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Auf einer Linie – der Ohlstädter Landwirt Leonhard Zach (r.) und Bund Naturschutz-Chef Richard Mergner.

Ökolandbau fördert die Artenvielfalt

Landwirtschaft: Ohlstädter Modell mit Vorbildcharakter

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Wie ökologisch ist die Landwirtschaft? Müssen Wiesen wirklich sechs- bis siebenmal gemäht werden? Einen anderen Weg geht Leonhard Zach in Ohlstadt.

Ohlstadt – Als Leonhard Zach vor zehn Jahren seinen neuen Kuhstall baute, wollte niemand die Bienen retten. Er ahnte natürlich auch nicht, dass er einmal als Vorzeige-Landwirt auftreten wird, an dem sich nun ganz Bayern orientieren soll. Doch so weit ist es nach dem erfolgreichen Volksbegehren „Rettet die Bienen“ gekommen. Der Bund Naturschutz (BN) hat Zachs Betrieb, den er im Zusammenschluss mit Kathi Benedikt (in einer GBR) bewirtschaftet, zum Exempel erhoben, wie das denn künftig mit dem Ökolandbau funktioniert. Die zentrale Forderung, verankert im neuen Gesetz: Die Zahl der Öko-Flächen im Freistaat muss verdreifacht werden – von 11 auf 30 Prozent. Und das bis 2030. Dafür braucht es in etwa die dreifache Anzahl an Landwirten, die nach den europäischen Vorgaben arbeiten wie Leonhard Zach und Kathi Benedikt.

2008 schlossen sich die zwei Landwirte zusammen. Ein Jahr später stand der Stall, in dem derzeit 47 Milchkühe leben. Benedikt kümmert sich ums Melken und den Hof. Die schwere Arbeit auf den Feldern ist sie los. „Da lasse ich gerne den Mannsbildern den Vortritt“, sagt die Bäuerin. Nebenbei betreut sie das Sonnenacker-Projekt im Landkreis. Jeder kann sich auf einem der neun Äcker zwischen Garmisch-Partenkirchen und Murnau einmieten und sein eigenes Obst und Gemüse anbauen.

Grünland wird nur viermal im Jahr gemäht

Geschäftspartner Zach kümmert sich um die Kühe und das riesige Areal. 60 Hektar Grünland, die als Futtergrundlage dienen, sowie 50 Hektar Streuwiesen bestellt der Ohlstädter. Die Mahd verwendet er zur Einstreu für seinen Stall. Zach kürzt die Streuwiesen nur einmal im Jahr. Das Grünland mäht er vier- statt sechs- bis sieben Mal, wie es viele Kollegen in der konventionellen Landwirtschaft handhaben. Eine solche „Rasenmentalität“ würde sich Richard Mergner, der BN-Boss in Bayern, auf mehr Höfen wünschen. Tatsächlich sehen die meisten Wiesen eintönig oder eher einfarbig aus: nämlich grün. Häufig wird im Frühjahr schon gemäht, bevor es auf den Wiesen zu blühen beginnt. Verloren geht der Lebensraum der Insekten. Das benachbarte Gestüt Schwaiganger hatte die Heuernte in diesem Jahr vor dem 15. Juni eingeführt. „Das muss dringend geändert werden“, findet Mergner.

Letztlich entscheiden die Verbraucher

Seine Mitstreiterin Marion Ruppaner präsentierte in Ohlstadt die Ergebnisse der neuen Umfrage des Thünen-Instituts. Sie kommt zu dem Schluss, dass Ökolandbau die Artenvielfalt fördert. Neun Prozent mehr Ackerkräuter und 35 Prozent mehr Singvögel gebe es der Studie zufolge auf diesen Flächen. Über Gelingen oder Scheitern des Vorstoßes entscheiden die Verbraucher. Eine beeindruckende Zahl verdeutlicht, wie groß der Einfluss des Einzelnen sein kann: Eine Bio-Kuh deckt den jährlichen Bedarf von 20 Bayern an Milch, Käse und Joghurt ab. Je mehr Konsumenten im Supermarkt zu den teureren Bio-Produkten greifen, desto mehr Landwirte kommen ins Grübeln. Etwa 1000 Kunden braucht es, damit ein ganzer Hof auf Biomilch-Produkte umsteigt.

Lesen Sie auch: Weltneuheit: Nach sechs Stunden mähen im Steilhang fühlt sich Jakob Rauchenberger völlig ausgeruht. Der Landwirt aus Wegscheid steuert seine Maschine vom Liegestuhl aus – mit einer 3D-Brille auf der Nase und einem alkoholfreien Weißbier in der Hand.

BN-Chef Mergner nimmt zudem die öffentlichen Einrichtungen in die Pflicht. Er wünscht sich, dass Kantinen in Schulen, Krankenhäusern oder Landratsämtern auf Bio umstellen. Ein 30 Prozent großer Anteil an Biolebensmitteln sollte machbar sein, findet der Franke. München und Nürnberg haben bereits verbindliche Ziele für ihre Einrichtungen festgelegt. Die „klare Forderung zum Nachmachen“ richtet Mergner auch an den Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Ein Plädoyer in Richtung der Kollegen hält Landwirt Zach, der seine Milch seit zehn Jahren an die Molkerei Andechs liefert. Auch er regt zum Wandel an. „Wir brauchen eine Tierhaltung, die auf die Flächen zugeschnitten ist“, betont er. Nicht umgekehrt.

Lesen Sie auch: Kürzlich stimmte der Landtag über das Artenschutz-Paket zum Bienen-Volksbegehren ab. Umweltminister Thorsten Glauber (FW) erklärt, warum die Bauern alleine die Artenvielfalt nicht retten können und warum er beim Flächenverbrauch gegen eine verpflichtende Obergrenze ist.

Wieder ein Paukenschlag für die Gemeinde Grainau: Nachdem Tourismusdirektorin Petra Vogt und ihre Stellvertreterin Martina Burger 2018 überraschend ihre Posten räumten, zieht jetzt Nachfolger Andreas Lechner den Schlussstrich.Nach gerade einmal neun Monaten im Dienst.

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