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Verbindet viel: Christian Scheuerer (l.) und Benediktbeuerns Altbürgermeister Georg Rauchenberger. 

Aufstellungsversammlung im Gasthof Post

Scheuerer: Radl-Demo der Grünen ist „Käse“

Ohlstadts Bürgermeister Christian Scheuerer hat bei seiner Aufstellungsversammlung 34 von 35 Stimmen bekommen. Kritik bekamen die Murnauer Grünen ab. 

Ohlstadt – „Alle Formalitäten sind erledigt“, verkündet Wahlleiter Georg Rauchenberger am Mittwoch um 20.36 Uhr im Nebenzimmer des Ohlstadter Gasthof Post. Etwas Bürokratie ist an dem Abend nötig, damit Bürgermeister Christian Scheuerer (parteifrei) für eine weitere Amtszeit kandidieren kann.

Benediktbeuerns Altbürgermeister Georg Rauchenberger ist ein alter Weggefährte von ihm. Der Ohlstadter Rathauschef hat mit ihm 15 Jahre im Klosterdorf zusammengearbeitet. Scheuerer war dort früher Bau- und Hauptamtsleiter, Rauchenberger sein Chef.

Rund 40 Bürger haben sich in der Post zur Aufstellungsversammlung eingefunden. Scheuerer muss lauter sprechen, das Nebenzimmer ist vom Gastraum nicht wirklich abgetrennt, so dass etwas Lärm und Stimmengewirr zu hören sind. In rund 45 Minuten gibt der Bürgermeister, der seit 2014 im Amt ist, einen Abriss über die Entwicklung des Ortes und darüber, was aus seiner Sicht in den nächsten sechs Jahren unterm Heimgarten ansteht. Eines der Top-Themen ist für den 52-Jährigen die Immobilie am Schwaigweg 1, die ehemalige Wetzstoa-Wirtschaft. Die Gemeinde hat das Objekt gekauft. „Für mich ist das ein Generationenprojekt“, sagt Scheuerer. Ideen gibt es viele, die Gemeinderäte gingen bereits in Klausur, um über die Verwendung der Immobilie zu debattieren.

Beschlossen ist noch nichts, aber es deutet sich an, dass eine Art Bürgerhaus draus werden soll, in dem Angebote für Jung und Alt unterkommen. Bei einer Sanierung könnte die Gemeinde mit einer hohen Fördersumme rechnen.

Was ebenfalls auf der Agenda steht, ist ein neuer Flächennutzungsplan. „Das ist dringend erforderlich“, betont Scheuerer. Der Beschluss dazu ist schon gefasst. Es handelt sich um ein umfangreiches Projekt, „eine große Nummer. Wir haben vor, das in drei Jahren durchzuziehen“. In Sachen Wohnungsbau schlägt der Rathauschef vor, gemeindliche Grundstücke nur an Einheimische und in Erbpacht zu vergeben. Scheuerer streift weitere Themen, etwa die Schulsanierung, den Breitbandausbau, Verkehr und Barrierefreiheit und die Parksituation. Zudem geht er auf den Punkt Kliniken und Gesundheitswirtschaft ein. „Man muss schauen, dass das funktioniert. An diesem Tropf hängen wir.“ Die Ohlstadtklinik sei für die Gemeinde „wie ein Sechser im Lotto“. Als „super“ bezeichnet er die Zusammenarbeit im Gemeinderat. „Dass es mal zwickt und zwackt und es mal Streit gibt“, sei normal. Das sei aber „im Rahmen“ gewesen.

Der Bürgermeister macht auch deutlich, was ihm nicht passt: die Radl-Demo der Murnauer Grünen an der Staatsstraße 2062. „Es bringt nichts, zu demonstrieren. Das ist Käse.“ Die Verhandlungen seien abgeschlossen. Scheuerer wirft den Grünen „Gepoltere“ zu Wahlkampfzwecken vor. Bisher ist nur ein Teil des Radwegs Murnau-Schwaiganger gebaut. Er endet etwa auf Höhe der Deponie. „Es ist Unsinn, einen teuren Radweg zu bauen, und ihn dann im Nichts enden zu lassen“, hatte Veronika Jones, Ortssprecherin der Murnauer Grünen, im November kritisiert. Die Teilnehmer der Radl-Aktion demonstrierten für mehr Sicherheit auf dem 720 Meter langen Abschnitt, an dem sich kein Radweg befindet.

Auch Landrat Anton Speer (Freie Wähler) sitzt unter den Zuhörern. Der Unterammergauer stimmt den Lobgesang auf Scheuerer an. „Er ist ein Mann mit einer Riesen kommunalpolitischen Erfahrung.“ Der Bürgermeister, der verheiratet ist und zwei erwachsene Kinder hat (23 und 26 Jahre), will auch in den Kreistag: für die Freien Wähler der Landkreisgemeinden.

35 Wahlberechtigte stimmen am Ende ab. 34 votieren für Scheuerer, ein Zettel ist leer. Der Wahlvorschlag wird nun bei der Gemeinde eingereicht. Dafür verantwortlich sind als Bevollmächtigte Anton Utzschneider und Alexandro Alves.

Großen Wahlkampf will Scheuerer nicht betreiben. Vor dem Urnengang will sich Scheuerer ins Ortszentrum stellen, um Fragen zu beantworten. Auch Führungen durch kommunale Liegenschaften will er anbieten. Möglicherweise hat der Amtsinhaber ohnehin freie Bahn. Ein Gegenkandidat ist derzeit nicht in Sicht.

Roland Lory

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