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Personalnot im Solarfreibad: Saison in akuter Gefahr

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Von: Silke Reinbold-Jandretzki

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Für alle Fälle vorbereitet: Damit das Solarfreibad jederzeit öffnen kann, wird alles hergerichtet. Gemeinde-Mitarbeiter Josef Fischer säubert den Beckenrand per Dampfstrahler. Später erhält das gereinigte Becken frisches Wasser.
Für alle Fälle vorbereitet: Damit das Solarfreibad jederzeit öffnen kann, wird alles hergerichtet. Gemeinde-Mitarbeiter Josef Fischer säubert den Beckenrand per Dampfstrahler. Später erhält das gereinigte Becken frisches Wasser. © Bartl

Geschieht nicht noch ein Wunder, bleibt das Solarfreibad Ohlstadt erstmals in seiner Geschichte im Sommer geschlossen. Der Grund: Personalmangel. Nach der kurzfristigen Absage eines neuen Bademeisters fehlt eine verantwortliche Fachkraft. Die Gemeinde hat alles versucht, um die Stelle zu besetzen. Bisher erfolglos.

Ohlstadt – Christian Scheuerer besitzt Durchhaltevermögen, gibt nicht einfach auf. Als Extremläufer scheute er selbst maximale Herausforderungen nicht – egal, ob es 240 Kilometer durch die Sahara Marokkos ging oder um ein 100-Meilen-Rennen in Nordkanada bei minus 35 Grad. Diesmal aber tritt Scheuerer, Erster Bürgermeister (parteifrei) von Ohlstadt, trotz aller Anstrengung auf der Stelle, obwohl er alle Hebel in Bewegung setzte: „Du probierst alles und kommst nicht weiter – das ist irgendwo frustrierend.“

Solarfreibad Ohlstadt: Normalerweise beginnt in den Pfingstferien die Saison

Zumal es in diesem Fall nicht um ein persönliches sportliches Ziel geht, sondern um eine Gemeinde-Institution, die seit Jahrzehnten aus dem Dorf-Sommer nicht wegzudenken ist: das Solarfreibad. In den Pfingstferien läuft alle Jahre wieder die Saison an. Heuer aber drohen die Ohlstädter auf dem Trockenen zu sitzen. Nach heutigem Stand kann das Solarfreibad nicht öffnen. Es fehlt eine verantwortliche Fachkraft, quasi ein Bademeister, ohne den der Betrieb nicht zulässig ist – ein(e) Fachangestellte(r) oder ein(e) geprüfte(r) Meister(in) für Bäderbetriebe. Im Gegensatz zu einem See oder einem Weiher handelt es sich bei der Einrichtung um eine technische Anlage, in der man auch mit Chemikalien wie Chlor umgehen können muss. Rettungsschwimmer, Reinigungskräfte und Kassenpersonal reichen nicht, um zu öffnen.

Kein Betrieb wegen Personalmangels: Das hat es noch nie gegeben

Kein Fachpersonal, kein Badbetrieb also. „Das hat es seit dem Bestehen meines Wissens nach noch nie gegeben“, sagt Scheuerer. Dabei schien alles bereits in trockenen Tüchern zu sein. Dann der Genickschlag: Der zuständige Mann am Beckenrand in spe, der nach langer, mühsamer Suche gefunden war, sagte zuletzt kurzfristig aus persönlichen Gründen noch ab. Der Freibad-GAU. Nun herrscht Land unter.

Ohne Solarfreibad fehlen in Ohlstadt die Schwimm-Alternativen

Eine Saison ohne das Familienbad – das mag sich Scheuerer gar nicht vorstellen, das will er mit aller Kraft noch verhindern. Rund 16 000 Besucher zählte die Gemeinde im Vor-Corona-Sommer 2019 in der Einrichtung. Ohlstadt fehlt es an Schwimm-Alternativen vor Ort, Jugendliche, Eltern mit ihren Kindern müssten in Nachbargemeinden wie Oberau ausweichen. Der Bürgermeister findet eine bildhaft-blumige Umschreibung dafür, dass er mittlerweile an einem Punkt angelangt ist, an dem er kaum einen Strohhalm zurückweisen würde, der sich bietet: „Ich in zu jeder Schandtat bereit.“

Solarfreibad: Ohlstadt steht mit seinem Problem nicht allein

Fachpersonal zu finden, gleicht einem Sechser im Lotto. Viele Gemeinden und Betreiber stehen vor diesem Problem. Oberammergau konnte seinen Wellenberg deshalb zeitweise nicht mehr öffnen, zuletzt hatte unter anderem Peiting die Segel gestrichen und angekündigt, dass die Saison im Wellenfreibad ausfallen muss, weil Personal fehlt. Auch die Gemeinde Murnau hatte auf diesen Grund verwiesen, als sie ankündigte, ihr Staffelsee-Strandbad vorerst nur noch als öffentliche Badestelle auszuweisen, also ohne Aufsicht.

Suche nach neuem Bademeister läuft seit August 2021

Dabei hatte Ohlstadt noch im August 2021 mit der Ausschreibung begonnen. Zum Ende der Saison 2020 hatte sich Gunter Richter nach 29 Jahren als Bademeister des Solarfreibads in den Ruhestand verabschiedet, sein Nachfolger Alexander Richter übernahm wie vereinbart für 2021 – nun beschäftigt wie geplant die Passion den Oberammergauer. Scheuerer schildert, wie er alles probierte: Er suchte örtlich und überregional, über soziale Medien, Bäderfachzeitschriften, Ausbildungsstätten, die anderen Landkreis-Gemeinden, sein ganzes, umfangreiches Netzwerk – nichts. Über Bekannte streckte er sogar seine Fühler bis nach Mexiko und Uruguay aus, doch hier erwiesen sich fehlende Deutschkenntnisse als Problem. Erst wollte Scheuerer eine Saisonkraft finden, bot dann eine Ganzjahresstelle an. Resonanz: „nicht ein Anruf“. Erst als Ohlstadt zudem eine Wohnung der Gemeinde ins Spiel brachte, klingelte zweimal das Telefon: Einmal meldete sich ein interessierter Kandidat aus Dänemark, „da hat die Qualifikation nicht gepasst“. Doch der andere „war perfekt“, sagt Scheuerer. Einweisung, Schlüsselübergabe – dann die Absage. Jetzt ist der Bürgermeister mit seinem Latein „absolut am Ende“, setzt öffentliche Hilferufe ab – und hofft. Bauhof-Mitarbeiter und ein externer Dienstleister richten das Solarfreibad nach und nach für die Saison her, in der Hoffnung, die Nadel im Heuhaufen noch zu finden. Der neue Bademeister bräuchte sich quasi nur noch ins geputzte Becken zu legen.

Bewerber können sich bei Maria Höck in der Gemeinde Ohlstadt melden unter Telefon 0 88 41/67 12 35.

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