ,Nicht Bierzelt-Party‘“. Gemeint ist das als Gaudi, sagt er und lacht. Zweifelsohne eine originelle Idee – und ein netter Anlass, um zu Feiern.

Magdalena Kratzer

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