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Die Kostüme sitzen: Für ihren Auftritt in Köln haben sich fünf Mitglieder des Ohlstädter Trommlerzugs schon mal in Schale geworfen. Insgesamt 30 Männer rücken mit ihrem Vorsitzenden Franz Gaisreiter (M.) aus.

Faschingszug bei den Jecken

Ohlstädter Trommler spielen beim Karnevalszug in Köln

In Ohlstadt findet heuer kein Faschingszug statt. Kein Grund für den Trommlerzug, zuhause zu bleiben. 600 Kilometer fahren die Mitglieder, um beim Karneval in Köln aufzutreten. Ein kulturelles Experiment. Aber auch unter den Jecken bleiben sich die Ohlstädter treu.

Ohlstadt – „Biste Jeck?“ –„Wos host g’sogt?“ – „Na, Jeck“ – „G’spinnert moanst?“ – „Wat? Nee, isch schwade vun Karneval“ – „Ah soooooo, vo de Maschkera.“

Mit den Dialekten ist es so eine Sache. Manche versteht man, andere weniger. Es kommt halt immer darauf an, wo man herkommt und wo man sich gerade befindet. Franz Gaisreiter jedenfalls stellt sich heute schon darauf ein, dass ihm am Faschingssamstag und -sonntag keiner versteht. Den Kameraden vom Ohlstädter Trommlerzug, deren Erster Vorsitzender er ist, geht es ähnlich. Grund ist nicht der Alkohol, der in der fünften Jahreszeit gern ausgeschenkt wird und ebenfalls für interessante Sprachfärbungen sorgen kann. Gaisreiter und seine Männer fahren am zweiten Februar-Wochenende nach Köln, um dort an zwei Faschingszügen im Stadtteil Weiß und im Bezirk Rodenkirchen teilzunehmen. Und auf noch etwas stellen sich die Ohlstädter ein. Nämlich, dass auch sie niemanden verstehen werden.

Denn Kölsch ist mindestens genauso schwer zu entschlüsseln wie Bairisch. Fasching heißt dort etwa nicht nur Karneval, sondern auch „Fastelovend“. Kartoffelsalat bezeichnen manche als „Äädäppelschloot“. Dass sie bei ihrem Ausflug wahrscheinlich öfters nachfragen müssen, ist den Ohlstädtern klar. „Wir wurden schon vorgewarnt“, sagt Gaisreiter. Probleme sehen sie keine. „Des lassen wir einfach auf uns zukommen.“

Gaisreiter und seine Trommler waren noch nie in Köln. Schon gar nicht in der Faschingszeit. Und schon dreimal nicht bei einem Karnevalsumzug. Durch einen Zufall sind sie zu ihrem Auftritt gekommen.

Alles begann auf einem Campingplatz in Oberammergau vor zwei Jahren. Dort haben sie einen Urlauber kennengelernt, der für die Karnevalszüge in Köln mitverantwortlich ist. „Einer von uns kam mit ihm ins Gespräch“, sagt Gaisreiter Und so ergab sich die Chance mit dem Auftritt. Ein Vereins-Ausflug stand ohnehin an. „Wir wollten etwas machen, was unsere Kameradschaft stärkt.“ Etwa mit den Jecken am Rhein mitzumarschieren.

Bis es dann tatsächlich so weit war, hat es gedauert. Das lag zum einen daran, dass es eben nicht so einfach ist, einen Ausflug mit 30 Mann zu organisieren, zum anderen mussten die Trommler die Faschingspause in Ohlstadt abwarten. Der Umzug findet im Bobfahrerdorf nämlich nur alle zwei Jahre statt. 2018 lagen die Zeichen für Köln günstig.

Für die Unterkunft ist bereits gesorgt, ein Kostüm haben die Trommler auch. Eigentlich sind es sogar zwei. Das traditionelle Fleckerlg’wand, das man auch bei den Faschingszügen in Mittenwald trägt, wollen sie anziehen. „Ganz Werdenfelserisch“. Die Trommler können aber auch international. Sie werfen sich zusätzlich in die Kluft britischer Königsgarden – so genannter „Grenadier Guards“. Mit roter Jacke, goldenen Knöpfen und schwarzem Bauscheturm auf dem Kopf – so wie auf den Postkarten vom Buckingham Palace. „Unsere Idee zum Brexit“, sagt Gaisreiter.

Wenn die Kölner „Allaaf“ schreien, und die Ohlstädter in der britischen Uniform aufspielen, werden sie sich dennoch treu bleiben. Sie trommeln keine Faschingsschlager sondern das altbewährte Programm. Töne aus der Heimat. Dass sie damit auch das Publikum am Rhein begeistern, davon ist Gaisreiter überzeugt. Er hat sich schlau gemacht und herausgefunden, dass der Bayer an sich in Köln gut ankommt. „Wir sollen dort sehr angesehen sein“, sagt er und lacht. Der Ausflug in die Karnevalshochburg wird’s zeigen.

Gänzlich auf den Werdenfelser Fasching verzichten wollen die Trommler jedoch nicht. Nach dem Faschingssonntag werden sie daheim in Ohlstadt weiterfeiern. Den berühmten Rosenmontagszug in Köln lassen sie dafür sausen. Gaisreiter schmunzelt. „Wir fangen erst einmal klein an.“ Und wer weiß? Vielleicht ist es nächstes Jahr anders herum. Vielleicht kommen dann die Jecken zu den Ohlstädtern.

Magdalena Kratzer

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