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Seinen rasanten Start ins Leben auf dem Autobahn-Standstreifen auf Ohlstädter Flur hat Simon hervorragend überstanden. Rettungsassistent Frank Bauer (l.) und sein Kollege Toni Koch unterstützen Mirjana Eidenschink bei der Geburt.

Ungewöhnlicher Start ins Leben

Simon hatte es eilig: Bub kommt auf der Autobahn zur Welt

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Keinen alltäglichen Einsatz haben die beiden BRK-Sanitäter Frank Bauer und Tino Koch aus Murnau ganz hervorragend gemeistert. Sie unterstützen Mirjana Eidenschink bei der Geburt ihres Sohnes Simon: im Rettungswagen, auf dem Autobahn-Standstreifen auf Ohlstädter Flur.

Ohlstadt – Ein „leichtes Knacken“, dann ein Ziehen – für Mirjana Eidenschink war sofort klar: Die Geburt steht bevor. Dass es schnell gehen würde, war ihr bewusst. „Die Hebamme hatte mich schon vorgewarnt“, erinnert sie sich und lacht. Wie eilig es ihr kleiner Simon haben würde, war ihr allerdings am Gründonnerstag gegen 4.20 Uhr nicht klar. Zunächst dachte die werdende Mutter, die bereits alles fürs Krankenhaus gepackt hatte, dass ihr noch Zeit bleibt. Zeit, um ihre Schwester zu verständigen, „die auf unsere vierjährige Tochter Julia aufpassen sollte“. Und vor allem genügend Zeit, um mit ihrem Mann Michael Eidenschink von Sindelsdorf (Kreis Weilheim-Schongau) ins Klinikum Garmisch-Partenkirchen zu fahren. „Die Wehen kamen dann in immer kürzeren Abständen, sodass wir schließlich um 5 Uhr den Notruf alarmiert haben“, erzählt die 43-Jährige. Gut so, denn ihr Bub konnte es plötzlich gar nicht mehr erwarten.

Nachdem die Einsatzfahrzeuge aus Penzberg und Kochel bereits anderweitig unterwegs waren, hatte die Integrierte Rettungsleitstelle die Murnauer Rot-Kreuz-Wache verständigt. Rettungsassistent Frank Bauer und sein Fahrer Toni Koch holten die Hochschwangere ab. Der werdende Vater fuhr in seinem Pkw hinterher. Besonders weit kamen sie allerdings nicht. Kaum auf der Autobahn in Richtung Garmisch-Partenkirchen unterwegs drängte es Simon auf die Welt, so dass Koch auf dem Standstreifen parken musste. „Eine Weiterfahrt während der Geburt ist nicht möglich“, verdeutlicht Bauer das Dilemma. Dass es jetzt ernst wird, war auch Michael Eidenschink schnell klar. „Als ich den Blinker gesehen hab’, wusste ich, jetzt geht’s los.“ Quasi in letzter Minute – „Simon war schon fast da“ – erreichte er den Rettungswagen und konnte noch die Nabelschnur durchschneiden. Und das 3090 Gramm schwere und 52 Zentimeter große Baby in die Arme schließen.

Glücklich zu viert: Mirjana und Michael Eidenschink mit Julia (4) und Baby Simon.

Was den 39-Jährigen besonders freut, ist der Geburtsort seines Buben. Der erblickte nämlich auf Ohlstädter Flur das Licht der Welt. „Nur 500 Meter Luftlinie von meinem Elternhaus entfernt.“ Simon ist somit etwas ganz Besonderes, nämlich das siebte Kind seit der Schließung des Ohlstädter Geburtshauses 1955, das im Ausweis Ohlstadt als Geburtsort stehen haben wird. „Das freut mich riesig“, unterstreicht Michael Eidenschink. Er ist zwar in dem Dorf groß geworden, geboren wurde er aber genau wie seine Tochter Julia in Garmisch-Partenkirchen.

Völlig problemlos verlief der ungewöhnliche Einsatz – zu Bauers und Kochs Erleichterung. Nachdem der Kleine geboren war, brachten sie die Familie ins Klinikum. Mit Zwischenstopp in Oberau, wo eine Notärztin zustieg. Nachdem bei Mutter und Kind alles in Ordnung war und der Bub alle Untersuchungen mit Bravour bestand, durften sie schon am Karsamstag wieder heim nach Sindelsdorf.

Da müssen sich die Vier nun erst einmal in der neuen Familiensituation zurechtfinden. Vor allem für die vierjährige Julia bedeutete die Ankunft des Brüderchens eine gewaltige Umstellung. „Sie steht halt nicht mehr im Mittelpunkt“, sagt ihre Mama. Sie und ihr Mann haben ihrer Großen aber schnell klar gemacht, „dass sie natürlich unsere Prinzessin bleibt“. Das ist angekommen, und Julia ist inzwischen Feuer und Flamme für Simon. „Sie hat ihm schon die Flasche gegeben und ihn auf den Schoß genommen.“

Die stürmische Ankunft des kleinen Ohlstädters hat nicht nur seine Familie erst einmal gehörig durcheinandergewirbelt. Auch die BRK-Sanitäter haben noch lange an ihr Rettungswagen-Baby gedacht. Für Bauer das zweite in über 20 Dienstjahren. Zum ersten Wiedersehen brachten sie Simon eine Schnullerkette mit. Das nächste folgt spätestens bei der Taufe. „Dazu laden wir die beiden ein“, verrät Mirjana Eidenschink. Bauers und Kochs Engagement zollt sie höchsten Respekt: „Sie waren super und haben wirklich alles sehr gut gemeistert.“

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