SPD vor Ort: Eberhard Senckenberg (l.), Leiter des Haupt- und Landgestüts Schwaiganger, wo die Langlauf- und Biathlon-Wettbewerbe stattfinden sollen, führt seine Gäste über das Gelände. Seinen Ausführungen folgen (v.l.) Michael Vogt und Jürgen Bühl (Olympia-Bewerbergesellschaft), Klaus Barthel, Martin Wohlketzetter, Elisabeth Maise-Ball, Martin Gerster, Sigrid Mayerhofer, Gabriele Fograscher, Michel Manlik, Axel Doering und Manfred Neupfleger (DGB). Foto: her

Olympische Winterspiele 2018: Kreis-SPD droht Zerreißprobe

Garmisch-Partenkirchen - Der Kreis-SPD stehen turbulente Zeiten bevor: Sie ist sich in der Frage, ob Garmisch-Partenkirchen zusammen mit München die Olympischen Winterspiele 2018 ausrichten soll, uneins.

Am Dienstag, 12. Oktober, droht den Genossen auf einer Kreisdelegiertenkonferenz im Gasthof Schatten in Garmisch-Partenkirchen eine Zerreißprobe: Dann nämlich sollen sie auf Antrag des Murnauer Ortsvereins zum Thema Olympia-Bewerbung Stellung beziehen und - wenn es nach den Murnauern ginge - sich gegen das Großereignis aussprechen. „Die Olympischen Spiele sind für unsere Region sowohl aus ökologischen als auch aus finanziellen Gründen abzulehnen“, schreibt Stefan Bues, Erster Vorsitzender des Ortsvereins, in dem Antrag.

Eine Prognose, wie die Abstimmung ausgehen könnte, wagt niemand abzugeben. „Die Stimmung ist schwer einzuschätzen. Ich hoffe, dass sich die SPD nicht überwirft“, sagt Kreisrat Axel Doering (Garmisch-Partenkirchen), der das Wintersport-Spektakel in seiner Heimat verhindern will. Er schätzt, dass unter seinen Parteikollegen die Olympia-Fans und -Kritiker ziemlich gleich stark vertreten sein dürften. Seine Kollegin in der Kreistagsfraktion, Sigrid Meierhofer (Garmisch-Partenkirchen), eine Befürworterin der Spiele, gibt sich optimistisch: „Die SPD hält sowas aus. Damit können wir umgehen.“

Doch möglicherweise ist alle Aufregung im Vorfeld der Versammlung umsonst. Denn so manch ein Parteistratege macht sich Gedanken, wie die von den Murnauer Genossen geforderte Kampfabstimmung umgangen werden kann. Die Delegierten könnten, so die Überlegung, beschließen, das heiße Eisen gar nicht erst anzupacken. „Wir zerfleischen uns ohne Not“, ist aus SPD-Kreisen zu hören. Die heikle Olympia-Frage müsse auf Kreisebene nicht entschieden werden, heißt es. Dies sei ausschließlich Sache der betroffenen Orte.

Das sieht freilich der Murnauer SPD-Mann Michael Manlik, ebenfalls Kreisrat, anders: Natürlich gehe Olympia den gesamten Landkreis etwas an, argumentiert er. Schließlich müssten beispielsweise alle Bewohner mit der Verkehrsbelastung klar kommen. Die Bürger erwarteten von der SPD eine klare Stellungnahme.

Die Olympia-Befürworter unter den Sozialdemokraten der Region können auf Unterstützung aus Berlin setzen. „Die SPD-Bundestagsfraktion sieht die Olympia-Bewerbung grundsätzlich positiv“, erklärte der Bundestagsabgeordnete Klaus Barthel am Montagabend auf einer Pressekonferenz in Großweil. Tagsüber war er zusammen mit seinen beiden Parteifreunden Martin Gerster (sportpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion) und Gabriele Fograscher (stellvertretende Sprecherin der SPD im Sportausschuss des Bundestages) durch den Landkreis gereist. Ihre Kernaussage: Es sei eine „nationale Aufgabe“, die Bewerbung zum Erfolg zu führen. Viele Kritikpunkte und Verbesserungsvorschläge seien inzwischen berücksichtigt worden, betonten sie. Die drei SPD-Abgeordneten sprachen mit Olympia-Planern und Kommunalpolitikern in Garmisch-Partenkirchen und Oberau, besuchten das Haupt- und Landgestüt Schwaiganger, wo die Langlauf- und Biathlon-Wettkämpfe stattfinden sollen, und hörten sich dort die Argumente der Olympia-Gegner an. Auf den Zwist an der Basis seiner Partei ging Barthel nur kurz ein: „Das müssen die selbst entscheiden.“ (as)

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