Mit viel Enthusiasmus am Werk: Stephan Rauscher (l.) und Tobias Huber mit dem Bauerntresor aus behauenem Naturstein. In den Händen halten sie als weitere Funde zwei Wetz-Schleifsteine.
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Mit viel Enthusiasmus am Werk: Stephan Rauscher (l.) und Tobias Huber mit dem Bauerntresor aus behauenem Naturstein. In den Händen halten sie als weitere Funde zwei Wetz-Schleifsteine.

In spätbarockes Bauerngehöft kommen Ferienwohnungen

Alte Mauern bergen manches Geheimnis: Hauserhof in Ohlstadt wird restauriert

Der Hauserhof in Ohlstadt wird gerade restauriert. Dabei kamen wiederholt historische Fundstücke zutage.

Ohlstadt – Ein Münchner Architekt und ein Betriebswirt, die beide große Erfahrung mit der Restaurierung von denkmalgeschützten Objekten besitzen, haben an der Schwaigangerstraße in Ohlstadt ein bäuerliches Kleinanwesen erworben, das sie nun mit enormem finanziellen Aufwand, großem Sachverstand und Liebe zum Detail herrichten. Insgesamt schätzen sie die Gesamtkosten auf rund zwei Millionen Euro. Bei den Arbeiten kamen wiederholt historische Fundstücke zutage, denn die Mauern des alten Hauses bergen so manches Geheimnis aus der bewegten Ortsgeschichte. Künftig soll das Gebäude drei Ferienwohnungen mit gehobener Ausstattung beherbergen.

Viel Geduld gefragt

Im Sommer 2017 entdeckten Architekt Stephan Rauscher und Betriebswirt Tobias Huber, die in München eine Bürogemeinschaft betreiben, unabhängig voneinander das stark heruntergekommene, seit 15 Jahren leer stehende Haus – und wussten sogleich: „Das ist etwas ganz Besonderes.“ Eine Erkenntnis, die ihnen noch viel Geduld und Durchhaltevermögen abverlangen sollte. Denn die beiden Idealisten erwarben alsbald das in Ohlstadt unter dem Namen „Hauserhof“ bekannte spätbarocke Bauerngehöft. „Eine Leidenschaft und Liebe für historische Objekte bringen wir beide mit“, schmunzelt Rauscher. Und schlägt sogleich einen Bogen in die Vergangenheit. „Der Bauzustand, in dem sich das Haus beim Kauf befand, geht auf das Jahr 1820 zurück“, sagt er mit leuchtenden Augen. „Das ursprüngliche Gebäude war ein Blockbau, der bereits im 17. Jahrhundert entstand. Er ist den Spuren nach zu schließen zweimal einem Brand zum Opfer gefallen. Zwei Außenmauern davon sind noch vorhanden, nämlich jene im Süden und die zur Straße im Osten. Ursprünglich war das Haus wesentlich kleiner.“ Sein Kollege Tobias Huber ergänzt: „Es handelte sich um einen so genannten ‚Zweiunddreißigstel Hof’, also ein sehr kleines Anwesen. Dort haben Menschen gelebt, die anderswo als Knechte tätig waren.“

„Bauerntresor“ in Schlafstube

In enger Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege und der Unteren Denkmalschutzbehörde im Landratsamt Garmisch-Partenkirchen haben die neuen Besitzer zunächst eineinhalb Jahre geplant, um dann mit viel Enthusiasmus ans Werk zu gehen. Inzwischen ist viel geschehen: Die Mauern ringsum wurden unterfangen, der Dachstuhl saniert und mit stählernen Verspannungen gesichert, das Dach neu gedeckt und die Böden betoniert. „Die Hauptträger der Decken bestanden nur aus grob behauenen Baumstämmen und waren durch das von oben eindringende Wasser so marode, dass man von oberen Stockwerk leicht hätte durchbrechen können“, sagt Rauscher und deutet auf einen neu eingezogenen, dicken Balken. Unter den Holzdielen der Fußböden im Erdgeschoss warteten einige Überraschungen auf die Bauherren: So entdeckten sie in der einstigen Schlafstube einen „Bauerntresor“ aus behauenem Naturstein, der die Form eines Weihwasserkessels hat. „Darin haben die Bauern in unruhigen Zeiten mäusesicher ihre Wertsachen versteckt“, sagt Huber. Ebenso wurde in der Küche ein mit Feldsteinen ummauerter, brunnenartiger Schacht gefunden, der wohl demselben Zweck gedient hatte. Wie von den beiden Besitzern verlautet, sollen die Tresore im Haus verbleiben und können künftig auf Wunsch besichtigt werden. 

Interessante Zeitreise

Zwei runde Schleifsteine zur Bearbeitung von Wetzsteinen waren weitere interessante Exponate, die ihren Weg ans Tageslicht fanden. Doch die Zeitreise ging noch weiter in die Vergangenheit: So konnte der beauftragte Münchner Archäologe Hans-Peter Volpert auf dem Anwesen einen größeren Holzpfahlbau nachweisen sowie Scherben ausgraben, die vermutlich aus dem zehnten und elften Jahrhundert nach Christi stammen.

Drei Ferienwohnungen 

Insgesamt drei Ferienwohnungen mit gehobener Ausstattung soll der „Hauserhof“ künftig beherbergen: Eine mit 80, eine mit 120 und eine weitere im ersten Stock mit 200 Quadratmetern. Fertigstellung soll im Dezember dieses Jahres sein. „Das Objekt macht uns sehr viel Spaß“, unterstreicht Rauscher, der die gute Zusammenarbeit mit der Gemeinde Ohlstadt und den angrenzenden Nachbarn hervorhebt. „Und wir haben ein Wahnsinns-Glück mit unseren hervorragenden Handwerkern aus der Region.“

Lob vom Amt

Großes Lob erhält das Bauherrenduo vom Hauptkonservator des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege in München, Dr. Nikolaus Könner: „Dort sind die Richtigen am richtigen Objekt, alle Beteiligten ziehen am gleichen Strang. Der Hauserhof wird unter ihren Händen zu einem Vorzeigeobjekt, das auf sehr hohem Niveau als Vorbild für andere Denkmaleigentümer dienen kann. In diesem Haus steckt ein enormes Potential.“ Besonders freut Könner, dass die alten Fenster, Wandschränke und auch der Kachelofen noch vorhanden sind und derzeit renoviert werden: „Die ganze Ausstattung kommt wieder ins Haus. Das finde ich großartig.“

Heino Herpen

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