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Der künftige Herr der Ringe? Was eine Wahl von Thomas Bach zum IOC-Präsidenten für einen zweiten Anlauf Deutschlands für Olympische Winterspiele bedeuten würde, ist derzeit reine Spekulation.

Neuer Anlauf für Winterspiele?

Olympia 2022: Die Wochen der Vorentscheidungen

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Garmisch-Partenkirchen - Tokio ist Schauplatz der Sommerspiele 2020. Hat das klare Votum des IOC aber Folgen für eine mögliche deutsche Bewerbung mit Garmisch-Partenkirchen für Olympia 2022? Wohl kaum. Dafür könnte es in den nächsten Tagen wichtige Weichenstellungen geben.

Gebannt blickt die Münchner Delegation auf einen Monitor. Anspannung, Nervositiät und Stille, als der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Jacques Rogge, das weiße Kuvert öffnet – und das Kärtchen mit der Aufschrift „Rio de Janeiro“ in die TV-Kameras hält. Das war im Oktober 2009, im Bella Center zu Kopenhagen. Brasilien erhielt den Zuschlag für Olympia 2016. An der Copacabana begann eine Riesen-Party, und in München herrschte große Freude. Durch das Votum des IOC glaubten vor allem Politiker, Rückenwind für die deutsche Bewerbung um die Winterspiele 2018 zu spüren. Heute ist bekannt: Es hatte keinen Einfluss auf die Entscheidung im Sommer 2011 im afrikanischen Durban – Deutschland scheiterte mit einem desaströsen Ergebnis.

Indes nicht alle Beteiligten scheinen aus der Vergangenheit auch gelernt zu haben. Der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) frohlockt schon wieder über angeblich gestiegene Chancen. „Sie hat auf den Winterzyklus keinen Einfluss. Das sind zwei verschiedene Paar Schuhe“, betonte dagegen der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB), Thomas Bach, in der Lobby des Hilton Hotels. Natürlich ist eine Verbandsdelegation zu der Session des IOC in Argentinien aufgebrochen, aber im Gegensatz zu 2009 gibt es derzeit nicht mal eine Bewerbungsgesellschaft, die Präsenz zeigen könnte.

Statt dessen richtet sich das Augenmerk auf Ereignisse, die Einfluss auf eine Kandidatur von München, Garmisch-Partenkirchen, Ruhpolding, Reit im Winkl und Königssee haben dürften.

Erstens: ein Referendum in Oslo. Die norwegische Hauptstadt gilt als härtester Konkurrent im Falle eines deutschen Anlaufs. Bisher hat nur Almaty (Kasachstan) eine Kandidatur offiziell angemeldet, neben München und Oslo haben auch Barcelona (Spanien), Krakau (Polen) und Lemberg (Ukraine) Interesse bekundet; Barcelona kündigte nach der Niederlage Madrids für 2020 bereits an, unbedingt ins Rennen gehen zu wollen. Die Osloer stimmen noch am heutigen Montag über die Bewerbung ab. Nach einer Umfrage der Tageszeitung „Aftenposten“ sollen nur 38 Prozent der Bürger dafür sein. Norwegen könnte das nächste Land sein, in dem die Kandidatur an den Bürgern scheitert. Österreich und die Schweiz haben bereits aufgeben müssen. Axel Doering, Sprecher des Bündnisses NOlympia, zieht den Schluss, dass das Interesse an Winterspielen seit 40 Jahren nicht so gering gewesen sei wie jetzt. „Hoffentlich endet es nicht so, dass niemand Olympia haben will und wir es sofort bekommen“, sagt er mit einer Spur Sarkasmus. In München und Garmisch-Partenkirchen sowie in den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land sind Bürgerentscheide am 10. November geplant.

Zweitens: die Wahl des neuen IOC-Präsidenten. Bach gilt weiter als Favorit für das Amt. Ob seine Wahl Folgen für eine deutsche Bewerbung haben könnte? Es gibt Interpretationen für Pro und für Contra – also reine Spekulation.

Drittens: eine Tagung des DOSB am 30. September in München. Noch steht nicht fest, ob sich die Sportverbände überhaupt hinter eine neue Bewerbung für Winterspiele stellen. Den Grundsatzbeschluss sollen die Vertreter bei dieser Tagung fassen. Der Sprecher der Wintersportverbände, der einflussreiche Skiverbands-Präsident Alfons Hörmann, wirbt seit Monaten um Unterstützung; doch vor allem nach Olympia 2012 in London wurden die Begehrlichkeiten für Sommerspiele groß. Manche träumen von einem Sommermärchen.

Zum Zeitpunkt der DOSB-Tagung wird auch feststehen, welche Parteien in Bund und Freistaat regieren – und ob die notwendige geschlossenen Rückendeckung der Politik zu erwarten ist. Im Wahlkampf jedenfalls wird das heikle Thema fast totgeschwiegen.

Sollten Sport und Politik im September die Weichen für eine neue deutsche Bewerbung stellen, stimmen am 10. November die Bürger in den beteiligten Kommunen ab. Bis dahin muss das Konzept reif für die Abstimmung sein – und den Wählern schmackhaft gemacht werden. Längst finden regelmäßig geheime Arbeitskreistreffen statt. Das Büro Albert Speer und Partner treibt wie beim ersten Anlauf die Pläne voran. Und es finden Gespräche mit Sponsoren und Unterstützerkreisen statt; in München etwa werben die Brauereien schon auf Plakatwänden für die „Heimspiele“. NOlympia-Sprecher Doering schwant : „Ich fürchte, die Befürworter werden uns vor dem Bürgerentscheid mit Werbematerial überfluten.“

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