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Einen Bohrkern heben Landrat Anton Speer (l.) und Umweltminister Thorsten Glauber (r.) auf der Greutwiesen aus. Der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler im Landtag, Florian Streibl (2.v.l.), und Geologe Bernd Schilling sehen zu. 

1500 Bohrungen an 500 Bohrstellen im Landkreis

Dem Boden auf den Grund gehen: Umweltminister Glauber startet in Ohlstadt  einmaliges Projekt

Hoher Besuch in Ohlstadt: Umweltminister Thorsten Glauber weiht dort ein Pilotprojekt ein. Es geht um die Bodenbeschaffenheit im Landkreis. Daraus könnten sich viele Vorteile ergeben. Für Baukosten und die Umwelt. 

Ohlstadt– Es ist ein Schreckgespenst für jeden Bauherren: Beim Aushub für sein Haus kommen so genannte „geogene Belastungen“ zum Vorschein. Dies sind, um nur einige zu nennen, natürlich erhöhte Stoffgehalte wie Arsen, Thallium oder Nickel. Besonders im Landkreis wissen Architekten und Bauunternehmer von dieser Thematik ein Lied zu singen. Treiben solch unliebsame Entdeckungen die Baukosten zuweilen in schwindelerregende Höhen, weil das Material durch die halbe Republik zu speziellen Deponien transportiert werden muss.

500 Bohrstellen im Landkreis: Belasteten Aushub nicht kilometerweit transportieren

Der bayerische Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) hat am Dienstag in Ohlstadt den Startschuss für ein einmaliges Pilotprojekt im Freistaat gegeben. Bei diesem soll anhand von Laboranalysen von 1500 Bohrungen an 500 Bohrstellen im Landkreis die Bodenbeschaffenheit festgestellt werden. Ziel ist es zum einen, ein flächendeckendes Kataster zu erstellen. Zum anderen sollen anhand der Ergebnisse belasteter Bodenaushub dorthin im Landkreis gebracht werden, wo er letztlich keinen Schaden anrichten kann. Somit können erhebliche Kosten gespart werden. Ein gleiches Projekt wird dieser Tage im Landkreis Lichtenfels (Oberfranken) gestartet.

Umweltminister Glauber hofft auf geringere Baukosten für private Bauwerber

„Wir gehen dem Landkreis im wahrsten Sinne des Wortes auf den Grund“, sagte Glauber an einer Bohrstelle auf den Greutwiesen nahe des Ohlstädter Schwimmbads. Er äußerte die Hoffnung, dass durch das neue Kataster die Baukosten für private Bauwerber sowie kommunale Projekte wie etwa beim Wasser- und Kanalbau erheblich gesenkt werden könnten. „Aktuell wird belasteter Aushub auf Lastwagen bis in den Obertagebau im Osten transportiert“, erklärte der Politiker. „Dieser Bodentourismus hat wenig mit Nachhaltigkeit und Klimaschutz zu tun.“ 

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Investiert würden für das Projekt in den beiden Landkreisen rund 1,8 Millionen Euro, sagte er weiter. Nachdrücklich sprach er sich für eine „Länderöffnungsklausel“ aus, die gegenwärtig im Deutschen Bundestag diskutiert werde. „Denn wenn der Bundesgesetzgeber uns einen Riegel vorschiebt, ist diese ganze Arbeit für die Katz“. Dies habe zur Folge, dass Bauen und Abfall deutlich teurer und die Deponien völlig überlastet würden, warnte Glauber.

60 verschiedene Substrate werden im Rahmen des Projektes untersucht

Dr. Raimund Prinz, Leiter des Referates Vorsorgender Bodenschutz beim Landesamt für Umwelt, sprach von 60 verschiedenen Substraten, die im Rahmen des Projekts untersucht werden müssten. Gebohrt werde jedoch nicht in Naturschutz- und FFH-Gebieten und auch nicht über 1200 Metern. Sein Kollege, der Geologe und Experte für Bodenschutz, Dr. Bernd Schilling, erläuterte anhand von Karten die Gründe für die belasteten Böden. Durch die Kräfte der Kontinentalverschiebung seien binnen vieler Millionen Jahre Schwermetalle aus den Tiefen heraufgekommen, die sich mit anderem Material durchmischt hätten.

Auch die letzte Eiszeit vor 12 000 Jahren habe von Süden belastetes Material mitgebracht. Wie von Tobias Mühlbacher vom Wasserwirtschaftsamt zu erfahren war, werden die Ergebnisse der Untersuchungen Mitte kommenden Jahres vorliegen und die Grundlage für die künftigen Katasterkarten bilden. „Die Umsetzung der daraus folgenden Maßnahmen liegt beim Landratsamt, und nicht bei uns“, stellte Prinz klar.

Kartierung des Bodens: Auch Landrat Speer hofft auf geringere Kosten bei Baupreisen

„Durch eine gezielte Kartierung können wir in der Region für Entspannung beim Umgang mit dem Boden sorgen“, bilanzierte Glauber zum Schluss. „Ich denke, wir sind auf einem guten Weg.“ Im gleichen Sinne äußerte sich Landrat Anton Speer (Freie Wähler), der angesichts der ohnehin hohen Baupreise auf Kostensenkungen hofft. 

Der Ohlstädter Bürgermeister Christian Scheuerer (parteilos) denkt vor allem an die Praxis vor Ort: „Wir müssen den Aushub nicht mehr verfahren und nicht irgendwo teuer entsorgen, sondern können ihn dann in unserer Region unterbringen“. Auch der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler im Bayerischen Landtag, Florian Streibl, der aus der ebenfalls betroffenen Gemeinde Oberammergau stammt, zeigte sich erleichtert: „Das ist ein Super-Tag für unsere Region und ein Signal für die einheimische Bevölkerung, dass man bei uns bauen kann, ohne sich zu ruinieren“. HEINO HERPEN

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