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Enster Sieger, fairer Verlierer: Axel Doering (l.) von Nolympia erwartet die Gratulation von Christian Neureuther

Olympia 2022

Doering: „Wir sind alle Sieger“

Garmisch-Partenkirchen – Die Menschen in Garmisch-Partenkirchen haben mehrheitlich Nein zu Olympia gesagt. Für die Befürworter einer Bewerbung um die Winterspiele 2022 kommt dieses Ergebnis einem Debakel gleich. Damit dürfte das Thema für immer und ewig gestorben sein.

Der Sieger riss seine Arme nicht in die Höhe, machte keinen Jubelsprung: Axel Doering ist kein Mann, der seine Emotionen zur Schau stellt – schon gar nicht, wenn sie jeder von ihm erwartet, elektronische Kameras auf ihn gerichtet sind und er im Blitzlichtgewitter steht. Doering freute sich um 19 Uhr eher leise und in seinem Innersten. Nur ab und zu huschte über sein Gesicht ein breites Grinsen. Dabei kann sich der Sprecher des Netzwerks NOlympia als großer Triumphator fühlen, weil seine Kampagne gegen eine Bewerbung von Garmisch-Partenkirchen mit München und den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land um die Olympischen Winterspiele 2022 auch in seinem Heimatort von Erfolg gekrönt war. 51,56 Prozent oder 6065 der Bürger der Marktgemeinde stimmten dagegen, 48,44 Prozent (5697) dafür. Christian Neureuther, neben Franz Reindl und Heinz Mohr eines der Gesichter von OlympiJa, zeigte sich in der Stunde der Niederlage als fairer Verlierer, als er Doering die Hand entgegenstreckte und ihn „einen klaren Sieger“ nannte. Die Antwort des pensionierten Försters: „Heute sind wir alle Sieger, weil wir Olympia nicht bekommen.“ Zuvor hatte Neureuther deutlich gemacht, dass er sich trotz der Pleite nicht in den Schmollwinkel zurückziehen wird. „Ich werde weiter für Garmisch-Partenkirchen arbeiten, damit wir unseren Ort weiterbringen. Es gibt nach wie vor Visionen.“

Bilder aus Garmisch-Partenkirchen

Olympia-Bürgerentscheid: Bilder aus Garmisch-Partenkirchen

Im Foyer des Rathauses, in dem die Befürworter in der Überzahl und die führenden Köpfe aller politischen Parteien in der Marktgemeinde vertreten waren, stellte sich gedrückte Stimmung ein, als der erste ausgezählte Stimmbezirk auf dem Bildschirm erschien, der auf einen Erfolg der Gegner hindeutete. Und die Depression steigerte sich, je mehr sich das Resultat verfestigte. Auch Bürgermeister Thomas Schmid (CSB) konnte seine Enttäuschung nicht verbergen: „Ich persönlich glaube, dass es unsere letzte Chance war, Winterspiele zu bekommen. Ich hätte mir ein anderes Ergebnis gewünscht.“

Der Ticker zum Nachlesen

Die Mehrheit der Bürger war allerdings Doering, NOlympia und deren Argumenten gefolgt. Die Knebelverträge, mit denen das Internationale Olympischen Komitee die Bewerberstädte gängelt, und die Folgen für Garmisch-Partenkirchen haben Doering zufolge den Ausschlag gegeben. „Die Bürger wollten nicht in Lärm, Staub und Dreck ersticken. Ich bin mir sicher, dass uns 2026 nach diesem Ergebnis erspart bleibt.“

Den Gegnern in die Hände gespielt hat zudem die ablehnende Haltung der Deutschen gegen Großprojekte und Großveranstaltungen. Was mit dem Bahnhof-Projekt Stuttgart 21 einen Höhepunkt erlebte, fand jetzt eine Fortsetzung in den Bewerberorten, wo alle Bürgerentscheide contra endeten. Dass dieser Trend auch vor Garmisch-Partenkirchen nicht Halt gemacht hat, bedauert Neureuther, der als Sportler gelernt hat, mit Niederlagen umzugehen und mit ihnen zu leben. „Olympia hätte ein Leuchtturm-Projekt sein können, das unserem Ort viel gebracht hätte.“ Neureuthers Folgerung aus dem Ergebnis, die Gegner müssten jetzt Vorschläge machen, wie die Probleme Garmisch-Partenkirchens ohne Olympische Spiele zu lösen sind, wollte Doering allerdings nicht folgen. „Wir sind NOlympia, keine Politiker. Damit muss sich der Gemeinderat auseinandersetzen.“

Peter Reinbold

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