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Religion als Zeitbombe? Über dieses Thema sprechen die Teilnehmer des „Murnauer Philosophicums“. 

Philosophen diskutieren über Religion und Gewalt

Dialog der Kulturen fördern

Premiere in Ohlstadt: Zum ersten Mal fand ein „Philosophicum“ statt. Diskutiert wurde über das Thema „Religion als Zeitbombe?“. 

Ohlstadt – Das Thema ist brisant und hochaktuell: In Vorträgen, Diskussionsrunden und einer Lesung gingen Philosophen, Kulturgeschichtler und Interessierte im Rahmen einer Tagung im Ohlstädter Hotel Alpenblick der Fragestellung „Religion als Zeitbombe?“ nach. Die Debatte drehte sich auch um das Konfliktpotential, das in unterschiedlichen religiösen Anschauungen steckt, und um Strategien, dieses zu entschärfen. Und welche Auswege aus der Spirale von Hass und Gewalt, die gerade im Hinblick auf den Islamismus immer mehr zum Problem geworden ist, möglich sind.

    Professor Anton Grabner-Haider aus Graz, einer der Initiatoren dieses ersten „Murnauer Philosophicums“, machte im Gespräch deutlich, dass Religionen nicht verteufelt werden sollten. Sie hätten wichtige Funktionen in der Gesellschaft, betonte er. Unter anderem gäben sie Geborgenheit und dienten der moralischen Erziehung. Dennoch wohne gerade in einigen der Aufruf zur Gewalt inne. Im westlichen Christentum, so Grabner-Haider weiter, habe man diese „Zeitbombe“ entschärft. Ein Prozess, der vor allem durch die Aufklärung im 18. Jahrhundert in Gang gebracht worden sei. Trotzdem wies er darauf hin, dass die beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts „im Namen Gottes“ und mit dem Hinweis auf eine göttliche Vorsehung geführt worden seien. Und auch wenn der US-amerikanische Präsident Donald Trump die Forderung „Auge um Auge“ ausspreche, beziehe er sich damit auf die Bibel.

    Im Islam sei die kriegerische Einstellung, die im Koran eingeschrieben sei, „noch immer hochaktuell“, erklärte Grabner-Haider. Seiner Ansicht nach sei es daher notwendig, genau darauf zu achten, was heute in Deutschland gelehrt wird und wie religiöse Schriften ausgelegt werden.

    Rund 25 Teilnehmer, die überwiegend aus dem deutschsprachigen Raum stammen, waren nach Ohlstadt gekommen, um sich über Gewaltpotentiale in den Religionen zu informieren und auszutauschen. Susanna Berndt, Mitorganisatorin der Veranstaltung aus Rosenheim, sieht Lösungsmöglichkeiten für religiöse Konflikte vor allem in der Erziehung. Ihrer Ansicht nach geht es heute vor allem darum, „Strategien für ein friedliches Zusammenleben“ zu finden. Es nütze nichts, einen Sündenbock zu suchen, sagte sie. Vielmehr müsse man Integration ernstnehmen und zugleich auch die Fähigkeit zur Religionskritik fördern. „Dafür brauchen wir rational-kritische Gespräche“, wie sie auf der Tagung in Ohlstadt begonnen worden seien. Dem Verein für Kulturgeschichte, der seinen Sitz in Graz hat und der die Tagung abhielt, gehe es in erster Linie um einen Dialog der Kulturen und Religionen. Es sei klar, dass dies eine Aufgabe sei, die nicht in kurzer Zeit bewältigt werden könne. „Wir stehen erst am Anfang“, sagte Grabner-Haider. Daher ist auch ein zweites „Murnauer Philosophicum“ für nächstes Jahr angedacht – dann mit einem anderen Themenschwerpunkt.

    Übrigens: Ein Grund dafür, dass man für dieses Treffen das Blaue Land ausgewählt hat, liegt darin, dass hier die Künstler des Blauen Reiter gewirkt haben. Und diese hatten auf künstlerischer Ebene vor mehr als hundert Jahren bereits den Dialog mit anderen Kulturen gesucht.

Heribert Riesenhuber

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