Gemeinde geht mit Bürgern Verkehrsprobleme an

Neue Parkplätze an Ohlstadts Ortseingängen sollen gegen Ausflügler-Chaos helfen

Wildes Parken, Raser auf der Dorfstraße, Chaos durch Tagesausflügler: Ohlstadt sieht sich mit diversen Verkehrsproblemen konfrontiert. Diese will der Ort mit einem Mobilitätskonzept angehen. Die Bürger sollen mitreden.

So läuft’s: Christian Fahnberg (l.) zeigt, wie er vorgeht. Klaus Müller, Andreas Bernhard, Ohlstadts Bürgermeister Christian Scheuerer und Projektleiterin Nikola Richter (ab 2. v. l.) hören ihm zu.
  • Ohlstadt sieht sich mit diversen Verkehrsproblemen konfrontiert.
  • Ein neues Mobilitätskonzept, an dem sich die Bürger beteiligen, soll Lösungen bringen.
  • Nun konnten Ohlstädter sich zur Verkehrssituation äußern, Kritik vorbringen und eigene Vorschläge unterbreiten.

Ohlstadt – Tagestouristen haben im Zuge der Corona-Pandemie unter anderem auch Ohlstadt für sich entdeckt – und in der Gemeinde an schönen Sommerwochenenden für ein wahres Verkehrschaos gesorgt. Diesem Herr zu werden, liegt vielen Ohlstädtern am Herzen. Auch zu schnelles Fahren auf der Dorfstraße und wildes Parken an den unmöglichsten Stellen sind Probleme, die den Menschen im Dorf auf den Nägeln brennen. Nun soll ein neues Mobilitätskonzept erarbeitet werden, bei dem das Planegger Ingenieurbüro Ingevost der Kommune Beistand leisten wird.

Ohlstädter nutzen die Gelegenheit, sich einzubringen

Ein wichtiges Ziel ist dabei, die Bürger in die Planungen mit einzubinden. Am Samstagvormittag nutzten zahlreiche Ohlstädter die Gelegenheit, an einem Informations- und Arbeitstisch auf dem Parkplatz vor der Bäckerei Luidl ihre Meinung zur aktuellen Verkehrssituation zu äußern, Kritik loszuwerden und eigene Vorschläge zu unterbreiten. Hierzu dienten eine Fragebogenaktion und ein überdimensionaler Ortsplan, auf dem mittels Aufklebern neuralgische Punkte aufgezeigt werden konnten. „Der Gemeinderat hat beschlossen, ein Verkehrskonzept aufzustellen“, sagte Bürgermeister Christian Scheuerer (parteilos). „Im Zuge unserer Städtebauförderung werden wir einzelne Maßnahmen überprüfen und letztendlich Lösungsansätze anpacken.“

Diplom-Ingenieur Christian Fahnberg von Ingevost stellte seine Vorgehensweise vor. „Die Bürger sind die größten Spezialisten vor Ort“, sagte er. Sie sollen ihre Meinung kundtun und ihren Beitrag leisten: aufzeigen, was ihnen bei diesem Prozess wichtig ist. „Jetzt geht es darum, welche Handlungsfelder sich herausschälen.“ Ein mit Bürgern besetzter Leitungskreis werde den Auftrag begleiten. „Denn wir wollen nicht irgendwem etwas von oben überstülpen, sondern die Bürger bei allen Entscheidungen mitnehmen.“

Ohlstädter Mobilitätskonzept: Tagesgäste sollen nicht erst durch den Ort fahren müssen

Im gleichen Sinne äußerte sich die Projektleiterin, Diplom-Wirtschafts-Geografin Nikola Richter, die gleich konkreter wurde: „Unser Hauptthema ist das Parken und an den Wanderparkplätzen Lösungsmöglichkeiten zu entwickeln. Wir sind am Überlegen, ob wir an den Ortseingängen größere Parkplätze anmieten, damit die Tagesgäste nicht erst durch den Ort fahren müssen.“ Sie verwies auf den ab 2021 erweiterten, gebührenfreien Parkplatz am Schwimmbad.

Klaus Müller kennt die Probleme der Gemeinde nur zu gut. „Im Ortsbereich rechts und links der Durchgangsstraße wird oft viel zu schnell gefahren“, monierte der 77-jährige Ohlstädter. „Und gegenüber der Sparkasse gehört ein Halteverbot hin, denn es geht nicht, dass die Autos dort auf dem Bürgersteig parken. Neulich musste eine alte Dame deswegen mit ihrem Rollator auf die Straße ausweichen, so dass ein Autofahrer eine Vollbremsung hingelegt hat.“ Einen zentralen Wanderparkplatz forderte Andreas Bernhard (54). „Und man sollte möglichst viel Verkehr von der Straße auf die Schiene verlegen.“ Landwirtin Irene Angerer (48) ärgert, dass sie mit ihrem großen Traktor wegen wild parkender Autos oft nicht mehr durchkommt. „Die Straßen sind ohnehin eng, und wir haben dann keine Chance.“ Und noch etwas ist ihr aufgefallen: „Auf dem Fragebogen für Bürger wird nach den hauptsächlich benutzten Verkehrsmitteln gefragt. Alles Mögliche ist dort vertreten, aber der Traktor fehlt.“

Am Ende fanden sich besonders viele Aufkleber im Verlauf der Hauptstraße, die Partenkirchner- und Heimgartenstraße verbindet. Dort scheint besonders großer Handlungsbedarf zu bestehen. Sobald der Leitungskreis konkrete Vorschläge erarbeitet hat, sollen diese dem Gemeinderat vorgelegt werden, der dann über das weitere Vorgehen entscheidet.

Heino Herpen

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Rubriklistenbild: © Heino Herpen

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