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Besuch aus dem Maximilianeum: (v.l.) die Grünen-Abgeordneten Anna Toman, Hans Urban und Paul Knoblach (r.) mit Landstallmeisterin Cornelia Back. 

Pferdezentrum muss sich am Aufbau der LfL-Zweigstelle Ruhstorf beteiligen

Reform: Schwaiganger verliert Stellen

Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) steht vor einer großen Reform. Betroffen ist auch das Haupt- und Landgestüt Schwaiganger. Das traditionsreiche Pferdezentrum muss sich mit Personal beim Aufbau der LfL-Zweigstelle in Ruhstorf beteiligen.

Schwaiganger – Die Rede ist von einer „betriebswirtschaftlichen, kaufmännischen, flexiblen Unternehmensführung“, die für mehr Transparenz sorge. Auch eine „innovativere Versuchs-, Bildungs- und Verwaltungsabwicklung“ soll es künftig geben. Und eine „Hebung von Effizienzgewinnen“, indem das Personal qualifiziert wird.

Was sich anhört, wie Vokabular von Unternehmensberatern, sind einige der Ziele, die der Freistaat Bayern mit dem Projekt „Bayerische Staatsgüter“ verfolgt. Dabei sollen alle Fachzentren und Versuchsstationen, die sich unter dem Dach der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) befinden, ausgegliedert werden. 15 Einrichtungen sind davon betroffen, darunter das Haupt- und Landgestüt Schwaiganger.

Die traditionsreiche Einrichtung wird dabei laut LfL-Sprecherin Elke Zahner-Meike zum „BaySG Bildungszentrum für Pferdehaltung und Reiten“ ausgebaut und ist damit schwerpunktmäßig für die Aus-, Fort- und Weiterbildung rund um das Pferd verantwortlich. „Daran orientieren sich die Personalausstattung sowie die Investitionen in Technik und Gebäude. Der Betrieb wird kaufmännisch und flexibel geführt, allerdings steht die Gewinnerzielung nicht im Vordergrund.“ Etwaige Effizienzgewinne kommen der Sprecherin zufolge der Forschung und Bildung zugute.

Doch Einschnitte sind zu erwarten. Zwar wird, wie Zahner-Meike darlegt, auf eine bedarfsgerechte und hochwertige Ausstattung mit Stellen beziehungsweise Personal geachtet. „Besonderes Augenmerk wird auf die Qualifikation der Mitarbeiter gelegt.“ Doch auch Schwaiganger muss, wie alle anderen Betriebe der Bayerischen Staatsgüter, Stellen für den Aufbau der LfL-Zweigstelle in Ruhstorf liefern. Dies betreffe „ausschließlich freigewordene Stellen wegen Ruhestand oder Kündigung“, erklärt die LfL-Sprecherin. Derzeit arbeiten rund 60 Personen in Schwaiganger. Wie viele Mitarbeiter/Stellen es in zehn Jahren im Gestüt noch ungefähr geben wird, kann die LfL momentan nicht beantworten. „Die Zahl der Mitarbeiter hängt von zu vielen, auch nicht vorhersehbaren Faktoren ab“, heißt es.

Nicht genannte Kritiker befürchten laut Süddeutscher Zeitung, „dass der neue Betrieb vor allem hohe Gewinne abwerfen soll und die Forschungsarbeit leidet. An den 15 Einrichtungen, aber auch an der LfL insgesamt rumort es heftig“.

Was hält Gestütsleiterin Cornelia Back von der Reform? Welche Vorteile/Nachteile sieht sie? Rumort es auch in Schwaiganger? Wie sehen die Mitarbeiter die Reform? Hat Back eine Meinung zur personellen Beteiligung des Gestüts am Aufbau von Ruhstorf? Die Landstallmeisterin will sich zu all diesen Fragen nicht äußern. Sie verweist an die Pressestelle der LfL oder des Bayerischen Landwirtschaftsministeriums. Die Bayerischen Staatsgüter sollen im Januar 2020 offiziell an den Start gehen.

Unterdessen schreitet die Generalsanierung des Gestüts voran. Heuer sind die Wasser- und Abwasserleitungen, die Tribüne, der Paradeplatz und dessen Umgriff dran. 2020 folgt der Neubau des Lehrstalls und die Planung des Internats. Gebaut werden soll es – vorbehaltlich vorhandener Haushaltsmittel – im Jahr 2021.

Ein Bild von den Anlagen machten sich jetzt die Grünen-Landtagsabgeordneten Anna Toman, Paul Knoblach und Hans Urban. Landstallmeisterin Back führte die Gäste aus dem Maximilianeum laut einer Pressemitteilung durch das Gestüt und gab ihnen zahlreiche Informationen rund um den Lehr- und Versuchsbetrieb zur Pferdehaltung und -zucht mit auf den Weg. Sie informierte die Politiker über aktuelle Aktivitäten, die nächsten Schritte bei der Renovierung sowie über die neue schwerpunktmäßige Ausrichtung auf die Aus- und Fortbildung.

„Ich sehe die Mittel, die Bayern für die Generalsanierung von Schwaiganger bereitstellt, gut investiert“, betonte Urban. „Hier wird wertvolle Arbeit in Sachen Berufsausbildung und Fortbildung geleistet.“

Im Doppelhaushalt 2019/2020 werden dem Gestüt zusätzliche 1,7 Millionen Euro für die Generalsanierung sowie den Ausbau zur Verfügung gestellt. „Das ist ein bedeutender Schritt, um die Alleinstellung des Gestüts als Lehr-, Versuchs- und Fachzentrums weiter zu stärken“, bekräftigte Urban.

Die Gesamtkosten für den Um- und Ausbau schätzt das Staatsministerium für Wohnen, Bau, und Verkehr auf etwa 40 Millionen Euro. Schwaiganger hat rund 850 Hektar Betriebsfläche. Aktuell stehen sie laut LfL-Sprecherin Zahner-Meike „nicht zur Disposition“.

Roland Lory

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