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Ganz besonderes Baby: die Eltern Maria und Martin Berndaner mit Johannes (2, l.), Marina (9, 2.v.l.), Markus (10, r.) und Josef, der prächtig wächst und gedeiht. Er hat, davon ist die Familie überzeugt, der Mama das Leben gerettet. 

Brustkrebs bei Schwangerschafts-Vorsorge entdeckt

Kleiner Schutzengel: Baby Josef Martin rettet seiner Mutter das Leben

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Ihr Retter kam nicht an Weihnachten auf diese Welt, sondern schon am 5. Dezember: Josef Martin. Für Maria Berndaner aus Ohlstadt besteht kein Zweifel: „Das Baby hat mir das Leben gerettet.“ Durch das Kind im Bauch entdeckten Ärzte rechtzeitig ihre Brustkrebserkrankung. Eine Geschichte über Angst, Hoffnung, Erlösung und Glück.

Ohlstadt – Josef Martin genießt. Mit geschlossenen Augen liegt der Bub, in eine Decke gewickelt, an die Mama geschmiegt, gibt keinen Mucks von sich. Was für ein Geschenk Gottes, dieses friedliche Bild puren Glücks.

Dafür steht Josef, und zwar in mehrfacher Hinsicht. Maria (39) und Martin Berndaner (40) haben am 5. Dezember ein gesundes viertes Kind bekommen, und damit lösten sich unzählige Ängste und Sorgen auf. „Mir sind die Tränen gekommen, als es hieß: Mit dem Baby ist alles in Ordnung“, sagt Maria Berndaner. Sie weinte Tränen der Erleichterung, der Dankbarkeit und des Glücks nach Monaten, in denen sie gekämpft hatte: um ihr Leben, um das ihres ungeborenen Kindes. Es war eine harte Zeit gewesen, in der sie nie den Glauben daran verloren hat, dass alles gut wird.

Der kleine Josef, noch keine drei Wochen alt, machte das möglich. „Das Baby hat mir das Leben gerettet.“ Nur seinetwegen war Maria Berndaner einst zur Schwangerschafts-Vorsorge beim Gynäkologen, bei der ihr Mann sie an Verhärtungen in der linken Brust erinnerte, die sie untersuchen lassen sollte – und die sie aufs Abstillen ihres heute Zweitjüngsten, Johannes (jetzt 2), geschoben hatte. „Mein Frauenarzt meinte sofort: Die Brust gefällt mir nicht.“ Ganz deutlich sah er im Ultraschall den Tumor; am gleichen Tag folgten eine Biopsie und die Kontaktaufnahme mit dem Klinikum Großhadern. Familie Berndaner fuhr derweil noch mit dem Wohnwagen in den Urlaub. „Ich hatte an Zysten gedacht“, sagt Maria Berndaner. „Mir ist es doch gut gegangen wie nie zuvor.“ Und doch fragte sie schon bei der Biopsie: Könnte die Brust entfernt werden?

Großer, bösartiger Tumor in der linken Brust

Dann traf das niederschmetternde Ergebnis ein. Maria Berndaner trug mit damals 38 Jahren ein 6,5 bis 8 Zentimeter großes, bösartiges Mammakarzinom in der linken Brust – und gleichzeitig doch ihr Baby unter dem Herzen. Die Experten in Großhadern wollten dem Kind noch zwei Wochen Zeit bis zur 18. Schwangerschaftswoche geben – „und sich besprechen“, sagt die Mama. „So einen großen Tumor in der Schwangerschaft hatten sie noch nie gehabt.“ Klar war: Es gab keine Zeit zu verlieren. Bis zur Geburt, erfuhr Berndaner, „wäre es nicht mehr gut gegangen“. Ein Tumor dieses Ausmaßes sei „normal nicht mehr verkapselt“. Doch sie hoffte, dass sich eine Chemotherapie in der Schwangerschaft vermeiden lässt. „Ich hatte Angst und mein Leben und um das Leben meines Kindes.“

Für die Ohlstädterin und ihren Mann brach „die schwierigste Zeit“ an – die rund vier Wochen, die zwischen dem Ergebnis der Biopsie und dem Befund nach der Radikaloperation lagen, in der Ärzte Berndaners linke Brust komplett entfernten: am 7. Juli 2017. „Das war mein zweiter Geburtstag“, sagt die vierfache Mama heute. Einige Tage nach dem Eingriff, den Mutter und Kind gut überstanden, traf die erlösende Nachricht ein: Der Tumor war verkapselt, keine Lymphknoten waren befallen.

Diagnose schweißte Familie zusammen

Mit ihren älteren Kindern Markus (10) und Marina (9) hatten die Eltern zuvor „brutal offen“ geredet. „Wir haben ihnen nichts vorgemacht“, sagt Maria Berndaner. Die harte Diagnose schweißte die ganze Familie noch mehr zusammen „Man schätzt jetzt ganz anders, dass man einander hat.“ Ihr selbst half in diesen Wochen das Wissen, schwanger zu sein – und dass ihr Baby jede Gefühlsregung mitbekommt, sie deshalb Ruhe bewahren muss. „Und ich glaube ganz fest, dass ich einen Schutzengel hatte.“ Ihren Vater Josef, der vor fünf Jahren gestorben ist. Nach ihm haben die Berndaners auch ihr Söhnchen benannt, das mit 4150 Gramm und 55 Zentimetern in Garmisch-Partenkirchen zur Welt kam – und letztlich ein kleiner Schutzengel ist. Maria Berndaner kann ihn dank der Unterstützung durch die Murnauer Hebamme Janina Rall an der verbliebenen Brust sogar stillen – eine Ärztin hatte ihr dazu geraten. „Er genießt es“, sagt die Mama mit Blick auf ihr schlafendes Baby. „Und ich genieße es auch.“ Dennoch erntet Maria Berndaner einzelne kritische Kommentare – gerade so, als wäre Krebs beim Stillen ansteckend.

Auch wenn alles so glücklich wirkt und Martin Berndaner „dankbar sowie froh“ darüber ist, „dass alle gesund und wieder da sind und die Zeit der großen Unsicherheit abklingt“: Die Folgen der schweren Erkrankung begleiten Maria Berndaner. Sie muss sich regelmäßig untersuchen (lassen), und irgendwann folgt ein Brustaufbau. Vor allem aber werde bei ihr „immer die Angst bleiben, was kommen könnte“. Doch sie will Betroffenen mit ihrer Geschichte, die so viel Hoffnung macht, Mut zusprechen. „Ich wünsche anderen auch das Glück, das ich hatte – besonders, wenn Kinder da sind.“ Berndaner ruft dazu auf, hellhörig zu sein, auf sich aufzupassen. Rall ergänzt: „Ich glaube, die Selbstuntersuchung der Brust und die gynäkologische Vorsorge sind das A und O.“ Berndaner ist die siebte Frau mit Brustkrebs in Schwangerschaft oder Stillzeit, die Rall in 19 Jahren als Hebamme getroffen hat. Hier werde „viel totgeschwiegen“.

Bei den Berndaners wurde offen kommuniziert. Den Kindern sitzt „der Schreck noch im Nacken“, sagt Maria Berndaner. Sie kümmern sich liebevoll um den kleinen Bruder, der eigentlich gar nicht mehr in den Familien-Planungen vorgesehen gewesen war. „Und sie sehen es auch so: Das Baby hat der Mama das Leben gerettet. Was für ein Glück, dass es gekommen ist.“

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