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Oldtimer-Freunde unter sich: Initiatorin Bettina Müller (vorne 4. v. r.) mit den anderen Teilnehmern des Treffens.

Außergewöhnliche Wohnmobile

Fantreffen in Ohlstadt: Die große Freiheit im umgebauten Mercedes-Laster

Der Mercedes-Laster 911 bietet sich bestens als Basis für ein Wohnmobil an. Fans des Gefährts trafen sich jetzt in Ohlstadt bei  Bettina Müller.

Ohlstadt – Es war ein Anblick, den Augenzeugen staunend verfolgten: Acht Mercedes-Kurzhauber des Typs 911 fuhren im Konvoi durch das Oberland und bildeten durch ihre farbenfrohen Lackierungen einen Kontrast zur Bergkulisse. Initiatorin der Aktion war Bettina Müller aus Ohlstadt, die selbst solch ein Gefährt besitzt und damit im nächsten Jahr nach Kasachstan reisen will.

Um sich mit Gleichgesinnten über Erfahrungen auszutauschen, lud sie Liebhaber dieses Fahrzeugtyps ein Wochenende lang zu sich ein. So kam es, dass sich auf Müllers Grundstück insgesamt acht Kurzhauber aufreihten, deren Eigentümer aus Deutschland und der Schweiz stammen. Darunter auch Ralf Hokenmaier und Maren Huber aus dem baden-württembergischen Bad Boll. Dort führten sie 20 Jahre lang eine Werbeagentur, bis sie 2017 den Schlussstrich zogen und aus ihrem bisherigen Leben ausstiegen. Die Firma mitsamt dem großen Haus wurde verkauft – dafür schafften sich die beiden einen Kurzhauber an, der ursprünglich für Einsätze des Roten Kreuzes gebaut worden war.

Hokenmaier funktionierte den Wagen zum Wohnmobil um. Neben einer Küche mit angrenzendem Schlafbereich gibt es auch ein Wasserfiltersystem und eine Solaranlage. „Wir wohnen jetzt in diesem Wagen und führen das Leben digitaler Nomaden“, erklärt Hokenmaier. Aufträge für ehemalige Stammkunden erledigen sie vom Laptop aus. Die Motivation hinter diesem Wandel ist Minimalismus: „Es war alles zuviel. Wir hatten eine Putzfrau und einen Gärtner. Meine Frau besaß 100 Paar Schuhe – aus heutiger Sicht ist das verrückt“, lacht Hokenmaier. Ihm zufolge geht diese Reduktion mit großer Freiheit einher: Um dem kalten deutschen Winter zu entkommen, werden die zwei mit ihrem Mercedes nach Marokko fahren.

Dort treffen sie wiederum auf Müller, die eine Probefahrt in dem nordafrikanischen Staat unternehmen will, bevor es 2020 auf große Reise geht. „Ich werde drei bis vier Wochen unterwegs sein. Meine Route führt über Tanger und den Hohen Atlas“, erklärt die Ohlstädterin, die 2010 den Schritt in ein autarkes Leben wagte und seitdem auf 25 Quadratmetern in einem Tiny House wohnt.

Die Faszination bezüglich alternativer Lebensentwürfe bewog auch den Schweizer Manuel Weibel dazu, sich dem Treffen anzuschließen. Der 39-Jährige nutzte seinen Urlaub für einen Bayern-Reise mit Frau und Kind. Vor zehn Jahren schaffte er sich den Mercedes 911 an – ein ehemaliges Feuerwehreinsatzfahrzeug Baujahr 1976. „Zu Dritt kann man sehr komfortabel reisen“, meint Weibel, der mit dem Wagen schon in Albanien, Marokko und sogar auf Island unterwegs war. Die Innenausstattung inklusive Sitzecke, Küchenzeile und Schlafmöglichkeit fertigte er eigenständig an. Diese Schaffenskraft kombiniert mit dem Mut, seine Träume zu verwirklichen, war allen Teilnehmern zu eigen.

Constanze Wilz

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