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Die Kommunalwahl 2020 fest im Blick: (v. r.) Richard Frombeck, Franz Gaisreiter und Anton Schmuttermeier bei der Info-Veranstaltung der neuen Ohlstädter Wählergruppe „Dorfgemeinschaft“.  

Kommunalwahl 2020 in Ohlstadt

Neue Wählergruppe „Dorfgemeinschaft“: Politik ohne Partei-Logo

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Politik ohne Parteibuch liegt im Trend: In Ohlstadt hat sich daher die „Dorfgemeinschaft“ gegründet. Die neue Wählergruppe stieß bei einem ersten Info-Abend auf großes Interesse. 

Ohlstadt – Mit zehn Gästen hatten sie geplant, 20 erhofft. Am Ende saß auch der Bürgermeister an einem der vier Tische und gehörte zu den 30 Zuhörern – obwohl Christian Scheuerer als Parteifreier in den Wahlkampf zieht und nicht als Anhänger der neuen „Dorfgemeinschaft“. Richard Frombecks gelber Pulli strahlte im La Locanda in Ohlstadt, auch sein Gesicht offenbarte zufriedene Züge, als er sich erhob und die Gäste begrüßte. Der Gemeinderat und die Mitstreiter der neuen Liste sahen sich in ihrer Idee bestätigt: Kommunalpolitik ohne Partei-Label liegt im Trend.

Die „Dorfgemeinschaft“ ist ein weiteres Beispiel des allgemeinen Umdenkens. Bevor Frombeck den Abend eröffnet, tuschelt man in den kleinen Runden über die Nachbarn. Natürlich haben sie den Coup von Mehr Bewegen in Murnau mitbekommen, die Größen von SPD und CSU abgezogen haben. Auch um Uffing ging es, ein Ort von vergleichbarer Größe. Die CSU stellt dort keine Kandidaten mehr, es gibt nur drei Bürgerlisten. Franz Gaisreiter wird später sagen: „Mir scheint, dass jeder frei dastehen will, um nicht abgestempelt zu werden. Machen wir den Weg frei.“ Am Montag haben Gaisreiter, der Zweite Bürgermeister, und sieben weitere Mitstreiter, die die Liste der „Dorfgemeinschaft“ initiiert haben, die letzten Stolpersteine und Bedenken der Bürger aus dem Weg geräumt.

Anton Schmuttermeier erzählte von seinem Einstieg ins Ortsparlament. Im Frühjahr 2015 rückte er in den Gemeinderat als CSU-Vertreter nach. Auch Frombeck und Gaisreiter gehören der CSU-Fraktion an, ohne ein Parteibuch zu haben. „Weg vom Eindruck der Farben“ möchte Schmuttermeier künftig. Mit Politik auf dem Dorf habe der Machtkampf in Berlin und München wenig zu tun. Schmuttermeier hat mehrmals erlebt, wie ihm Bekannte abgesagt haben, als er und die Kollegen nach Unterstützern für eine CSU-Liste suchten. Sie sagten dann Dinge wie: Mit dieser Partei können sie sich nicht identifizieren.

Die neue Dorfgemeinschaft möchte sich diese Bürger angeln. Das geht nur ohne CSU-Stempel. Gaisreiter wäre gerne noch einen Schritt weitergegangen. Er hat alle 77 Sitzungen seit 2014 und ihre Abstimmungsergebnisse ausgewertet. Drei Viertel aller Beschlüsse fielen mit weniger als zwei Gegenstimmen, 71 Prozent sogar einmütig. „Bei solchen Zahlen brauchen wir das Partei-Denken bei uns nicht“, betont er. Doch sein Vorschlag von einer einzigen Dorfliste fand keine Mehrheit. Fand er schade, aber verstand er auch. Die Ansichten der NLO, die Gruppe mit der ökologischen Ausrichtung, unterscheiden sich doch häufiger von Gaisreiter und seinen Mitstreitern.

Christian Binder, der CSU-Chef des Ortes, saß am Tisch, der Frombeck, Gaisreiter und Schmuttermeier am nächsten stand, was auch eine gewisse Symbolik vermittelte. Im Orts- sowie im Kreisverband der Christsozialen hat er die Entwicklungen besprochen. Keiner stellte sich gegen die geplante Listenverbindung von CSU und „Dorfgemeinschaft“ zur Kommunalwahl 2020. Auch Binder hat den Zeitgeist wahrgenommen. Die CSU alleine holt wohl auch in Ohlstadt keine fünf Sitze. „Ich find’s sehr gut, sich nach außen zu öffnen“, sagt Binder. Nie habe er eine Kandidatur auf der CSU-Liste als Zwang empfunden, die Landespolitik der Schwarzen mitzutragen. Ortspolitik bezeichnete er als eine menschliche Sache. Selbstverständlich beteilige er sich an der neuen Listenverbindung.

„Das Fundament soll man nicht über Bord schmeißen“, findet Frombeck. Der Kreis an Anwärtern soll nur größer werden. Das Grundgerüst, das die neue Liste hält, steht. Die Auswahl soll jünger und bunter sein. Geplant haben die Initiatoren einen regelmäßigen Austausch. Bloß mit den Frauen kämpfen sie noch. Gerne hätte sie mehr Kandidatinnen auf der Liste. „Es ist schwierig, sie zu begeistern“, sagt Frombeck. Bis 9. Januar suchen sie weiter. Dann findet die Aufstellungsversammlung statt.

Weitere Infos zur Kommunalwahl:

https://www.merkur.de/politik/kommunalwahl-2020-bayern-datum-termine-stimmzettel-buergermeister-landrat-kreistag-gemeinderat-12344668.html

https://www.merkur.de/lokales/garmisch-partenkirchen/landkreis/kommunalwahl-bayern-ere1211475/buergermeisterwahl-2020-im-kreis-garmisch-partenkirchen-wahlen-und-kandidaten-13271058.html

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