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In die Jahre gekommen: Das Hauptgebäude des Solarfreibads wird heuer und 2018 für geschätzte 836 000 Euro saniert. 

Liegt es an den Personalkosten?

Tourismus in Ohlstadt: Das Defizit wächst

Der Ohlstädter Haushalt für 2017 ist „ein ordentliches Paket“, wie es Kämmerer Christoph Gratz in der Gemeinderatssitzung ausdrückte. Er umfasst rund 8,8 Millionen Euro. Debatten gab es um die Ausgaben für den Tourismusbereich.

Ohlstadt – Wie Ohlstadts Bürgermeister Christian Scheuerer (parteifrei) bereits in der Bürgerversammlung dargelegt hatte, steht die Gemeinde derzeit finanziell gut da. Sie ist quasi schuldenfrei. Allerdings gibt es größere Projekte wie den sozialen Wohnungsbau, die Sanierung des Schwimmbad-Hauptgebäudes sowie das Einheimischenmodell an der Waxensteinstraße.

Auch den Tourismus lässt sich die Gemeinde etwas kosten. Das Defizit, das für diesen Sektor heuer im Etat eingeplant ist, beträgt 91 000 Euro. 2016 waren es 79 000 Euro, 2015 kam man auf ein Minus von 48 000 Euro. „Ein steigendes Defizit bei sinkenden Übernachtungszahlen, da müsste rein rechnerisch weniger Arbeit da sein“, gab Thomas Guggemoos (NLO) zu bedenken. Will heißen: Weniger Arbeit für die Gäste-Information, wo Leiterin Gertrud Kraus 30 Stunden und Doris Mayer 12 Stunden pro Woche tätig sind.

Die Zahl der Vermieter von Privatzimmern hat deutlich abgenommen

Wobei das mit den sinkenden Übernachtungszahlen auf die Jahre 2015 und 2016 nicht zutrifft. 2016 gab es ein leichtes Plus (42 334, 2015: 41 901). Vor drei Jahren wurden allerdings noch 45 198 Übernachtungen registriert. Nicht mit einberechnet ist die Ohlstadtklinik. Guggemoos mahnte jedenfalls an, den Tourismussektor „im Auge“ zu behalten. Das Problem ist landauf landab gleich und auch in Ohlstadt festzustellen: Die Zahl der Vermieter von Privatzimmern hat deutlich abgenommen. Die älteren hören auf, die jüngeren übernehmen aus verschiedenen Gründen das Geschäft mit den Urlaubsgästen nicht. Unterm Heimgarten haben vor geraumer Zeit ein größeres Gästehaus und zudem drei Privatvermieter mit gut 15 Betten ihre Pforten geschlossen. „Das kann man nicht so schnell aufholen“, sagte Gäste-Info-Leiterin Kraus dem Tagblatt.

Am Interesse der Feriengäste mangelt es nicht. „Wir haben Anfragen ohne Ende, können die aber nicht befriedigen“, betonte Bürgermeister Scheuerer. Der Bettenrückgang bedeutet auch: Die Einnahmen beim Fremdenverkehrs- und Kurbeitrag sinken. Vizebürgermeister Franz Gaisreiter (CSU) hat festgestellt, dass es seit dem Passionsjahr 2010 mit den Zahlen abwärts geht. „Die Betten werden immer weiter wegbrechen“, fürchtet er. Kürzlich sind zwar drei Anbieter von Ferienwohnungen dazugekommen. Aber die machen das Kraut nicht fett. „Die Betten sind unser Schlamassel“, fasste Scheuerer zusammen. Als Kommune könne man das aber nur in gewissem Maße beeinflussen. „Wir müssen die Vermieter anspornen“, meinte Manfred Stenger (CSU).

Größter Posten beim Tourismus-Defizit sind die Personalkosten

Derzeit gibt es in Ohlstadt insgesamt 41 Betriebe. Davon vermieten fünf privat Zimmer, der Rest hat Ferienwohnungen, Hotels oder Pensionen. Größter Posten beim Tourismus-Defizit sind zwar laut Kämmerer Gratz die Personalkosten. Doch es gibt auch andere Faktoren. So kriegt die Gemeinde mit der Kooperation der Ammergauer Alpen mit dem Blauen Land mehr Leistung. „Wir müssen aber auch mehr bezahlen“, teilte Gratz mit. Eine Möglichkeit, das Minus zu drücken, sieht der Kämmerer in einer kürzlich geschlossenen Vereinbarung mit Großweil. Die Gäste-Information Ohlstadt übernimmt für den Nachbarort die Bettenvermittlung. Bisher war das über den Verkehrsverein Großweil gelaufen.

Der Tourist geht bekanntlich auch gern schwimmen. Das Hauptgebäude des Ohlstädter Solarfreibads soll ab Herbst saniert werden. Heuer fallen hierfür 228 000 Euro an. Insgesamt schätzt man die Kosten des ersten Bauabschnitts auf 836 000 Euro. Im Januar war noch von 560 000 Euro die Rede, doch offenbar waren damals die Ausgaben für sanitäre Einrichtungen nicht inbegriffen. Der Haushalt wurde einstimmig befürwortet.


Roland Lory

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