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Kleine Läden oder ein Supermarkt: Die Zukunft des Einzelhandels wird in Ohlstadt kontrovers diskutiert.

Wirtschaftsförderer erhebt schwere Vorwürfe

Einzelhandel: Rathaus-Chef Scheuerer unter Beschuss

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Die Debatte über die Nahversorgung in Ohlstadt schlägt hohe Wellen. Nun meldet sich Murnaus Wirtschaftsförderer Jan-Ulrich Bittlinger, der seit einigen Jahren in dem Heimgarten-Dorf lebt, zu Wort – und teilt kräftig aus. Er wirft Bürgermeister Christian Scheuerer vor, für den Niedergang des örtlichen Einzelhandels verantwortlich zu sein.

Ohlstadt/Murnau – Jan-Ulrich Bittlinger hat ein dickes Fell, denn der Murnauer Wirtschaftsförderer ist in seinem Berufsleben häufig das Ziel politischer Attacken. Privat dreht er nun den Spieß um – und knöpft sich in einem geharnischten Leserbrief Ohlstadts Bürgermeister Christian Scheuerer (parteifrei) vor. Das Ganze liest sich wie eine Generalabrechnung. Bittlinger, der in dem beschaulichen Dorf am Fuße des Heimgartens zuhause ist, fällt ein vernichtendes Urteil über den Rathaus-Chef, der seiner Ansicht nach nichts unternimmt, „um das Einzelhandelssterben aufzuhalten“.

Anlass ist der radikale Wandel der Ohlstädter Nahversorgung. Künftig wird es die beiden kleinen Lebensmittelläden in der Ortsmitte nicht mehr geben. Das Geschäft von Christof Angelmahr an der Kirchstraße steht bereits leer. Und der Edeka-Markt von Siegfried Wunder an der Hauptstraße schließt zum Jahresende. Stattdessen entsteht derzeit etwas außerhalb am Josefplatz eine Feneberg-Filiale – ein Großprojekt, für das sich die Ohlstädter 2015 per Bürgerentscheid mehrheitlich aussprachen.

Bittlinger ist mit dieser Entwicklung nicht zufrieden. „Es ist schon besonders dreist, wenn Bürgermeister Scheuerer, der den Niedergang des Ohlstadter Einzelhandels eingeläutet hat, sich zum Retter der Nahversorgung aufspielt. Ein Mann, der ohne vorhandenes Expertenwissen stets behauptet hat, ein Supermarkt wäre keine Gefahr für die kleinen Läden“, schimpft er in dem besagten Schreiben ans Tagblatt. Die Bürger an die Urne zu rufen, ohne sie seiner Meinung nach über die möglichen Auswirkungen umfassend informiert zu haben, sei „Wählertäuschung“. Ein Bürgermeister habe die Pflicht, „alle Vor- und Nachteile aufzulisten, damit die Bürger eine faktenbasierte Entscheidung treffen können“. Scheuerer hat aber nach Ansicht Bittlingers absichtlich keine Fakten liefern wollen. „Er wollte von Anfang an einen Supermarkt, notfalls auch auf Kosten der kleinen Läden.“ Deshalb habe er vor der Abstimmung weder ein Einzelhandelsgutachten noch eine Untersuchung über die Folgen in Auftrag gegeben. In den umliegenden Gemeinden entstünden hingegen mit viel Mühe und Geld Dorfläden – „weil man erkannt hat, dass Orte durch große Supermärkte der Seele beraubt wurden.“

Scheuerer kann indessen die harsche Kritik nicht nachvollziehen: „Ich finde das seltsam“, sagt er. Die Gemeinde Ohlstadt sei das Thema Einzelhandel sehr wohl systematisch und verantwortungsvoll angegangen. „Es geht darum, die Nahversorgung langfristig zu sichern“, betont der Verwaltungschef. Die Bürger hätten sich für den Feneberg-Markt entschieden. Und laut einem Einzelhandelsgutachten, das nach dem Votum erstellt wurde, müssten bei einer Verkaufsfläche, die nicht größer als 800 Quadratmeter ist, keine negativen Auswirkungen auf die Ortsmitte befürchtet werden. An diese Empfehlung habe man sich auch gehalten. Bei Feneberg seien es 780 Quadratmeter.

Schon früh habe sich abgezeichnet, argumentiert Scheuerer, dass der Angelmahr-Laden aus Altersgründen nicht fortgeführt werde. Und im Fall Wunder spielten angeblich Differenzen mit dem Vermieter eine Rolle. Um diese Einkaufsmöglichkeit auch als sozialen Treffpunkt nicht zu verlieren, lotet laut Scheuerer eine Arbeitsgruppe „verschiedene Möglichkeiten“ aus. Details verrät er nicht. Geplant sei zudem ein Einkaufsservice für die Übergangszeit – bis Feneberg im Februar öffnet.

Doch es ist nicht nur Bittlinger, der Alarm schlägt. Auch aus den Reihen des Gemeinderats werden Warnungen laut. Michael Dieringer (NLO), der nach eigenen Angaben von Anfang an gegen den Feneberg-Bau war und in der Sache ebenfalls einen Leserbrief schickte, malt ein düsteres Zukunftsszenario: „Ist die Ortsmitte erst einmal verwaist, werden auch die Gastronomie und die übriggebliebenen Läden zu kämpfen haben.“ Der Kommunalpolitiker ist sich auf Nachfrage sicher: Dass Wunder und Angelmahr aufhören, hänge mit der Feneberg-Ansiedlung zusammen. Und weiter: „Viele Senioren, denen ihre Einkäufe nach Hause gefahren wurden, werden nach der Feneberg-Eröffnung in die Röhre schauen.“

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