Sendemast bei Weichs: Von hier aus wird Ohlstadt mit der 5G-Technologie versorgt. 
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Sendemast bei Weichs: Von hier aus wird Ohlstadt mit der 5G-Technologie versorgt. 

Neuer Mobilfunkstandard

5G: Ohlstadt sieht sich vor vollendete Tatsachen gestellt

Der 5G-Ausbau erhitzt weiter die Gemüter. Die Gemeinde Ohlstadt beklagt, nicht eingebunden worden zu sein.

Ohlstadt – Von wegen Dialogverfahren. Der in der Bevölkerung umstrittene Mobilfunkstandard 5G ist in zahlreichen Gemeinden des Landkreises Garmisch-Partenkirchen bereits scharf geschaltet worden, darunter auch Ohlstadt. Dies hat Bürgermeister Christian Scheuerer (parteilos) im Gemeinderat bekannt gegeben.

Scheuerer nicht erfreut

Der Rathauschef zeigte sich von der Nachricht, die er per Pressemitteilung vom Netzbetreiber, der Deutschen Telekom AG, am 8. Juli bekommen hatte, mehr als überrascht. „Ich fühle mich als Vertreter der Bürgerschaft von rechts überholt“, sagte er sichtlich verärgert. Im so genannten Mobilfunkpakt zwischen den Gemeinden und dem betreffenden Anbieter sei festgelegt, dass in einem Dialogverfahren gemeinsam nach geeigneten Standorten gesucht werde, sagte Scheuerer. „Aber plötzlich werden wir ohne Vorwarnung vor vollendete Tatsachen gestellt.“ 

Mast in Weichs

Als Beleg für seine Worte präsentierte er den staunenden Ratsmitgliedern eine Übersichtskarte des Landkreises, auf der die bereits mit 5G versorgten Gemeinden rot eingezeichnet sind. Dazu zählen unter anderem die Orte Ohlstadt, Murnau, Garmisch-Partenkirchen, Ettal und Wallgau. Besonders umfangreich stellt sich die rote Markierung im Bereich Großweil, Schlehdorf und Kochel am See dar. Ohlstadt wird nach den Worten des Bürgermeisters von einem Antennenmast bei Weichs mit der neuen Version des Mobilfunks versorgt. Erst kürzlich habe der Gemeinderat den Beschluss gefasst, dass man dem Ausbau von 5G skeptisch gegenüberstehe. „Und kurz darauf erfahren wir, dass die Antennen scharf geschaltet sind“, machte Scheuerer keinen Hehl aus seinem Verdruss. Er wolle sich nicht in die Diskussion einmischen, ob die neue Mobilfunktechnik gesundheitsschädlich ist oder nicht, stellte er klar: „Ich bin kein Wissenschaftler. Aber mir geht es um die Art und Weise, wie man mit den Kommunen umgeht.“

Resolution geplant

Scheuerer kündigte an, als Sprecher der Landkreisbürgermeister das Thema im Kreisverband des Bayerischen Gemeindetags auf den Tisch zu bringen: „Ich werde vorschlagen, eine gemeinsame Resolution zu formulieren, in der die undemokratische Vorgehensweise gegenüber den Kommunen bei den Informationen, Entscheidungen und Maßnahmen zum 5 G-Netz deutlich gemacht wird“, sagte der Kommunalpolitiker. „Ich habe wenig Hoffnung auf Erfolg“, meinte dazu der zweite Bürgermeister Franz Gaisreiter (CSU), „wenn das übergeordnete Behörden machen, schon eher.“ Sein Ziel sei nicht eine Verhinderung der neuen Technik, entgegnete ihm Scheuerer, denn dies sei chancenlos. „Vielmehr geht es darum, die Vorgehensweise der Telekom bekannt zu machen. Das sind wir unseren Bürgern schuldig.“ Auch wollte Gaisreiter wissen, ob an den Peitschenmasten der Staatsstraße durch den Ort auch Antennen montiert werden könnten. „Es gibt verschiedene Modelle, die technische Möglichkeit besteht“, lautete die Antwort. Der Gemeinderat nahm die Ausführungen Scheuerers zur Kenntnis, eine Abstimmung erfolgte nicht.

Rathauschef Bauer überrascht

Auch Großweils Bürgermeister Frank Bauer (Freie Wähler) zeigte sich auf Tagblatt-Nachfrage überrascht von der Aktivierung der 5G-Antennen: „Wir sind mit großen Augen und sprachlos dagestanden, als wir die Nachricht erhielten, denn wir konnten es kaum glauben“, sagte der Gemeindechef. „Ich kann mich erinnern, dass Telekom-Mitarbeiter vor Jahren mal nach Standorten gefragt haben, und damals hat sich der Gemeinderat einheitlich dafür ausgesprochen, 5G nicht zu unterstützen, bis sichergestellt ist, dass diese Technik nicht gesundheitsschädlich ist“, sagte Bauer. „Aber anscheinend sind sie nicht auf uns angewiesen und haben die Antennen freigeschaltet. Wir sind noch am Auswerten und Erkunden, wie das genau gelaufen ist.“

Heino Herpen

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