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Die Gebühren für die Flächen im Olympia-Eissportzentrum sind bereits erhöht. Allein dabei wird es wohl nicht bleiben. Die Gemeindewerke überprüfen jeden Posten.

Olympia-Eissportzentrum: Alles auf dem Prüfstand

Nach Preissteigerungen kommen weitere Änderungen

Garmisch-Partenkirchen - Alles steht im Olympia-Eissportzentrum in Garmisch-Partenkirchen auf dem Prüfstand. Nach den Preiserhöhungen müssen sich Nutzer auf weitere Änderungen einstellen. 

Einfach alles dichtmachen. Das ganze Eisstadion zusperren. „Das wäre definitiv die billigste Lösung.“, sagt Jürgen Winter. Aber: Das will ja niemand. Auch das betont der Kaufmännische Leiter der Gemeindewerke. Ebenso wenig wie jemand Halle 2 schließen will – was man den Werken ja gebetsmühlenartig unterstellt, was diese ebenso gebetsmühlenartig dementieren.

Vielmehr arbeiten die Verantwortlichen nach eigener Aussage daran, das Geschäft mit der defizitären Anlage anzukurbeln. Das heißt: Weitere Änderungen stehen an.

Umgesetzt sind bereits höhere Gebühren, beschlossen sind reduzierte Publikumslaufzeiten. Darüber hinaus ist noch nichts fix, diskutiert aber wird jedes Detail. „Es gibt keine Garantie, dass alles so bleibt“, betont Winter. „Alles kommt auf den Prüfstand.“ Aussagen wie diese verunsichern die Nutzer. Vor allem, weil sie sich ohnehin miserabel informiert fühlen. Und weil sie noch die Kostensteigerung zum 1. Januar 2016 verdauen müssen.

Die Gemeindewerke haben die Preise von 140 auf 165 Euro pro Stunde Eiszeit erhöht. Im Sommer kommt ein Zuschlag von 30 Prozent dazu. Aber 30 Prozent wovon? Ab wann gilt er? Und bis wann können die Teams Halle 2 überhaupt nutzen?

Sechs Wochen bleibt Halle 2 geschlossen

Manchmal hat Jürgen Winter nur „zwei oder drei Besucher“ gezählt, die während der Publikumslaufzeiten ihre Runden im Olympia-Eissportzentrum gedreht haben. Darauf reagiert der Kaufmännischen Leiter der Gemeindewerke: Statt täglich werden die Zeiten im Sommer nur mittwochs, freitags und sonntags von 14 bis 16 Uhr angeboten.

Fragen, die Thomas Steinle, der unter anderem für Torpedo Garmisch auf dem Eis steht, nach eigener Aussage immer wieder den Verantwortlichen gestellt hat – und kaum Antworten bekam. Ein paar gibt Anna Michailoff, Abteilungsleiterin Eisstadion, auf Tagblatt-Anfrage: Der Sommerzuschlag wird nicht, wie gedacht, auf 165, sondern auf 140 Euro berechnet. Eine gute Nachricht. Weniger erfreulich: Statt vier, wie von den Teams erhofft, bleibt Halle 2 sechs Wochen geschlossen, von 13. September bis 31. Oktober. Diese Daten stehen also. Ab wann aber der Sommerzuschlag gilt, das weiß auch Michailoff nicht.

Erst mit dieser Information können die Teams exakt kalkulieren, wie viel sie eine Saison kostet. Ein Rechenbeispiel für 40 Einheiten à 75 Minuten, davon neun im Sommer, ergibt gut 8440 Euro pro Saison – statt bisher 7000 Euro. Macht bei 14 festen Zahlern, die sich etwa bei Torpedo Garmisch beteiligen, Mehrkosten von 107 Euro pro Mann. Steinle hat von einigen gehört: „Wird es noch teurer, kommen sie nicht mehr.“ Michael Knye aus Farchant, der bei den Burgrain Tigers spielt, sagt: „Wegen der Kosten fallen junge Leute weg.“

Das hofft Andrea Hanke zu vermeiden. Die Vorsitzende der Abteilung Eiskunstlauf treffen die Erhöhungen (von 5 Euro pro Sportler und Training auf 5,70 Euro im Winter und 6,50 Euro im Sommer) hart. „Das ist Wahnsinn.“ Sie sieht nur einen Ausweg, um die zwei Clubtrainings pro Woche zu finanzieren: höhere Mitgliedsbeiträge.

"Wir tragen die Erhöhung mit"

Die Erhöhung schmerzt viele. Doch spricht Knye für die meisten Betroffenen, wenn er sagt: „Wir tragen sie mit.“ Zumal die Preise zuletzt 2012 stiegen, davor 2007.

Das eigentliche Problem, das Knye wie Steinle anprangert, ist die Informationspolitik. Davon ist auch in einem offenen Brief zu lesen, den Knye und Mitstreiter dem Landrat und den Aufsichtsräten der Werke zukommen lassen wollen. Darin kritisieren sie die Entwicklung im Eisstadion im Allgemeinen und die „Undurchsichtigkeit und Intransparenz der Gemeindewerke“ im Besonderen.

Unter anderem stören sich die Verfasser an offiziellen Aussagen, die nicht der Wahrheit entsprechen. So ist stets von einer Erhöhung um 15 Prozent die Rede – tatsächlich aber geht es um knapp 18 Prozent. Eine Feinheit, die zum Unmut beiträgt. Zumal die Nutzer erst im Dezember von der Erhöhung erfuhren. Via Aushang im Stadion beziehungsweise aus der Zeitung.

Betroffen hat sie so gut wie jede der rund 30 Hobbymannschaften: Im Vertrag steht, dass es zu Preissteigerungen kommen kann. Rechtlich also alles einwandfrei. „Aber einfach keine Art“, urteilen Steinle und Knye unisono.

Preissteigerung während der Saison soll es nicht mehr geben

„Das wurde tatsächlich sehr kurzfristig entschieden“, räumt Michailoff ein. Konkret zwei Wochen vor Inkrafttreten, am 14. Dezember 2015. Auch Winter bestätigt, dass das nicht optimal gelaufen sei. Zu viel Kritik aber lässt er nicht gelten. Immerhin hätten Mitarbeiter die Nutzer seit langem wiederholt darauf hingewiesen, dass mit einer Teuerung zu rechnen sei. „Davon sollte niemand wirklich überrascht worden sein.“

Dennoch habe man daraus gelernt: Eine Erhöhung während der Saison „wollen wir künftig vermeiden“. Dass weitere kommen, scheint sicher. Mittelfristig, unter Umständen schon ab Winter 2016, „sind erneut Anpassungen denkbar“. Noch aber, das betont Winter immer wieder, sei nichts beschlossen.

Das gilt auch für die Buchung – wieder so Gedankenspiele, die für Unmut sorgen. Winter schwebt ein neues System vor. Unter Umständen kann das Eis dann nurmehr im festen Zeit-Rhythmus gebucht werden. Was Winter ausdrücklich dementiert: Dass die Spieler die zehn Minuten Eisbereitung bezahlen. Aktuell buchen die Teams etwa 75 Minuten Eis, belegt ist die Fläche de facto 85 Minuten. Künftig sollen die Sportler auch 85 Minuten buchen, bezahlen aber nicht mehr. „Allein durch diese Umstellung wird’s nicht teurer.“ Sie habe rein organisatorische Gründe.

Zumindest diese Nachricht dürfte die Nutzer erfreuen. Wenn sie auch eine Tatsache nicht verbessert: „Wir können nicht planen.“ Steinle fordert schwarz auf weiß, was sich wann ändert. „Ich muss das doch besprechen“, bevor er im Sommer einen neuen Saisonvertrag unterschreibt. „Von den Werken muss was kommen. Und zwar schnell.“

Winter bittet um Geduld. Man suche nach Lösungen – bei denen unter Umständen noch nachgebessert wird. 2016/17 hat er zur „Probephase“ erklärt. „Für 2017/18 hoffe ich dann, dass alles läuft."

Katharina Bromberger

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