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Geschützter Nager: die Haselmaus

Neuer Radwegabschnitt an der Staatsstraße 2062 muss warten

Haselmaus funkt bei Bauprojekt dazwischen

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Der Zeitplan ist Makulatur: Murnau und Ohlstadt müssen den Bau des Radwegs zwischen Deponie und Gestüt Schwaiganger um ein ganzes Jahr verschieben. Der Grund kommt zierlich-klein daher – und wiegt doch schwer: die geschützte Haselmaus.

Ohlstadt/Murnau– Sie ist ein possierliches, winziges Wesen mit kleinen Ohren und dunklen Knopfaugen. Doch Ohlstadts Bürgermeister Christian Scheuerer (parteifrei) wird sich wohl nicht mehr übermäßig für die Haselmaus, Tier des Jahres 2017, erwärmen können. Der geschützte Nager aus der Familie der Bilche kommt Ohlstadt und Murnau beim Bau des neuen Radwegs südlich der Staatsstraße 2062 in die Quere. An das Projekt ist die lange geplante Hochwasserfreilegung der Route bei Achrain geknüpft, die das Staatliche Bauamt Weilheim verwirklicht.

Die kleine Haselmaus, die im betroffenen Gebiet lebt, sorgt letztlich dafür, dass die Gemeinden gezwungen sind, den ersten Schritt beim Bau des Radweg-Abschnitts zwischen Gestüts-Einfahrt und Deponie Schwaiganger zu verschieben, den sie mit Hilfe von hohen Zuschüssen selbst zu tragen haben. Und zwar um ein ganzes Jahr, auf Oktober 2018; der eigentliche Bau soll 2019 anlaufen. Die Kommunen dürfen wegen der Lebensweise der Haselmaus nur im Oktober die Bäume an der Staatsstraße fällen lassen, die wegen des Projekts weichen müssen. Der laufende Monat war für die Rodung ursprünglich vorgesehen. Doch daraus wurde nichts. Nur eine Firma hatte bei der Ausschreibung ein Angebot über knapp 70 000 Euro abgegeben – doppelt so viel, wie die Kostenschätzung betrug. Ohlstadt als Bauherrin und Murnau verzichteten auf die Vergabe, weil sie angesichts der riesigen Differenz damit gegen Förderkriterien verstoßen hätten und auf den 70 000 Euro sitzen geblieben wären. Ärgerlich, keine Frage – aber nicht zu ändern. Scheuerer sieht das Abwarten als Signal nach außen, „dass wir auf die Finanzen schauen und irgendwann sagen: Da ist Schluss.“ Nicht schon beim ersten Gewerk des Projekts sollte es eine Kostenexplosion geben – zumal weder Scheuerer noch Kämmerer Christoph Gratz prognostizieren wollen, welche Ausgaben der Radwegbau den Orten abverlangt.

Scheuerer versucht nun vielmehr, die Verzögerung „als Chance“ zu sehen, an der Planung zu feilen und Kosten zu reduzieren. Momentan befinden sich zum Beispiel „einige schöne, alte Straßenbäume“ unter den mit pinker Farbe markierten Gehölzen, die gefällt werden sollen – da blutet Scheuerer das Herz. Zudem könnten Synergien genutzt werden, die sich angesichts der geplanten Investitionen im Gestüt Schwaiganger auftun, meint der Bürgermeister. Es gibt Überlegungen, die Abwasserent- und Trinkwasserversorgung eventuell über Murnau abzuwickeln. Die nötigen Leitungen, sagt Scheuerer, ließen sich in die neue Bike-Route integrieren. Und er betont: „Hätten wir 2018 schon den Radweg gebaut, hätte er an der Einfahrt der Deponie Schwaiganger erst einmal geendet.“

Ohlstadt und Murnau handelten mit dem Staatlichen Bauamt aus, dass sie nur noch für einen 1,5 Kilometer langen Abschnitt des geplanten Radwegs, der 2,3 Kilometer umfasst, zur Kasse gebeten werden. Die Kosten für die Strecke von der Einfahrt der Deponie in Richtung Murnau laufen nun beim Bauamt auf. Die Behörde trägt – so der Deal – zudem die Investitionen in die Höherlegung eines mehrere hundert Meter langen Abschnitts der Staatsstraße, die diese wichtige Verkehrsader vor Überflutungen schützen soll. Diese kommen mehrmals im Jahr vor und sorgen für Verärgerung. Scheuerer weist gebetsmühlenartig darauf hin, dass die Hochwasserfreilegung für Ohlstadt „extrem wichtig“ sei. Überflutungen verzögerten Rettungseinsätze und schnitten Pendler ab.

Das Staatliche Bauamt will mit diesem Projekt, für das 2,5 bis 3 Millionen Euro angesetzt sind, 2018 ins Genehmigungsverfahren gehen. Der Antrag, sagt der für den Landkreis zuständige Abteilungsleiter Dr. Hermann Streicher, werde wohl in der zweiten Jahreshälfte 2018 erfolgen. Im günstigsten Fall – wenn es wenig Einwände und keine Widerstände gibt – könnte der Bau etwa 2020 starten.

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