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Hochwassergeplagt: Der Ohlstädter Schreiner Armin Krattenmacher, der auf seinem Betriebsgelände jede Menge Regenwasser abpumpen musste. 

Hochwasser im Raum Murnau

Gesperrte Straßen als Ärgernis - das fordern die   Betroffenen

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Das jüngste Hochwasser hat es wieder gezeigt: Sind die Staatsstraße 2062 und die Bundesstraße 2 einmal gesperrt, wird die Anbindung Ohlstadts speziell an Murnau zur Katastrophe. Der streitbare Bartlmäschreiner Armin Krattenmacher will das nicht weiter hinnehmen.

Ohlstadt – Die Spuren, die Regen-Tief „Axel“ im Staffelseeraum hinterlassen hat, sind glücklicherweise überschaubar: „Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen“, berichtet Horst Hofmann, der im Weilheimer Wasserwirtschaftsamt für den Wasserbau im Landkreis Garmisch-Partenkirchen zuständig ist. Es seien keine wirklich kritischen Pegel erreicht worden. Und die Lage werde sich aller Voraussicht nach in den nächsten Tagen weiter entspannen.

Ärgerlich und außergewöhnlich war es dennoch, dass aufgrund des Hochwassers gleich zwei wichtige Verbindungen gesperrt werden mussten: die Staatsstraße 2062 bei Achrain und die Bundesstraße 2 südlich von Hechendorf. 

Das Problem ist bekannt – und die Rechnung zahlen vor allem die Ohlstädter. Denn sie müssen weite Umwege über Großweil und Sindelsdorf in Kauf nehmen, wenn sie nach Murnau fahren wollen. Das gilt nicht nur für die Pendler, die in der benachbarten Staffelsee-Gemeinde arbeiten, sondern beispielsweise auch für das Rettungswesen – ein unguter Umstand, der in der politischen Debatte immer wieder kritisch angesprochen wird. Abhilfe ist zumindest bei einer Fahrbahn in Sicht: Die besagte Staatsstraße soll höhergelegt werden. Laut dem Staatlichen Bauamt Weilheim liegt die Planung bereits vor. Es fehle nur noch die Genehmigung durch die Regierung von Oberbayern, heißt es. Für die B 2 sei derzeit kein Eingriff vorgesehen.

Doch Armin Krattenmacher, der in Ohlstadt die Bartlmäschreinerei betreibt und selbst hochwassergeplagt ist, zeigt sich nicht begeistert. „Das ist ein Unding“, sagt er mit Blick auf die Sperrungen. Die Situation verschärfe sich, wenn wie geschehen auch noch die Bahnverbindung Richtung Kreisort vorübergehend eingestellt werden muss. In einem Brief ans Tagblatt macht der Handwerker seinem Ärger Luft – und rührt die Werbetrommel für seine „Interessengemeinschaft Hochwasserschutz naturnah“, die er mit den beiden Mitstreitern Hubertus Rechberg (Eschenlohe) und Fritz Döbler (München) pflegt. Krattenmacher ist von der Strategie der Behörden, vor allem auf den klassischen Hochwasserausbau zu setzen, nicht überzeugt. Er schlägt Alternativen vor, etwa die Schaffung vieler Rückhalteflächen, in die im Ernstfall die Fluten fließen können. Als Beispiel hierfür nennt er das Murnauer Moos. Man sollte versuchen, so Krattenmacher, das Wasser bereits an den Loisach-Zuflüssen zurückzuhalten. Zudem plädiert er für Kiesentnahmen aus dem Flussbett, um dessen Aufnahmekapazität zu erhöhen. Krattenmacher: „Man muss umdenken.“

Im Wasserwirtschaftsamt ist man von den Gedankenspielen des Schreiners nicht überzeugt: Die vorgeschlagenen Rückhalteflächen könnten die große Masse des Wassers nicht aufhalten, erklärt Hofmann. Und es wären massive Bauwerke sowie Eingriffe in die Natur nötig. „Das ist keine wirkliche Lösung“, findet der Experte.

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