Im Winter 2006/2007 übernachtete Pfarrer Carsten Häublein (†) sogar im Wald, um vor der Strahlung zu fliehen. F.: Archiv

Opfer von Mobilfunkstrahlung?

Pfarrer in Ruhestand begeht Selbstmord

Oberammergau - Der Tod des früheren evangelischen Pfarrers von Oberammergau, Carsten Häublein, gibt Rätsel auf: Setzte er seinem Leben ein Ende, weil er massiv an Symptomen einer Elektrosensibilität litt?

Er klagte über ständiges „Dröhnen, Hämmern und Zischen im Kopf“, über „ein Vibrieren des ganzen Körpers“, über „Herzrasen und Luftnot“. Carsten Häublein (55) wollte, konnte nicht mehr - und hat jetzt selbst seinem Leben ein Ende gesetzt. Der frühere evangelische Pfarrer von Oberammergau, der 14 Jahre im Ammertal wirkte, ist tot. Einer, der ihn gut kannte aus Zeiten, als Häublein noch im Passionsdorf wohnte, ist Werner Funk: „Seine Schmerzen waren unerträglich, es war eine Verzweiflungstat. Er hat keinen anderen Weg mehr gesehen.“

Zuletzt lebte Carsten Häublein als Pfarrer im Ruhestand in einem kleinen Häuschen in Schleswig-Holstein. Dorthin war er im April 2009 gezogen, „um endlich beschwerdefrei leben zu können“, wie er zu seinem Abschied anmerkte. Drei Jahre zuvor, im Sommer 2006, waren in Oberammergau die Sendeanlagen für Mobilfunk umgerüstet worden. Was für den Geistlichen mit leichten Schlafstörungen und nächtlichen Hitzewallungen begann, steigerte sich im Laufe der Zeit immer mehr.

In seinem Pfarrhaus in der Theaterstraße hielt er „es fast nicht mehr aus“. Im Herbst 2006 klagte Häublein: „Ich werde gepeinigt von bisher nie gekannten Kopf- und Gelenkschmerzen, einem Taubheitsgefühl, Augenbrennen, Verlust der Konzentration, Beklemmung und Bluthochdruck.“ All diese Symptome führte der Seelsorger auf die Mobilfunkstrahlung zurück, „denn mein Pfarrhaus in Oberammergau wird seit rund zehn Jahren von vier Sendemasten auf einmal bestrahlt“. Zeitweise übernachtete er in der Sakristei seiner Kirche, im Keller, im Auto und sogar im Wald, um vor der Strahlung zu fliehen.

Die gesundheitlichen Beschwerden des Pfarrers nahmen schließlich so stark zu, dass er seinen seelsorgerischen Dienst nicht mehr verrichten konnte und ihn die evangelische Kirche daraufhin von den Verpflichtungen befreite.

Im Frühjahr 2009 zog Häublein nach Schleswig-Holstein in dünn besiedeltes und weitgehend strahlungsfreies Gebiet um. Dort offenbar erholte er sich sehr schnell, wie er einer Bekannten, die ihn öfter besuchte, erzählte. Dann jedoch, im Sommer vergangenen Jahres, verschlechterte sich der Gesundheitszustand des Geistlichen wieder dramatisch. Er führte dies auf die Einführung des LTE-Betriebs, der vierten Mobilfunkgeneration für schnellen drahtlosen Internetzugang, zurück. Die Symptome wurden für ihn offenbar immer unerträglicher, ehe er schließlich selbst seinem Leben ein Ende setzte. In einer Mail vom letzten Sommer an seine Bekannte, die Ärztin Dr. Cornelia Waldmann-Selsam von der Ärzte-Initiative „Bamberger Appell“ (gegen den weiteren Ausbau der Mobilfunknetze), beschrieb der 55-Jährige sein Leben als „Hölle auf Erden“ . . .

Ludwig Hutter

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