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Was für eine Gaudi: Braut Ulrike Boxbeutel (Uli Streif) und Bräutigam Quirinus Kerschgeist (Katharina Schmautz) geben sich auf dem Misthaufen da Jawort; dabei sind Hochzeitslader Manfred Poschenrieder (h.r.), Bürgermeister Christian Scheuerer (h.l.) als Gemeindeschreiber  und hunderte Zaungäste.

500 Menschen sind bei dem närrischen Vergnügen auf den Beinen

Tradition Bettelhochzeit: Ohlstadt feiert Misthaufen-Romantik

Eine Braut von eher herber Schönheit, ein Jawort auf dem Misthaufen und vor den Augen einer schrägen Gesellschaft: Die zweite Ohlstädter Bettelhochzeit entwickelte sich zum narrisch lustigen Ereignis. 500 Menschen waren am Samstag auf den Beinen.

Ohlstadt – So hatte man die Ohlstädter Trommler noch nicht zu Gesicht bekommen: Die Mannsbilder steckten in modischen Dirndln, trugen ihre üppig ausgestopfe Oberweite zur Schau und marschierten mit rot bemalten Lippen und langen Haaren im Gleichschritt durchs Ortszentrum. Auf diese Weise bildete die Hofmark-Kapelle die Vorhut für die kuriose Gästeschar der Bettelhochzeit. Dieser alte bayerische Faschingsbrauch wird vom örtlichen Stoaheberverein alle zehn Jahre organisiert und fand heuer zum zweiten Mal statt. 180 Teilnehmer hatten sich angemeldet und verbrachten zusammen einen aufregenden Tag inklusive närrischer Hochzeitszeremonie, Festumzug, Brautverzeihen und Rahmenprogramm. Hochzeitslader Manfred Poschenrieder („Fred Lustinger“) führte die bunte Gesellschaft durch die Veranstaltung.

Höhepunkt war eine bizarre Vermählung am Rathausplatz, der rund 300 Schaulustige bei strahlendem Sonnenschein beiwohnten. In einer Kutsche fuhr das ungleiche Brautpaar vor, das sich wenig später auf einem Misthaufen das Jawort geben sollte: Als Bräutigam trat Katharina Schmautz alias „Da rossdamische Quirinus Kerschgeist Dressurreiter vo da Kreuth“ auf. Uli Streif präsentierte sich im weißen Brautkleid unter dem Namen „De guadgfuadate, vui z’schwere Ulrike Boxbeutel von Kotried“. Zur Belustigung des Publikums wurde die Aussteuer in Form von Bett und Schrank auf einer eigenen Kutsche transportiert. Ein weiterer Bestandteil der Mitgift war ein störrisches Jungrind, das von zwei männlichen Mägden geführt wurde.

Als Moderator und Standesbeamter „Balthasar Hopfinger“ gab sich der Erste Vereinsvorsitzende Florian Poschenrieder aus. Er stellte den Anwesenden die beiden Hauptakteure vor und verkündete die Bedingungen der Ehe. Etwa solle die Braut einen Sicherheitsabstand von mindestens drei Metern einhalten, wenn sie ihrem Gatten in einem Anflug von Wut Porzellan an den Kopf werfe. Im Gegenzug dürfe Quirinus die ihm Angetraute ebenfalls körperlich züchtigen – wobei diese stets ein freundliches Gesicht zu machen habe. Ferner betitelte der Standesbeamte die Braut als „leidenschaftliche Steuerbetrügerin“, während dem Bräutigam ein „Diplom als Schnapsverkäufer“ angedichtet wurde. „Liebe vergeht, Hektar besteht“, meinte Quirinus daraufhin trocken und wartete auf das Jawort seiner Angebeteten. Als diese herumdruckste, half der Bräutigam mit einem Stockhieb nach – und der Bund war besiegelt. An Stelle von Eheringen gab es ein Paar Handschellen, das der örtliche Rathaus-Chef Christian Scheuerer (parteifrei) in seiner Rolle als Gemeindeschreiber „Hieronymus Gmoahäusler“ anlegte. Abschließend tönte Poschenrieder vom Misthaufen: „Am Aschermittwoch seid ihr wieder geschieden!“ Romantik pur.

Dann spielte die Musik auf, und die Gesellschaft formierte sich zu einer Polonaise – angeführt vom Bürgermeister. Ausgelassen und laut juchzend tanzten die Gäste über den Rathausplatz. Die Männer mit Zöpfen und Kleidchen; die bärtigen Frauen in der Krachledernen. Zuschauerin Christa Priebsch aus Ohlstadt, die schon bei der ersten Bettelhochzeit zugegen gewesen war, zeigte sich begeistert: „Das Ganze ist wieder einmal sehr gut aufgezogen und ich hatte großen Spaß“, meinte sie. Auch Poschenrieder war mit dem Ablauf überaus zufrieden: „Alle sind gut drauf, das Wetter ist sensationell – besser hätte es nicht laufen können.“ Das Fest klang im Gasthof Post aus, unter anderem mit dem Gstanzlsänger „Erdäpfekraut“.

Constanze Wilz


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