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Hufschmied aus Leidenschaft: Andreas Hundsmann beim Bearbeiten eines glühenden Hufeisens auf dem Amboss. Im Hintergrund die Feuerstelle. Wenn es schnell gehen soll, gibt es auch einen Gasofen. 

Tag des Handwerks

Seltener Beruf des Hufschmieds: Heiße Eisen nach Maß

Früher gehörte der Hufschmied zum festen Inventar eines jeden Dorfs. Heute ist es eine eher seltene Zunft. Einer, der diesem alten Beruf nachgeht, ist Andreas Hundsmann. Sein Handwerk wird auf dem Haupt- und Landgestüt Schwaiganger täglich gebraucht.

Schwaiganger – In der Schmiede des Staatsgestüts Schwaiganger, einem Kompetenzzentrum für Pferdezucht und -haltung, sieht es urig aus. In der Mitte lodert eine Feuerstelle. Esse nennen Fachleute diesen Herd des Metalarbeiters. Nach wenigen Minuten zieht Andreas Hundsmann das Hufeisen mit einer Zange aus der Glut. Es ist fast schon gelb – etwa 1000 Grad heiß. Die ideale Temperatur, um es mit einem Hammer auf dem Amboss zu bearbeiten und in die perfekte Form für den Pferdehuf zu bringen. Jedes Hufeisen ist anders – „Schuhe nach Maß“, schmunzelt Hundsmann. Das macht diesen Beruf zu einer Wissenschaft für sich.

Seit elf Jahren ist der 39-jährige Garmisch-Partenkirchner Hufschmied aus Leidenschaft, seit dreieinhalb Jahren arbeitet er in Schwaiganger: „Für mich ist das eine Herzensaufgabe“, sagt er. Wie sein Kollege Franz Sikora ist er so genannter Lehrschmied. Das ist vergleichbar mit einem Meister. Die beiden sind nicht nur für die Beschläge zuständig – bei rund 300 Pferden, die das Gestüt hat, gibt es viel zu tun –, sondern auch für die Ausbildung. Eine klassische Lehre gibt es nicht. Wer dieses Handwerk erlernen will, braucht eine abgeschlossene Berufsausbildung, muss dann ein zweijähriges Praktikum in einer staatlich anerkannten Einrichtung sowie mehrmonatige Lehrgänge absolvieren und am Ende eine Prüfung ablegen. „Das Interesse ist da. Um Nachwuchs mache ich mir keine Sorgen“, berichtet Hundsmann. In ganz Bayern sind seinen Angaben zufolge rund 600 Hufbeschlagschmiede, so der offizielle Titel, tätig. Die meisten arbeiten freiberuflich, fahren von Stall zu Stall und bieten ihre Leistungen an. Hundsmann und sein Kollege sind dagegen festangestellt.

Der Job ist anstrengend. Man braucht Kraft, ein gutes Auge, handwerkliches Geschick und natürlich einen guten Draht zu den Tieren. „Man kann viel Gutes für die Pferde tun“, sagt Hundsmann. „Für jeden Verwendungszweck gibt es ein spezielles Eisen“, berichtet er. Beispielsweise braucht ein Sportpferd ein leichtes – und ein Arbeitspferd in der Landwirtschaft ein wesentlich stabileres. Auch kommen spezielle Beschläge bei orthopädischen Problemen zum Einsatz. Und es gibt andere Materialien als Stahl, etwa Kunststoff oder Carbon.

Aber wieso brauchen Pferde überhaupt Hufeisen? Der Grund ist simpel: Reit- und Arbeitspferde nutzen im Gegensatz zu Wildpferden ihre Hufe schneller ab, vor allem dann, wenn sie auf asphaltierten oder steinigen Wegen unterwegs sind oder schwere Lasten ziehen müssen. Zum Schutz werden daher Eisen unter die Hufe genagelt. Das ist etwa alle sechs bis acht Wochen notwendig.

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