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Eine Stufe als Hindernis: Vor dem Friseur- und Metzgerladen am Ohlstädter Dorfplatz sind Rollstuhlfahrer auf fremde Hilfe angewiesen. Im Rollstuhl sitzt Dieter Kirschner, ihn schiebt Josef Scheuerer. Rechts ist Bürgermeister Christian Scheuerer mit einem Rollator zu sehen. 

Wenn kleine Hindernisse zum Problem werden 

Rundgang mit VdK und Bürgermeister: Wie barrierefrei ist Ohlstadt?

Wie sieht es mit der Barrierefreiheit in Ohlstadt aus? Dieser Frage ging der Sozialverband VdK bei einem Ortsrundgang nach – zusammen mit Bürgermeister Christian Scheuerer. Das Ergebnis: Es gibt einige Brennpunkte, die entschärft werden müssen.

Ohlstadt – Ohlstadts Bürgermeister Christian Scheuerer (parteilos) steht vor dem Friedhofstor, eine Blindenbrille auf seinen Augen. Vorsichtig tastet er mit seiner rechten Hand die Gitterstäbe ab, findet schließlich die Klinke. Für einen „Ortsspaziergang“ des Sozialverbandes VdK, bei der das Zentrum von Ohlstadt auf Barrierefreiheit überprüft werden soll, hat sich der Rathauschef in die Rolle eines Blinden begeben, um aus dieser ungewohnten Perspektive sein Heimatdorf zu erkunden. Ein weißer, so genannter „Langstock“ dient ihm auf dem Weg zur Pfarrkirche St. Laurentius als einzige Hilfe. „Ich bin unglaublich unsicher“, gesteht er seinen Begleitern, um an einer Stufe vor dem Gotteshaus abrupt stehenzubleiben: „Da geht es abwärts.“

VdK-Prüfer Edi Schieder aus Altenstadt, der zusammen mit seinem Kollegen Reinhold Nöth seit über 30 Jahren solche Aktionen einfädelt und leitet, kennt die Probleme der Blinden und Sehbehinderten wie kaum ein anderer. „Ich würde vorschlagen, an dieser Stufe einen Sicherheitsstreifen anzubringen“, bemerkt er dazu. Ein vor allem für Gehbehinderte und Rollstuhlfahrer geradezu unüberwindbares Hindernis stellen die vier Stufen am Haupteingang des Friedhofs an der Hauptstraße dar, wie sich kurz darauf zeigt. „Wie wäre es, wenn dort ein Schild angebracht wird, das auf den ebenerdigen Eingang auf der Südseite verweist?“, fragt der 80-Jährige. „Das ist eine gute Idee“, bestätigt Scheuerer. „Das machen wir.“

Mit einem Rollator testet der Gemeindechef alsbald die verschiedenen Bodenbeläge rund um das Rathaus und auf den Gehsteigen des Dorfes. „Das kleine Pflaster ist akzeptabel, aber bei den großen Steinen wird man ja total durchgeschüttelt“, stellt er fest. Und Nöth ergänzt: „Schwellen ab zwei Zentimeter sind für Rollstuhlfahrer ein ernstes Hindernis.“

Dann bewegt sich die kleine Gruppe die Hauptstraße hinunter, wo sich neue Probleme auftun: „Manche Autofahrer parken so unverschämt, dass nicht mal jemand mit einem Rollator vorbeikommt“, ärgert sich VdK-Mitglied Sonja Pongratz aus Ohlstadt, die zusammen mit Blindenbetreuerin Jutta Meumann eine Rankingliste mit diversen Schwachstellen im Ort verfasst hat.

Als weiterer Brennpunkt stellt sich die Abzweigung an der Schwaiganger- und der Hauptstraße heraus, wo die hohen Bordsteine abgeflacht werden sollten. Und am Straßenstück „Am Dorfbach“ existiert teilweise kein Gehsteig. Anerkennung zollen die VdK-Experten dem Gelände rund um das neue Mehrfamilienhaus der Gemeinde: „Das Muschelkalkpflaster ist optimal“, sagt Schieder. Ebenso gefallen ihm und Nöth die Barrierefreiheit im Gasthof Zur Post und die gute Zugänglichkeit von Sparkasse und VR-Bank.

„Seit meiner Kindheit gehe ich blind diese Wege, bin sie gewohnt“, zog Scheuerer am Schluss Bilanz. „Doch wenn man sie wirklich blind geht, dann sieht alles ganz anders aus.“ Aber: „Ich glaube, dass wir durch die Barrierefreiheit bei unserem kommunalen Wohnungsbau, beim regionalen Einkaufsmarkt, dem Bahnhofsumbau und den Querungshilfen auf einem guten Weg sind. Jetzt geht es an die Feinarbeit. Wir müssen Zug um Zug die Probleme lösen, und deshalb war die Begehung heute unglaublich hilfreich.“

Auch Schieder gibt sich optimistisch: „Es gibt hier noch allerhand zu tun, aber im Großen und Ganzen ist es gut.“ Gegen Ende des Jahres werden Nöth und Schieder eine Präsentation veröffentlichen, bei der alle Schwachpunkte in Ohlstadt aufgelistet sind. Vor zwei Jahren hatten sich die beiden Prüfer Uffing vorgenommen und einige Verbesserungen erreichen können.

Heino Herpen

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