Schwerer Unfall: das verunglückte Segelflugzeug bei Pömetsried.
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Schwerer Unfall: das verunglückte Segelflugzeug bei Pömetsried.

Ursache des Segler-Absturzes noch nicht geklärt

Pömetsried: Deshalb ist eine 14-jährige Flugschülerin keine Ausnahme

  • Silke Reinbold-Jandretzki
    VonSilke Reinbold-Jandretzki
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Der schwere Flugunfall bei Pömetsried hat die Aktiven der betroffenen Sportfliegergruppe Werdenfels schockiert. Der Verein will bei Bedarf Konsequenzen ziehen, sobald die Ursache klar ist. Schon jetzt betont ein Sprecher: Diese steht nicht in Zusammenhang mit dem Alter der beteiligten Flugschülerin (14).

Ohlstadt – Wer ein Mofa fahren möchte, muss in Deutschland 15 Jahre alt sein. 14-Jährige können, wenn die Eltern Grünes Licht geben, jedoch bereits eine Segelflugausbildung starten – und das kommt bei Vereinen wie der Sportfliegergruppe (SFG) Werdenfels, die ihr Gelände in Ohlstadt-Pömetsried hat, „sehr häufig vor“, sagt Pressesprecher Martin Woertler. Dieses Alter sei „seit Jahrzehnten gängige Praxis“. Die SFG hat aktuell etwa 20 Flugschüler in ihren Reihen, „überwiegend Jugendliche“. Es hat sich in Woertlers Augen bewährt, wenn angehende Piloten bereits in jungen Jahren ein Gefühl fürs Flugzeug entwickeln.

An dieser Überzeugung kann der dramatische Unfall vom Samstag nicht rütteln. Eine 14-jährige Flugschülerin und ihr sehr erfahrener Fluglehrer (60) waren in einer vergleichsweise einfach zu handhabenden Schleicher ASK 13, einem typischen Schulungs-Doppelsitzer, im Landeanflug am nordöstlichen Bahnende bei Pömetsried  in Baumwipfel abgestürzt und mussten aus rund zwölf Metern Höhe gerettet werden. Das Mädchen erlitt leichte, der Mann schwere Verletzungen; sie kamen in die Unfallklinik Murnau.

Für die Vereinsmitglieder sei dieses Ereignis „selbstverständlich ein Schock“ gewesen, sagt Woertler. Auch wenn „wir nicht wissen, was die Ursache war“, steht für ihn eines fest: „Sie hat sicher nichts mit dem Alter der Flugschülerin zu tun. Das ist ausgeschlossen.“ Die 14-Jährige befindet sich am Anfang ihrer Ausbildung. Diese dauert in der Regel zwei bis drei Jahre, bevor unter gewissen Voraussetzungen frühestens mit 17 der Luftfahrerschein erworben werden darf, der zum eigenverantwortlichen Fliegen berechtigt. Die Kontrolle hatte beim Unglück der Lehrer: „Er ist derjenige, der fliegt“, sagt Woertler.

Flugunfall bei Pömetsried: Schulbetrieb „nicht mit mehr Risiko behaftet als Skifahren und Bergsteigen“ 

Der Ausbilder befindet sich in der Regel auf dem hinteren Platz eines normalen Doppelsitzers. Steuerungselemente und Instrumente sind immer zweifach vorhanden. Woertler stellt klar: „Es passiert sehr, sehr selten etwas im Schulbetrieb.“ Dieser sei „nicht mit mehr Risiko behaftet als Sportarten wie Skifahren oder Bergsteigen“. Dafür sorgten strenge Regularien und ein bundesweit identisches Ausbildungsprogramm. Fluglehrer müssen regelmäßig Fortbildungen absolvieren, alle Beteiligten in festgelegten Abständen beim Fliegerarzt vorstellig werden. „Alles wird sehr engmaschig überwacht.“ Der Schüler darf anfangs weder starten noch landen; er soll zunächst ein Gefühl für den Segler entwickeln und in großer Höhe lernen, geradeaus und Kurven zu steuern. Entsprechend seines Ausbildungsstands übernimmt er dann mehr und mehr Anteile am Flug. Ein junger Azubi darf – unabhängig vom Alter – nach Angaben Woertlers generell auch vor Erwerb der Lizenz alleine in die Luft gehen, wenn zwei Fluglehrer zustimmen. Einer beobachtet vom Boden aus, gibt Anweisungen über Funk – und trägt letztlich die Verantwortung.

Flugplatz Pömetsried: Betrieb wird nach Unfall normal weiterlaufen

Die abgestürzte Schleicher ASK 13 wurde vom Verein genutzt, der über rund ein Dutzend Maschinen verfügt, die zum Teil für die Ausbildung dienen. 120 aktive Mitglieder zählt die SFG Werdenfels. Der Unfall sei „bedauerlicherweise passiert“, sagt Woertler, „aber der Betrieb wird normal weiterlaufen“. Wohl aber zieht man bei Bedarf Konsequenzen aus einem derart schwerwiegenden Ereignis – wie immer, wenn es zu „sicherheitsrelevanten Störungen“ kommt. Bereits am Sonntag saßen die Sicherheitsbeauftragten des Vereins zusammen, die in der Luftfahrt arbeiten, diskutierten das Geschehen und überlegten, welche Schritte man schlussfolgern kann. Allerdings noch unter Vorbehalt: „Wir müssen die Untersuchungen abwarten“, sagt Woertler. Die Verantwortung dafür tragen die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung und ein Sachbearbeiter der Murnauer Polizei. „Wenn es ein Ergebnis gibt“, betont Woertler, „werden wir sofort entsprechend reagieren.“ Gestern lagen Polizeiinspektions-Chef Joachim Loy „noch keine neuen Erkenntnisse zur Unfallursache“ vor.

Bei den Segelfliegern denkt man an die Verunglückten. „Wir hoffen sehr“, sagt Woertler, „dass beide möglichst rasch genesen und schnell wieder im Vereinsleben dabei sind.“ Die SFG sah sich mit einem einschneidenden Ereignis, einer Zäsur, konfrontiert: dem ersten Unfall mit Verletzten auf dem Fluggelände in Pömetsried.

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