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Selbstporträt: Friedrich August von Kaulbach hat sich 1917 selbst gemalt. Das Bild steht in der Kaulbach-Villa, wo Sigrid Weindauer ehrenamtlich Führungen gibt.

Ausstellung in Bundeskunsthalle

Ohlstadts Malerfürst kommt groß raus

In der Bundeskunsthalle in Bonn werden heuer rund 50 Werke von Friedrich August von Kaulbach gezeigt. Die meisten stammen aus der Ohlstädter Kaulbach-Villa. Darüber hinaus sind spektakuläre Farbfotografien zu sehen.

Ohlstadt – Bereits in der Renaissance und im Barock etablierten Maler wie Raffael, Tizian und Rubens ihren gesellschaftlich anerkannten und höfisch privilegierten Sonderstatus. Als „Malerfürsten“ zeigten sie sich in ihrem Verhalten und in ihren Selbstbildnissen. Im 19. Jahrhundert gewannen die vom Publikum gefeierten neuen Malerfürsten höchstes Ansehen und Prestige. Diesem länderübergreifenden Phänomen widmet sich die Bundeskunsthalle Bonn ab 28. September in einer Ausstellung. Auch Friedrich August von Kaulbach (1850 bis 1920) zählte zu den gefragten Künstlern. Er erbaute 1893 in Ohlstadt die Kaulbach-Villa. Sie diente ihm ihm bis 1910 als Zweitwohnsitz im Sommer und von 1910 bis zu seinem Tod als Hauptwohnsitz.

Die Schau „Malerfürsten“ in der Bundeskunsthalle zeigt rund 50 Kaulbach-Werke. „Die meisten kommen aus der Kaulbach-Villa in Ohlstadt“, sagt Kuratorin Dr. Katharina Chrubasik. Interessant ist, dass in Bonn auch so genannte Autochrome aus dem Dorf am Heimgarten präsentiert werden. Dies ist ein Farbfotografieverfahren, das 1903 von den Brüdern Lumière entwickelt wurde. Bei den Kaulbach-Autochromen – es sind rund 90 Stück – handelt es sich um persönliche Bilder „wie beispielsweise von der Familie, vom Garten und Portraitaufnahmen“, sagt Sandra Skrzypale, Pressesprecherin der Deutschen Rentenversicherung Nordbayern (DRV). Die Glasplatten lagerten im Depot der Villa – bis dato anscheinend relativ unbeachtet. Sie gehören der DRV Nordbayern. Diese betreibt die Ohlstadklinik, auf deren Areal die Kaulbach-Villa steht. Das Atelier dient heute als Museum, das von der Gäste-Info betreut wird. Ehrenamtliche geben Führungen.

Die Verantwortlichen der Bundeskunsthalle sind begeistert von den Autochromen. Dieses Konvolut „stellt an sich schon einen großen Schatz dar“, betont Kuratorin Chrubasik. „Als Dokumentation sowohl der Familie, der Wohnsitze, aber auch der Werke von Kaulbach sind die Autochrome für weitere wissenschaftliche Recherchen zum Malerfürsten Kaulbach und zur Rolle der Fotografie in seinem Werk von unschätzbarem Wert.“

Bürgermeister Christian Scheuerer (parteifrei) findet die Geschichte ebenfalls „sehr spannend“. Im ersten Moment, als er die Glasplatten sah, sei er „völlig platt“ gewesen. Die Farben seien „toll. Das war ganz beeindruckend“. Dass Kaulbach und damit Ohlstadt in der Bundeskunsthalle präsentiert werden, „ist für uns ein ganz besonderes Ereignis“, betont der Rathauschef. Die Eröffnung der Ausstellung hat Scheuerer in seinem Terminkalender bereits geblockt. Die Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, kurz Bundeskunsthalle, ist eines der besucherstärksten Museen in Deutschland.

Da Autochrome sehr empfindlich sind, hat sich die Einrichtung entschieden, nicht die Originale, sondern die digitalisierten Versionen in Form einer Projektion in der Ausstellung zu zeigen. Die Digitalisierung erfolgt in einem Labor für Diabearbeitung. Vorher inventarisieren Fachleute der Bundeskunsthalle die Autochrome. Dieses Vorhaben läuft. Daher will die Bundeskunsthalle noch kein Bilder zum Abdruck im Tagblatt zur Verfügung stellen. Ob die Autochrome später in der Kaulbachvilla gezeigt werden, „wird nach der Digitalisierung entschieden“, sagt DRV-Sprecherin Skrzypale.

Im Zentrum der Ausstellung stehen die Selbst- und Fremdinszenierungen der modernen Malerfürsten und der Künstlerkult, der sich um sie rankte. „Erfolgreich nutzten sie die Macht ihrer Netzwerke und ihre Popularität für den sozialen Aufstieg“, heißt es auf der Homepage der Bundeskunsthalle. Durch neue Reproduktionsmedien, Ausstellungsinszenierungen, Atelierbesuche und Interviews in Tageszeitungen seien die Künstler und ihre Werke weltweit mit großem Gewinn vermarktet worden. „Schon zu Lebzeiten wurde Kaulbach den „Malerkönigen“ zugeordnet“, sagt Kuratorin Dr. Doris H. Lehmann. „Und dass er ,auf Augenhöhe’ mit den Reichen und Mächtigen war, zeigte sich zum Beispiel in seiner Jagdfreundschaft mit Prinzregent Luitpold von Bayern.“ Wie auch andere habe Kaulbach wiederholt durch sein soziales Engagement auf sich aufmerksam gemacht. „Zu Gunsten bedürftiger Künstler verkaufte er nicht nur eine Pastellfassung seiner populären ,Schützenlisl’, sondern er gründete hierfür sogar eine eigene Kunststiftung.“

Roland Lory

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