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Blick in die Historie: Die Aufnahme zeigt Gitarrenbauer Karl Ostertag, der in den 1960er Jaren nach Ohlstadt kam.

Neuer Themenweg in Ohlstadt

Den Instrumentenbauern auf der Spur

„Wir wollen einen Teil der Geschichte Ohlstadts erlebbar machen“, sagt Bürgermeister Christian Scheuerer (parteifrei) über den neuen Themenweg am Rathausplatz. Dieser befasst sich anhand von sechs Stationen mit der Historie der Tonholzherstellung im Ort.

Ohlstadt – Was die Wenigsten bislang wussten: Nach Ende des Zweiten Weltkrieges ließen sich mehrere Instrumentenbauer in Ohlstadt nieder. So war der heutige Ortsteil Buchenried ehemals ein Siedlungsgebiet dieser Handwerkerzunft. Wie aus einem Bauplan von 1948 hervorgeht, feilte der Architekt Heinz Hirschel sogar an der Planung für eine reine „Geigenbauersiedlung“. Auf dem historischen Dokument prangt das Logo einer Geige vor der Kulisse eines Berggipfels. Dieses noch recht unbekannte Stück Geschichte wird anlässlich der Bayerischen Landesausstellung in Ettal beleuchtet. 

Hierbei packte das ganze Dorf mit an: Die Historie der Betriebe hat der Heimatverein recherchiert. Die Grundschüler steuerten selbstgebasteltes Infomaterial bei, und auch die Familie Fischbach aus Ohlstadt, deren Fachbetrieb als einziger seiner Art von ehemals sechs Firmen übrig geblieben ist, beteiligte sich an der Gestaltung des Themenwegs.

All das lief unter der Leitung der Gemeindeverwaltung. „Ich bin sehr stolz auf diese Gemeinschaftsaktion“, sagt Rathaus-Chef Christian Scheuerer. Er war als Kind einst in der Tonholzsiedlung unterwegs. Wenn die verschnörkelten Teile der Geigen – die sogenannten Schnecken – nicht ganz gelungen waren, wurden sie achtlos weggeworfen. Scheuerer und seine Freunde klaubten die Holzteile auf. „Wir haben damit gespielt“, erzählt er. Die Siedlung mit ihren unzähligen Holzbaracken war ein Abenteuerparadies für die Buben, die das rege Treiben der Handwerker gespannt verfolgten.

In Buchenried stand sogar das weltweit zweitgrößte Tonholzsägewerk unter der Leitung von Familie Schuh, die in den 1950er Jahren 28 Arbeiter beschäftigte. Auch die Gitarrenbauer Karl Ostertag und Oskar Teller waren gefragt. Das Geschäft florierte zu jener Zeit. Der Instrumentenbau ist eine Kunst für sich. Eine zentrale Rolle spielt dabei das Klangelement Holz. Es muss zum richtigen Zeitpunkt geschlagen und anschließend gut getrocknet werden. Verwendet werden unter anderem Holzarten wie Birne, Ahorn, Esche und Pappel. Außerdem sind den Infotafeln die einzelnen Arbeitsschritte zu entnehmen, die zur Herstellung eines Klangkörpers erforderlich sind. Dazu gibt es Fotomaterial aus dem Betrieb der Familie Fischbach, der 1960 nach Ohlstadt umsiedelte und heute in vierter Generation geführt wird.

Nach Scheuerers Auskunft erfreut sich der Themenweg sowohl bei Gästen als auch bei Einheimischen großer Beliebtheit. „Die Menschen sind fasziniert und erstaunt. Vor allem die jungen Ohlstädter, die hiervon gar nichts wussten.“

Ergänzend wurde unter dem Motto „Ohlstadt klingt!“ eine Konzertreihe organisiert. Es gab zwei Veranstaltungen, die in der Kaulbachvilla und der Kirche St. Laurentius stattfanden. Die Resonanz war laut Scheuerer so gut, dass er sich vorstellen kann, in dieser Richtung weitere Konzerte zu planen.

Constanze Wilz

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