Mit einem alten Feuerwehrauto geht Rolf Walther auf Wahlkampf-Tour. „Das stinkt, macht Lärm, läuft maximal 85 und die Gänge gehen nicht rein.“ Aber der Politiker kann sich kein besseres Fahrzeug für seine Eigenwerbung vorstellen.
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Mit einem alten Feuerwehrauto geht Rolf Walther auf Wahlkampf-Tour. „Das stinkt, macht Lärm, läuft maximal 85 und die Gänge gehen nicht rein.“ Aber der Politiker kann sich kein besseres Fahrzeug für seine Eigenwerbung vorstellen.

Bundestags-Kandidaten im Porträt: Rolf Walther (Die Linke)

Einzelkämpfer mit Lebenserfahrung

Zwölf Direktkandidaten treten am 26. September bei der Bundestagswahl im Wahlkreis Weilheim an, zu dem auch der Landkreis Garmisch-Partenkirchen gehört. Wir haben die Bewerber an ihrem Arbeitsplatz porträtiert. Heute: Rolf Walther (Die Linke) aus Ohlstadt.

  • Seine Chancen, in den Bundestag einzuziehen, ist eher gering.
  • Das hält Rolf Walther (Die Linke) aus Ohlstadt jedoch nicht von einer Kandidatur ab.
  • Seine Steckenpferde sind Verkehr und Energie.

Ohlstadt – Neben dem in Peißenberg geborenen Alexander Dobrindt (CSU) behauptet er von sich, der einzige weitere Einheimische unter den Direktkandidaten für den Bundestag zu sein: Rolf Walther wurde vor 75 Jahren in Weilheim geboren und versucht, für Die Linke ein gutes Ergebnis zu holen. Denn, das weiß der Ohlstädter nur zu genau: „Dass ich nach Berlin komme, daran ist nicht zu denken.“ Die Rolle, die seine Partei spielt, ist hier in der Region zu unbedeutend. „Es ist schwierig, hier wahrgenommen zu werden“, sagt Walther und lächelt verschmitzt. Doch trotz aller Widrigkeiten tritt er voller Überzeugung für Die Linke an.

Wenn die eigene Partei nicht im Konzert der Großen und Etablierten mitspielen kann, muss man sich die Anerkennung eben anders erarbeiten. Walther hat das geschafft, obwohl Die Linke erst seit März 2020 bei der Kommunalwahl präsent ist. „Die SPD und die CSU mit ihren Vorgängerparteien gibt es seit über 100 Jahren. Da haben sich beim Wähler Gewohnheiten entwickelt“, verdeutlicht der 75-Jährige, der als Einzelkämpfer seiner Partei im Garmisch-Partenkirchner Kreistag sitzt. „Nett“ findet er das, zumal er anmerkt, mit anderen Kommunalpolitikern – er nennt zuvorderst Peter Imminger, Michael Bräu und Landrat Anton Speer – gut zurechtzukommen.

Arbeit im Kreistag

Trotz des geringen Bekanntheitsgrades kann Walther auf Erfolge zurückblicken. So bildet er im Verbund mit den vier Kollegen der SPD eine Ausschussgemeinschaft im Kreistag. „Die hätten mich nicht nehmen müssen.“ Ihm gelang der Sprung in den Jugendhilfeausschuss. „Der Zuspruch geht über die Parteigrenzen hinweg“, freut sich Walther. So gewann er gegen einen Abgeordneten der AfD eine Abstimmung mit großem Vorsprung und zog in den Ausschuss für ÖPNV ein. „Ohne die vielen Stimmen von der CSU und den Freien Wählern hätte ich es nicht geschafft“, weiß Walther. Und in einer Nachwahl setzte er sich gegen eine Bewerberin der Grünen deutlich durch und ist Ersatzmitglied im Beirat für Energie der Zugspitz GmbH. Auch hier waren ihm die Zustimmung aller Kreisräte jeglicher Couleur sicher, außer die der Grünen natürlich.

Die wichtigsten Forderungen von Die Linke sind eine aktive Arbeitsmarktpolitik, die Zentralisierung des Gesundheitswesens oder gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Dafür steht auch Walther, dessen Steckenpferde jedoch Verkehr und Energie sind. Beruflich berechnet und baut er als Sachverständiger für Photovoltaik PV-Anlagen. „Energieerzeugung und -gewinnung liegt mir im Blut“, sagt er. In Dessau hat er sich ein zweites Standbein für die Photovoltaik aufgebaut.

In der Verkehrspolitik ließ der Diplom-Ingenieur im Druckereiwesen zuletzt öfter aufhorchen – er stellte im Kreistag Anträge zu Radwegen, forderte den zweigleisigen Ausbau der Werdenfelsbahn und den Halbstundentakt. „Ich bin ein Freund der Eisenbahn“, betont Walther, „aber kein erbitterter Gegner von Straßentunnel.“ Neidvoll blickt er nach Österreich und in die Schweiz, wo ein Vielfaches in den Schienenverkehr investiert wird. „Bei uns werden die Bahnhöfe abgewrackt, das ärgert mich.“

Früher SPD-Mitglied

Seine Motivation zieht der 75-Jährige – früher lange Jahre SPD-Mitglied – aus seinen Qualitäten und Fähigkeiten sowie aus seiner Lebenserfahrung. „Da überholt mich so schnell keiner.“ Er wolle für die Partei, der er nahe steht, zum Erfolg beitragen.

Mit Mitte 70 noch im Arbeitsleben zu stehen, ist eher ungewöhnlich. Walther betreut Gruppenversicherungen bei PV-Anlagen, berät Kunden, wartet die Geräte. „Ich mach’ eine ganze Menge. Aber ich kann es mir selber einteilen“, sagt er zu seinen Arbeitszeiten. Eine große Stütze ist seine Frau Ursula, die die Finanzen und das Büro regelt. „Ohne die wäre ich völlig aufgeschmissen“, betont Walther. Kennengelernt hat sich das Paar 1972 beim Köche-Ball im Kursaal in Garmisch-Partenkirchen, seit 1975 sind die Walthers verheiratet.

Dass Walther auch mal widerspenstig werden kann, bewies er bei der Kreistagssitzung in Oberammergau. Es ging um das Unesco-Weltkulturerbe. Er habe im Vorfeld gesagt, dass er dafür stimme. „Aber es gab noch ungelöste Fragen, Bedenken, Korrekturen, es ging um den Nachteilsausgleich.“ Nach einem Antrag der Grünen, die Debatte einfach zu beenden, gab es noch zwei schnelle Wortmeldungen, dann wurde abgestimmt, ohne dass die Verträge geregelt waren. „Ein Formfehler“, schimpft der 75-Jährige, der „wutschnaubend und schimpfend aus dem Saal“ stürmte. Hinterher seien einige CSU-Politiker zu ihm gekommen, hätten ihm auf die Schulter geklopft und ihm Respekt für diese Aktion gezollt. Das beweist: Walther ist als Vertreter einer kleinen Partei anerkannt. Die Partei ist wirklich klein: Im Landkreis Garmisch-Partenkirchen gibt es gerade mal sechs Mitglieder von Die Linke.

Alexander Kraus

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