+
Neuerscheinung: Buchhändler Michael Leismüller präsentiert die Dokumentation.

Dokumentation zur Olympia-Ausstellung „Die Kehrseite der Medaille“

Ein Buch über die „Tarnkappen-Spiele“

Garmisch-Partenkirchen - Es war ja auch Zeit. Endlich ist zur Ausstellung „Die Kehrseite der Medaille“, die ein besonders heikles Thema der Garmisch-Partenkirchner Geschichte behandelt, nämlich die NS-Politisierung der IV. Olympischen Winterspiele 1936, der dazu gehörige Katalog erschienen.

Die Schau war zunächst anlässlich der Alpinen Ski-Weltmeisterschaft 2011 im Garmischer Kurhaus gezeigt worden, ehe sie an die historische Sportstätte umzog. Mit Originaldokumenten, erläuternden Texten, großen Bildern und einigen Schaustücken hat man sich sehr intensiv damit befasst, wie 1936 die beiden Seiten der Winterspiele aussahen: einerseits die sportliche und organisatorische Faszination der Spiele, andererseits aber auch deren Funktion als Deckmantel für eine brutale Diktatur: „Sie bediente sich des Sports zu Propagandazwecken“, sagt Initiator und Ortshistoriker Alois Schwarzmüller. „Die Unterdrückung der politischen Gegner, die Drangsalierungen, Demütigungen und Entrechtungen der deutschen Juden, Vorstufen auf dem Weg zum Holocaust, gingen jedoch ebenso weiter wie die hinter den sportlichen Kulissen vorangetriebene Aufrüstung und Militarisierung der deutschen Gesellschaft.“ Eine nahezu perfekte Organisation, Logistik und Wettkampfgestaltung, eine Fülle von neuen Bauten und aufwändigen Kampfstätten taten das ihre, um 1936 das Bild eines friedlichen Deutschlands zu illustrieren.

„Lange wurde alles überdeckt vom Strahlenkranz der Olympischen Spiele“, verdeutlicht Schwarzmüller. „Zehn Tage lang wurde den Leuten in Garmisch-Partenkirchen die perfekte Sportleridylle vorgegaukelt, doch zur selben Zeit ermordeten Nazis Juden und Regime-Gegner in ganz Deutschland.“ Als „wunderbares Wintermärchen“ habe es 1931 mit dem Zuschlag an Berlin und von dort aus an Garmisch-Partenkirchen begonnen, doch hinter den Kulissen der Spiele habe die Wahrheit anders ausgesehen, „Tarnkappen-Spiele“ nennt sie Schwarzmüller. „Der Schnee war weiß, die Maske braun und überall gab es Schilder ,Juden unerwünscht‘, die zwar während der Wettbewerbe abgehängt und versteckt wurden, danach jedoch wieder erschienen.“

Seit die Ausstellung eröffnet wurde, gab es immer mal wieder Fragen nach einem Katalog. Jetzt ist er im Buchhandel erschienen. Wer das üppig bebilderte und fundiert geschriebene Buch durchblättert, der findet eine treffliche Ergänzung zur Ausstellung. Das umfassende 196-seitige Buch enthält neben allem, was die Ausstellung im Skistadion zeigt, einige zusätzliche Details. Der Hardcover-Band, den die Marktgemeinde herausgegeben hat, wurde im Übrigen vor allem durch eine finanzielle Zuwendung der gebürtigen Garmisch-Partenkirchnerin Dr. Gabriele Rüdiger ermöglicht, schreibt Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) in ihrem Vorwort. Rüdiger selbst weist offen darauf hin, dass sie eine Enkelin des NS-Staatssekretärs Dr. Hans Pfundtner sei, der bei Olympia 1936 selbst dem Organisationskomitee angehörte.

Die Texte des höchst empfehlenswerten Werkes sind jene, die zur Ausstellung bereits geschrieben wurden. Die Autoren sind Josef Ostler, Peter Schwarz, Alois Schwarzmüller und Gemeinde-Archivar Franz Wörndle, die ihre Ausführungen jetzt überarbeitet, ergänzt und erweitert haben.

Wolfgang Kaiser


Die Dokumentation

zu „Die Kehrseite der Medaille“ im Olympia-Skistadion von Garmisch-Partenkirchen ist im örtlichen Buchhandel (ISBN 978-3-00-054096-7) und direkt in der Ausstellung für 16,90 Euro erhältlich

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Maschine in Wohnung fängt Feuer: rund 50.000 Euro Schaden
Schreck am Abend: In einem Mehrfamilienhaus in Garmisch-Partenkirchen hat es gebrannt. Schuld war eine Maschine. 
Maschine in Wohnung fängt Feuer: rund 50.000 Euro Schaden
Er spielte Hilfspolizist: Strafe für renitenten Rentner
Er hielt eine Autofahrerin an, um ihr angebliches Verhalten zu ahnden. Das brachte einen Franken vor Gericht. 
Er spielte Hilfspolizist: Strafe für renitenten Rentner
Oberau diskutiert Leinenpflicht 
Kot in den Wiesen, uneinsichtige Herrchen oder wildernde Hunde: Oberaus Jäger und Landwirte haben die Schnauze voll. Sie fordern eine Leinenpflicht.
Oberau diskutiert Leinenpflicht 
Tobias (4) rettete seine Oma - und ist trotzdem traurig
Mit seinen Eltern hatte ein Vierjähriger aus Saulgrub geübt, was er in einem Notfall tun soll. Im Oktober kam es zum Ernstfall - und der Bub wurde zum bravourösen …
Tobias (4) rettete seine Oma - und ist trotzdem traurig

Kommentare