Eine Müllsammelstelle umgeben von Wald.
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Bei starkem Wind kommt es immer wieder dazu, dass an der Umladestation Schwaiganger Restmüll weit verstreut wird.

Umweltfrevel im Schutzgebiet

„Da schaut’s fürchterlich aus“: Spaziergänger entdeckt Massen an Plastikmüll im Wald - Herkunft ist bekannt

  • Tanja Brinkmann
    vonTanja Brinkmann
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Ein Plastikteppich bedeckt den Wald zwischen der Deponie Schwaiganger und der Loisach. Zum Entsetzen von Spaziergängern und der Bürgermeister, auf deren Flur dieses Gelände liegt.

  • Ein Spaziergänger entdeckt den Plastikmüll im Wald zwischen Deponie und Loisach - und ist entsetzt.
  • Die Bürgermeister aus Ohlstadt und Riegsee drängen auf sofortige Beseitigung des im Schutzgebiet verstreuten Mülls.
  • Um dieses Problem künftig zu vermeiden, will der Landkreis eine Halle zum Umladen des Mülls bauen.

Ohlstadt – Joghurtbecher, Folien und jede Menge anderer Plastikmüll – der Wald zwischen der Deponie Schwaiganger und der Loisach ist voll davon. „Ich habe meinen Augen nicht getraut“, sagt ein Ammertaler, der namentlich nicht genannt werden möchte. Auf einer Breite von etwa einem Kilometer am Fluss und den steilen Waldhang hinauf „schaut’s absolut fürchterlich aus“. Beim Spaziergang entdeckte er den unschönen Zustand – und war entsetzt. „Das Zeug landet schließlich auch in der Loisach und als Mikroplastik im Waldboden, da brauchen wir nicht weiter über die Verschmutzung der Ozeane reden, das haben wir direkt bei uns vor Ort.“

Müll liegt in Naturschutzgebiet - „Das ist ja krass.“

Nicht nur da, auch rund um den Bereich der Müllumladestation bis zum Bogenschießplatz ist das Problem zu erkennen. Geschockt über den Umweltfrevel sind neben dem Spaziergänger auch die Bürgermeister, auf deren Flur der Plastikteppich zu finden ist. „Das geht gar nicht“, sagt Christian Scheuerer (parteifrei) aus Ohlstadt. Auch vor dem Hintergrund, dass der Plastikmüll im FFH- und Vogelschutzgebiet herumliegt. „Also in einem sehr sensiblen Bereich.“ Sein Kollege Jörg Steinleitner (Wählergemeinschaft Riegsee) kann ihm da nur zustimmen: „Das ist ja krass.“ Entscheidend für beide ist, dass der Müll schnellstens beseitigt wird. Auch vor dem Hintergrund, dass sich ihre Gemeinden in puncto Müllvermeidung engagieren. „Würden wir das zulassen, könnten wir unsere ganze Umweltpolitik vergessen“, betont Scheuerer.

Müll in der Natur: Im Landratsamt Garmisch-Partenkirchen ist das Problem bekannt

Für rasche Abhilfe zu sorgen, sichert ihnen das Landratsamt als Betreiber der Müllumladestation zu. „Die Ablagerungen sind uns bekannt“, versichert Behördensprecher Stephan Scharf. „Beim Verladen, insbesondere bei starkem Wind und durch hunderte von Vögeln, werden regelmäßig Plastikabfälle in der umliegenden Landschaft verstreut.“ Die betroffenen Bereiche – ihm zufolge vor allem links und rechts der Zufahrtsstraße – werden von den Mitarbeitern regelmäßig gesäubert. Gerade jetzt nach dem Winter sei ein ausgiebiges Ramadama angesetzt. „In einem nächsten Schritt folgt dann der Böschungsbereich bis zur Loisach“, kündigt Scharf an. Aufgrund des steilen Geländes werde das in der Regel nur ein- bis zweimal pro Jahr gemacht. Zu den unschönen Nebenerscheinungen kommt es ausschließlich im Bereich der Müllumladestation, nicht aus dem der Deponie, wo nur inerte Abfälle – also Boden- und Erdaushub, Bauschutt oder mineralischen Bauabfall – eingebaut werden. „Auf der Umladestation wird der Restmüll des Landkreises aus der Hausmüllabfuhr umgeladen“, erklärt Scharf, „von den Sammelfahrzeugen in Großbehälter.“ Zudem können die Landkreisbürger hier unter anderem Sperrmüll, Altholz, Alteisen, Elektroschrott, Flachglas sowie Leichtverpackungen, also Material aus Gelbem Sack oder Tonne, abgeben. „Dieses wird jedoch sofort einer Presse zugeführt und ist für das herumliegende Plastik nicht die Ursache“, betont der Behördensprecher.

Plastikmüll in rauen Mengen ist im Wald rund um die Deponie Schwaiganger bis hinunter zur Loisach zu finden.

Egal, aus welcher Mülltonne die Hinterlassenschaften stammen, für Scheuerer ist entscheidend, dass sie schnellstmöglich entfernt werden. Eigentlich hätte der Landkreis schon längst dafür sorgen müssen, dass es gar nicht zu solchen Verwehungen kommt. „Plastikmüll gehört einfach nicht in die Umwelt“, sagt der Ohlstädter. Das unterstreicht auch Steinleitner. „Wir leben hier im Paradies“, das dadurch mutwillig zerstört werde.

Halle soll Müllproblem in Naturschutzgebiet lösen

Die Nachricht, dass auf dem Gelände noch heuer eine Halle für das Umladen der Abfälle gebaut werden soll, befürworten beide Bürgermeister. „Im Gemeinderat haben wir diese schon genehmigt“, bestätigt Scheuerer. Steht dieser Bau – „die Ausschreibungen laufen“ –, erfolge die Verladetätigkeit künftig in einem geschlossenen Raum, sagt Scharf. „So kann die Sauberhaltung des Umfeldes der Müllumladestation dauerhaft sichergestellt werden.“ Vorsorglich werde zudem nach Fertigstellung der Halle das gesamte Umfeld noch einmal gereinigt.

Im Landkreis Fürstenfeldbruck landet auch immer mehr Müll in der Natur. Dabei ist derartige Entsorgung von Unrat kein Kavaliersdelikt. Und auch in der Corona-Pandemie hat das Müll-Problem in vielen Ausflugsregionen wie dem Walchensee zugenommen.

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