Olympia: Spekulationen über zweiten Anlauf erhalten neue Nahrung

Garmisch-Partenkirchen - Die Bewerbung für die Olympischen Winterspiele im Jahr 2018 ist (fast) abgehakt. Kaum noch jemand, der nach dem offiziellen Teil der Abschlussveranstaltung im Alten Rathaussaal in München darüber gesprochen hätte. Der Blick in den Zirkeln richtet sich nach vorne.

Wird es eine zweite Bewerbung von München, Garmisch-Partenkirchen und dem Berchtesgadener Land geben? Und wenn ja, wann wird es Deutschland erneut wagen? Viel Raum für Spekulationen.

Das Gesicht der Bewerbung 2018: die Kuratoriumsvorsitzende Katarina Witt.

Zwei wesentliche Beteiligte sind sich einig: der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) und der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Thomas Bach. Beide sind von dem Konzept für 2018 weiterhin fest überzeugt, beide denken an eine zweite Bewerbung, beide vermeiden es aber, eine Jahreszahl zu nennen, und beide mahnen, dass eine zweite Bewerbung sehr sorgfältig abgewogen werden müsse.

Von den Protesten und den Widerständen, die dem Vorhaben vor allem im Landkreis Garmisch-Partenkirchen zu schaffen gemacht hatten, war an diesem festlichen Abend keine Rede mehr. Von Auseinandersetzungen im Oberland in der Zukunft auch nicht.

Stattdessen diskutierten die Gäste in kleinen Runden über den - richtigen - Zeitpunkt. Wenn die Bewerber wirklich von ihrem bestehenden Konzept überzeugt sind, meinte ein Beobachter, dann müsse Deutschland sich bereits wieder für die Spiele 2022 bewerben. Den nächsten Anlauf so früh zu wagen, freilich mit dem Risiko einer erneuten Niederlage, sei strategisch zwingend erforderlich, erklärte ein anderer. Denn es sei dem IOC kaum zu vermitteln, dass ein Konzept, das in den Jahren von 2009 bis 2011 für Olympia 2018 erstellt wurde, für die Spiele 2026 gut genug sei. Offiziell will sich aber niemand so weit aus dem Fenster lehnen.

Der Zeitplan ist nun denkbar komplex – und spricht eigentlich gegen eine Kandidatur für 2022. Die Bewerbung müsste im Herbst 2013 beim IOC angemeldet werden, wohl im Oktober. Im September aber finden die Landtagswahlen statt; Ude tritt aller Voraussicht nach als Spitzenkandidat der SPD an. Zu der Zeit dürfte auch der Deutsche Bundestag gewählt werden. Beide Parlamente müssten die volle politische Unterstützung bekunden.

Ebenfalls erst im Jahr 2013 dürfte feststehen, wer den Zuschlag für die Spiele im Sommer 2020 bekommt. Die Entscheidung über die Gastgeberstadt erachten die DOSB-Strategen für wichtig: Sollte es einer der europäischen Bewerber sein, sei die Chance für Winterspiele zwei Jahre später auf dem selben Kontinent gering.

Aus sportpolitischer Sicht ist außerdem im September 2013 ein bedeutender Termin geplant: Im argentinischen Buenos Aires wählt das IOC den Nachfolger von Präsident Jacques Rogge. Thomas Bach werden große Ambitionen auf dieses Amt nachgesagt.

Ein Blick auf das Frühjahr 2014 macht die Lage nur noch etwas unübersichtlicher: Dann stehen im Freistaat die Kommunalwahlen an. Sowohl in Garmisch-Partenkirchen als auch in München ist dabei der Bürgermeister zu wählen. In der Marktgemeinde hat sich Thomas Schmid (CSB) offiziell bislang nicht erklärt, ob er ein drittes Mal antreten will. In der Leshauptstadt darf der Amtsinhaber Ude aus Altersgründen nicht mehr kandidieren; ob sich sein Nachfolger gleich auf eine Olympia-Bewerbung einlassen möchte, zumal die Grünen einen zweiten Anlauf entschieden ablehnen, ist fraglich. Und niemand wird dieses brisante Thema in seinem Wahlkampf wollen.

Christian Ude hat bereits „zeitnah“ ein Signal des DOSB erbeten, ob die deutschen Sportverbände eine erneute Kandidatur für Winterspiele geschlossen unterstützen würden. Auch ein Bürgervotum hat er ins Gespräch gebracht. Thomas Schmid fordert einen Entscheid in Garmisch-Partenkirchen unbedingt.

Möglicherweise würden sich viele Spekulationen dann von selbst erledigen.

Matthias Holzapfel

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