Olmpia dahoam: Das hatten sich viele Menschen gewünscht. Unser Foto zeigt einen Holzschnitzer in Tracht – der am Kragen geschnitzte Olympische Ringe trägt.

Ein Jahr nach der Absage für Winterspiele

Olympia 2018: Diese Baustellen bleiben offen

München - Aus und vorbei: Vor einem Jahr platzten Münchens Hoffnungen auf Olympia 2018. Seither liegt so manches Projekt brach. Viele träumen nun von einer neuen Bewerbung für künftige Winterspiele – um Olympia endlich nach Oberbayern zu holen.

Drei Jahre dauerte der Bewerbungsmarathon. Dann kam die Absage – eine niederschmetternde Nachricht vom Internationalen Olympischen Komitee: Es ist der 6. Juli 2011, 17.18 Uhr, als Präsident Jacques Rogge im südafrikanischen Durban verkündet: Die Winterspiele 2018 gehen an ... Pyeongchang in Südkorea! München und Garmisch-Partenkirchen sind raus. Ex-Kufenstar Katarina Witt, Frontfrau der Bewerbergesellschaft „München 2018“, fängt an zu weinen. Das war’s also. Heute, ein Jahr danach, sind die Wunden geleckt – und es keimt neue Hoffnung. Vielleicht wird’s ja was im Jahr 2022? Oder 2026? Oder 2030? Christian Ude (SPD), Münchens Oberbürgermeister, glaubt jedenfalls, dass es zu einem dieser Termine klappen könnte. Bis dahin ist aber noch viel Zeit – und eine Garantie gibt es nicht. Umso schlimmer, dass seit der Absage für 2018 viele Projekte brachliegen. Die Politiker hatten viel versprochen – und nach der Schlappe in Durban nicht mehr viel gehalten. Ein Blick auf die sprichwörtlich größten Baustellen.

Kramertunnel

Im Juli 2010 rückten sie an, der Ministerpräsident und sein Kabinett. Eine Kapelle spielte den Bayerischen Defiliermarsch, und Horst Seehofer gab den Startschuss für den Kramertunnel – eine 3,6 Kilometer lange Umfahrung des Ortsteils Garmisch. Lokalpolitiker drängten sich um den CSU-Vorsitzenden, auch viele Anwohner waren gekommen, unter ihnen Hans Sedlmaier. An seiner Trachtenjoppe trug er das gelbe Wapperl einer Bürgerinitiative pro Tunnel. „Dass ich das noch erleben darf“, sagte Sedlmaier – die Planungen für den Tunnel hatten ja schon vor gut 40 Jahren begonnen. Doch erst die Aussicht auf Olympia 2018 sollte das Endlos-Projekt entscheidend voranbringen; bis 2017 sollte der Tunnel fertig sein. Nun aber wird die Baufirma schon im Herbst abziehen. Was zurückbleibt, sind riesige Krater und eine hässliche Baustelle. Den entscheidenden Durchbruch hat es nie gegeben – dafür müsste der Bund mehr als 100 Millionen Euro für die Hauptröhre bereitstellen: für den sogenannten „Maria-Tunnel“, benannt nach der Patin, der Skirennläuferin Maria Höfl-Riesch. Wann sich also der Verkehr nicht mehr Wochenende für Wochenende durch Garmisch staut, bleibt offen.

Jubel in Pyeongchang, Trauer und Ernüchterung in Bayern: Reaktionen auf die Olympia-Entscheidung

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Sporthallen

Für die Winterspiele 2018 sollten im Olympiapark München zwei neue Mehrzweckhallen entstehen. Kosten: 118 Millionen Euro. Doch von den großen Plänen ist nicht mehr viel übrig. Zwei Hallen wird es nicht geben, höchstens eine Arena für 7500 Zuschauer – und ob die gebaut wird, bleibt fraglich. 50 oder 60 Millionen müsste die Stadt dafür hinlegen. Ein Risiko, wenn man bedenkt, dass die Zukunft der beiden potenziellen Mieter in den Sternen steht: So drohte dem klammen Eishockeyclub EHC München jüngst die Pleite, bis der neue Sponsor Red Bull dem Verein zu Hilfe kam. Und wie sich die Zuschauerzahlen bei den Basketballern des FC Bayern entwickeln, das weiß auch keiner. Daher soll also erst einmal eine Bestandsaufnahme gemacht werden: Wie viele Sportstätten braucht man wirklich? Der Olympiapark hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Demnächst will Geschäftsführer Ralph Huber mit einem Initiativkreis bei den Sommerspielen in London vorstellig werden. Für August ist im Deutschen Haus ein München-Abend geplant. Das Thema: 40-jähriges Jubiläum der Sommerspiele von 1972. „Wir wollen auf uns aufmerksam machen“, sagt Olympiapark-Sprecher Arno Hartung. Der Park will die Spiele – egal wann. Er würde in jedem Fall profitieren. Das Gelände ist in die Jahre gekommen, der Sanierungsbedarf ist groß.

Olympia 2018: Weitere Bilder aus Durban und Bayern

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Bahnstrecke

Wer zwischen München und Garmisch-Partenkirchen mit der Bahn fährt, braucht vor allem eines: viel Zeit – und noch mehr Geduld. Gut 80 Minuten dauert diese Reise. Da hilft es auch nicht, dass Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) sich gern selbst lobt, dass er den Ausbau der Schienenverbindung auch ohne Olympia-Zuschlag gesichert habe. Rund 50 Millionen Euro werden bis 2013 in die Strecke investiert. Geplant ist ein massiver Ausbau der Bahnhöfe. Und: Die Deutsche Bahn AG will in moderne Bombardier-Triebwagen investieren. Damit soll die Fahrzeit auf, nun ja, immerhin 70 Minuten sinken. Es bleibt die Hoffnung, dass sich „kleine Verspätungen nach dem Umbau leichter abbauen lassen“, wie Norbert Moy sagt. Er ist Vorsitzender des Regionalverbandes Oberbayern im Fahrgastverbund Pro Bahn. Mit Olympia 2018 wären die Aussichten besser gewesen.

Bilder der TV-Show für Olympia 2018

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Olympisches Dorf

Mehr als 1300 Athleten-Wohnungen hätten an der Dachauer Straße in München entstehen sollen – dort, wo heute das Verwaltungszentrum der Bundeswehr steht. Kosten: 173 Millionen Euro. Die Landeshauptstadt hat Wohnungen bitter nötig, doch derzeit herrscht bei dem Vorhaben „absolute Funkstille“, wie OB Christian Ude sagt: „Ich sehe keine Verkaufsabsicht des Bundes.“ Trotz Wegfalls der Wehrpflicht bestehe der Bedarf für die Flächen, heißt es bei der Bundeswehr – zumindest so lange, bis das Karrierecenter der Bundeswehr, das das Kreiswehrersatzamt Ende November ersetzt, ab 2020 einen neuen Standort gefunden hat. Im Grunde ist diese Entwicklung aber gut für München: Weil die Bundeswehr als Platzhalter fungiert, besteht kein Druck, das Gelände schon jetzt mit Wohnungen zu bebauen. Die Option, 2022 oder später ein Olympisches Dorf zu errichten, gibt es also weiterhin.

Gold-Rosi wird 60

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Hotelprojekte

In Garmisch-Partenkirchen diskutieren sie dieser Tage über Hotelbetten. Weil sie mehr davon brauchen, wie Tourismusdirektor Peter Nagel sagt. Exakt 2883 Hotelbetten stehen in seiner Statistik. „Überschaubar“, nennt es Nagel – vor allem im Vergleich zu anderen Orten. Immer wieder fordert er: Investoren müssen hier willkommen sein. Noch klappt es nicht so richtig. Mit Olympia 2018 hätte es geklappt. Das sagen die einstigen Befürworter der Bewerbung. Da hätte der Ort zwangsläufig seine Hotels bekommen. Die Gegner halten dagegen: Die Alpine Ski-WM 2011, sagen sie, habe doch auch kein neues Hotel gebracht.

Gold-Rosi wird 60

Kleidung für unsere Olympia-Stars ist da

Stammstrecke

Olympia 2018 galt als die Hoffnung für die S-Bahn. Erhält München den Zuschlag für die Winterspiele, würde auch Berlin Millionen für den Bau der zweiten Stammstrecke sprudeln lassen, spekulierte Bayerns Verkehrsminister Martin Zeil (FDP). Ob seine Taktik aufgegangen wäre, ist fraglich. Denn die zweite Stammstrecke war kein offizielles Olympia-Projekt – und wäre womöglich bis 2018 gar nicht fertig geworden. Mit dem Start der archäologischen Vorarbeiten auf dem Marienhof versuchten Bahn und Freistaat, dennoch Fakten zu schaffen. Das Ergebnis ist noch immer zu bestaunen: ein riesiges Loch. Womöglich wird die Fläche im nächsten Jahr wieder begrünt – zumindest vorübergehend. Denn die Finanzierung des derzeit größten bayerischen Verkehrsprojekts ist noch immer ungeklärt. Im Grunde hatte Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) das mindestens zwei Milliarden Euro teure Vorhaben schon beerdigt. Nach Protesten aus CSU und FDP versucht man nun die Wiederbelebung. Immer wieder wabern neue Finanzierungsideen umher. Der jüngste Vorschlag: Das Flughafen-Darlehen von Freistaat, Bund und Stadt über insgesamt fast 500 Millionen Euro soll angepackt werden. Weil sich das Projekt aber voraussichtlich weiter verteuert, stehen die Chancen für die zweite Stammstrecke schlecht.

Schick! Das sind die deutschen Outfits für Olympia 2012

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Ortsumfahrungen

Wanktunnel, Tunnel Oberau, Auerbergtunnel – die Liste der Tunnel für Ortsumfahrungen im Kreis Garmisch-Partenkirchen lässt aufhorchen. Für Olympia 2018 hätte man alles versucht, um die Wege frei zu machen. Aber so? Die Pläne für den 4,9 Kilometer langen Wanktunnel – die Umfahrung von Partenkirchen nach Mittenwald und Innsbruck – kommen bald in den Aktenschrank. Experten des Bundes werden das geschätzt 151 Millionen Euro teure Vorhaben prüfen und zurückgeben. Nicht mal das Planfeststellungsverfahren ist noch vorgesehen, an eine Finanzierung gar nicht zu denken. Ähnlich sieht die Situation beim Tunnel Oberau aus. Dabei hatte einst Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) gesagt: Oberau braucht die Umfahrung – mit und ohne Olympia. Nun haben die Menschen den Eindruck: „Die Politiker lassen uns im Regen stehen.“ Bürgermeister Peter Imminger sagt: Während der Bewerbung hätten Bundes- und Landespolitiker „hier einen Zirkus veranstaltet und der Bevölkerung Hoffnung gemacht“. Jetzt passiere nichts mehr – obwohl Baurecht für den rund vier Kilometer langen Abschnitt zwischen dem Ende der A95 und Garmisch-Partenkirchen besteht. Aber: Stillstand, bis der Bund rund 140 Millionen Euro für das Vorhaben bereitstellt. Während der Olympia-Euphorie wollte Herrmann auch für den 3,8 Kilometer langen Auerbergtunnel eine Million Euro bereitstellen. Hier geht es um den Ausbau nach dem Ende der A95 bei Eschenlohe bis zur Umfahrung Oberau. Natürlich sollte das insgesamt 100 Millionen Euro teure Projekt vor 2018 abgeschlossen sein. Jetzt sind noch nicht mal die Pläne fertig. Realistisch betrachtet gibt es keine Chance auf Finanzierung.

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Zukunftsvision

Olympia 2022? Oder später? Beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) herrsche „größte Zurückhaltung und Skepsis“, sagt OB Christian Ude. Zum jetzigen Zeitpunkt, so hatte der Verband im Dezember beschlossen, wolle man von einer Bewerbung 2022 absehen. Doch was passiert, wenn sich die Vorzeichen verbessern? Die USA, so wurde erst gestern bekannt, wollen auf eine Bewerbung 2022 verzichten. Als mögliche Kandidaten gelten derzeit Barcelona, St. Moritz, Lwiw (Ukraine) und Oslo. Weil sich München das zweite Mal bewerben würde, stünden die Chancen wohl gar nicht so schlecht – vorausgesetzt, die Sommersportverbände lassen sich überzeugen, und es finden sich politische Mehrheiten. Der Bewerbungsschluss für die Winterspiele 2022 naht: Er ist im Herbst nächsten Jahres. Man darf also gespannt sein.

Von Matthias Holzapfel und Matthias Kristlbauer

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