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An eine reich gedeckte Tafel lädt Bettina Müller an Heiligabend ein – alle, die sich einsam fühlen.

Heiligabend: Bettina Müller will Menschen ein schönes Fest schenken

Ein Weihnachtsessen für einsame Menschen

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Zum gemeinsamen Weihnachtsessen lädt Bettina Müller aus Ohlstadt ein - und zwar alle Menschen, die sich an Heiligabend einsam fühlen. Denn am 24. Dezember sollte sich niemand alleine fühlen. 

Bettina Müller aus Ohlstadt freut sich auf das Fest.

Ohlstadt – Heiligabend – Bettina Müller glaubt, er ist der grausamste Abend im Jahr. Für all jene, die einsam sind. So leben sie 365 Tage. Aber an diesem einen Abend wird ihnen ihre Einsamkeit vor Augen geführt. Wenn jeder mit seiner Familie beisammensitzt, im engsten Kreis. Vertraut. Da wird die Einsamkeit für manch einen unerträglich. „Solche Tage sollte es nicht geben“, findet Bettina Müller. Deshalb schafft sie die Einsamkeit an Heiligabend für ein paar Menschen ab.

Spontan hat die 54-Jährige entschieden: Sie lädt am 24. Dezember Menschen ein, die nicht alleine sein können oder wollen. Auf ihrer Facebook-Seite veröffentlichte sie den Aufruf: „Alle sprechen von Weihnachten und falschen Weihnachtsmännern, von einem Christkind, das doch keiner wirklich kennt. Ich möchte völker- und religionsübergreifend Menschlichkeit zeigen und an dem christlichen ,Heiligen Abend’ ein paar Menschen einladen, die einfach nur einsam sind, egal, wer sie sind.“ Arm oder reich, jung oder alt – interessiert Müller nicht. Die Einsamkeit verbindet ihre Gäste. Im Umkreis von 20 Kilometern holt sie diese auch ab.

Viele trauen sich nicht, sich zu melden

Ein paar haben sich bereits gemeldet. Aus dem Landkreis zum Teil, eine Frau sogar aus München. Viele trauen sich nicht, davon ist Müller überzeugt. Weil Einsamkeit gegen die Norm der Gesellschaft verstoße, werde sie als Makel wahrgenommen. Doch hofft die Ohlstädterin, dass Betroffene einfach den Schritt wagen, sich melden – und einen schönen Abend in Gesellschaft verbringen.

Bettina Müller, die die Wintermonate normalerweise in Australien verbringt und dort an ihren Büchern arbeitet, wird ihre Gäste bekochen. Bis Samstag, 23. Dezember, 14 Uhr, nimmt sie via Facebook-Nachricht Anmeldungen entgegen. Eine Obergrenze setzt Müller nicht. Jeder wird einen Platz finden. Natürlich auch ihr eigener Sohn (37), der in München lebt. Ob er an Heiligabend kommt, weiß Müller nicht. Es spielt für sie keine entscheidende Rolle – weil ihr Weihnachten nicht so viel bedeutet. „Es ist ein Fest zum Feiern.“ Und sie feiert gerne. Einsam aber fühlt sie sich nie. Das Gefühl der Gemeinschaft will sie nun weitergeben.

Beim G7-Gipfel Demonstranten Schlafplatz angeboten

Für ihre spontanen Aktionen ist Bettina Müller im Freundeskreis längst bekannt. Seit 2015 auch darüber hinaus. Im Vorfeld des G7-Gipfels auf Schloss Elmau untersagte der Markt Garmisch-Partenkirchen am Ortsrand zunächst ein Camp für Demonstranten. Müller hörte davon – und bot via Facebook sofort Schlaf- und Zeltplätze an. Nicht nur G7-Gegner meldeten sich, auch Medien rückten an. Fernsehen, Radio, Zeitungen: Alle wollten mehr über die Ohlstädterin erfahren, die sich da auf ihre Art für Demonstrationsfreiheit einsetzte. Doch geht es Müller weniger um sich und ihre Ideen als vielmehr um die Reaktionen darauf. „Ich gebe nur den Denkanstoß. Der Hammer ist, was daraus entsteht.“ Vor dem G7-Gipfel etwa – am Ende wurde das Protestcamp via Gerichtsbescheid genehmigt – meldeten sich zahllose Bürger, die ebenfalls Demonstranten einluden.

Auch jetzt löste Müllers Weihnachtseinladung eine Welle der Solidarität aus. Unternehmer sowie Privatpersonen spenden Essen, Getränke und Geld. „Das ist so unglaublich.“ Und entspricht ihrem Appell, den sie an ihre Facebook-Einladung anfügte: Vielleicht diene ihre Aktion als Impuls, „die reiche Tafel zu teilen“. Ob mit alten Menschen, obdachlosen, benachteiligten oder eben einsamen. „Vielleicht schließen sich andere an und teilen die Idee. Wir sind reich genug.“

Einsame Menschen,

die an Heiligabend nicht alleine sein möchten, lädt Bettina Müller zu einem gemeinsamen Abend ein. Interessierte können sich bis Samstag, 23. Dezember, per privater Nachricht auf dem Facebook-Profil der Ohlstädterin melden. Dann bekommen sie auch die Adresse. Zu finden ist die 54-Jährige auf der Plattform unter dem Namen „Bettina A. Müller“. Das Essen beginnt an Heiligabend gegen 19 Uhr.

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