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Der Moment, von dem sie ein Leben lang geträumt hat: Laura Dahlmeier steht mit ihrer ersten Olympischen Goldmedaille auf dem Podest. 

Olympia 2018 

Laura Dahlmeier soll Ehrenbürgerin von Garmisch-Partenkirchen werden

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Garmisch-Partenkirchen schmückt sich mit  seinen Spitzensportlern. Doch bislang hat die Marktgemeinde noch keinen einzigen Athleten zum Ehrenbürger ernannt. Laura Dahlmeier soll die erste sei.

Garmisch-Partenkirchen– Mittlerweile weiß jeder von diesen Freundschaftsbüchern, in denen Laura Dahlmeier früh ihre größten Träume verewigt hat. Olympiasiegerin oder Hüttenwirtin wolle sie werden, schrieb sie erstmals mit sieben neben die Frage nach dem Berufswunsch. Vermutlich existieren mehrere Ausgaben. Nur wem diese Stücke Biathlon-Geschichte gehören, hat bislang keiner herausgefunden. Nun gibt es eine heiße Spur, die zu Bürgermeisterin Sigrid Meierhofer führt. Es könnte sein, sagt die SPD-Politikerin, dass ein Büchlein „meiner Tochter“ gehört. Fanny und Laura gingen gemeinsam zur Schule. Meierhofer meint, sich an einen Eintrag der Laura zu erinnern. Ihre Mitschüler trauten Dahlmeier den großen Erfolg zu. Sie überragte alle bereits zu diesem Zeitpunkt im Sportunterricht.

Alleine schon, weil Meierhofer die Biathletin seit der Kindheit kennt, war es ihr ein Anliegen, zu den ersten Gratulanten zu zählen. Per SMS übermittelte sie ihre Glückwünsche an die neue Sprint-Olympiasiegerin. Ob die Zeilen ihre Reise um die Welt nach Südkorea gemeistert haben, kann die Bürgermeisterin nur vermuten. „Ich hoffe, dass ich die richtige Nummer habe“, sagt sie. Vor einem Jahr, nach Dahlmeiers WM-Triumph, kamen sie an. Die Laura hat noch nicht geantwortet. Aber die Garmisch-Partenkirchnerin bekommt ja schon so viel Fanpost nach Hause geschickt, dass ihr Bruder Pirmin beim Anschauen und Antworten helfen muss. Wie soll sie da nach einem Olympiasieg ihr noch überfüllteres Handy-Postfach überblicken? „Sie hat sicher etwas anderes zu tun“, sagt Meierhofer. Einen Teil der persönlichen Botschaft enthüllt die Bürgermeisterin aber im Tagblatt-Interview: Laura Dahlmeier wird Ehrenbürgerin. Sie dürfe das gerne selbst verkünden, schrieb Meierhofer. Die Gemeinde wollte eigentlich bis zum Ende der Spiele dichthalten. In nicht-öffentlicher Sitzung hatte das der Marktgemeinderat entschieden.

Wie das oft so mit geheimen Nachrichten ist, blieben sie nicht lange verborgen. Gleich nach der Sitzung sickerte die Information durch. Die Marktgemeinde hat ihre Ehrenordnung um eine Erklärung ergänzt. Sportler, die bei Olympischen Spielen Einzel-Gold erringen, sollen die Ehrenbürger-Würde erhalten. Man sagt dem Gremium ja gerne nach, dass das Interesse der Würdenträger am Sport fehlt. Diesmal stimmten alle Vertreter für den Zusatz – und damit für Dahlmeier. Vielleicht auch deshalb, weil die Gemeinde, die sich als Wintersport-Ort sieht, in ihrer langen Liste, die 37 Namen umfasst, noch keinen Sportler aufgenommen hat. Im Vorjahr, räumt Meierhofer ein, habe man sie beim Willkommensfest der Fünffach-Weltmeisterin mit der Ehrenbürger-Frage überrumpelt. „Ich wollte auf keinen Fall eine Entscheidung alleine treffen“, betont die Garmisch-Partenkirchnerin. Vor Olympia, im Januar, sprach sie ihre Kollegen auf das Thema an. Sie verständigten sich darauf, im nicht-öffentlichen Teil darüber zu sprechen – obwohl es kaum Argumente dafür gab, sich im Geheimen auszutauschen. Meierhofer wollte den Druck, dem Dahlmeier seit ihrem historischen WM-Triumph ausgesetzt ist, „nicht noch erhöhen“.

Doch Dahlmeier, die Meisterschützin, hat sich auf diese Extrem-Situation vorbereitet. Sie hat in den Bergen schon viel extremere und vor allem gefährlichere Momente überstanden. Einmal, bei einer viertägigen Tour in der Nähe von Innsbruck, geriet die kleine Laura mit ihrer Familie in ein Gewitter. Sie sagte nur: „Endlich rührt sich einmal etwas.“ In Südkorea war es kein Gewitter, sondern der Wind, der ihrer Vision im Weg stand. Sie bändigte ihn, setzte alle zehn Schuss ins Ziel und siegte. Meierhofer sah das Rennen „von der ersten bis zur letzten Sekunde“. In dem Augenblick, als klar war, dass die Biathletin des SC Partenkirchen Deutschlands erste Goldmedaille gewonnen hat, klingelte bei SCP-Präsident Michael Maurer das Handy. Klaus Gronewald, Moderator bei Eurosport, meldete sich. Ein paar Stunden später saßen Maurer und Konni Winkler, einer von Dahlmeiers ersten Langlauf-Trainern, auf der Studio-Couch in Unterföhring. Winkler erzählte dort von der kleinen Laura, die Magdalena Neuners Empfang nach ihrem Sieg bei der Junioren-WM verfolgte. Sie sagte zu ihrem Trainer:„Konni, da oben möchte ich auch einmal stehen.“

Auch Maurer stand im größten Moment ihrer Karriere. Daheim im Wohnzimmer. Am liebsten verfolgt er die Rennen alleine. Sie enden oft im Schweiß und im Freudentaumel. Manchmal schreit Maurer auch. Aber nur, wenn die Laura nicht trifft. Seine Frau flüchtete zur Schwiegermutter. „Sie war froh, dass sie nicht da war“, scherzt der SCP-Boss. Bei der Verfolgung am heutigen Montag (11.10 Uhr) bricht er mit der Gewohnheit. Der ganze Skiclub feuert gemeinsam im Olympia-Haus im Skistadion an. Maurer lädt alle ein – auch Bürgermeisterin und Landrat. Meierhofer muss allerdings absagen. Es warten andere Termine. Über einen Empfang für Laura Dahlmeier möchte Maurer mit ihr aber heute schon einmal sprechen. Ein Banner ist bereits in Arbeit. Das Schwierigste, sagt der Skiclub-Chef, sei es, einen passenden Termin zu finden. Maurer ist auch überzeugt: Es bleibt nicht bei einer Medaille. „Zwei weitere können’s noch werden.“ Maurer ist bereits jetzt an einem Punkt angekommen, an dem er sagt: „Mir gehen die Superlative aus.“

Hier geht‘s zum Olympia-Live-Ticker.

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