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Gratulation: Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe ehrt den Murnauer Andreas Steeger (l.) als Gewinner des Communitypreises.

Siegermotiv ohne erhobenen Zeigefinger

Sein Foto überzeugte: Murnauer gewinnt Organpaten-Preis 2016

Murnau - Die Organspende ist ein Thema, das polarisiert, aber auch oft verdrängt wird. Mit dem Organpaten-Preis will die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung die Auseinandersetzung damit noch stärker in die Öffentlichkeit bringen. Einer der Sieger 2016 ist der Murnauer Fotograf Andreas Steeger (52).

Acht Preisträger wurden in Berlin für ihre Entwürfe von Plakat- und Postkartenmotiven ausgezeichnet. In der Kategorie „Communitypreis“ hatte am Ende Steeger die Nase vorn. Der Preis ist mit 3000 Euro dotiert.

Der gebürtige Murnauer ist beruflich als Klinikfotograf im Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität in München tätig. Dabei hat er regelmäßig mit betroffenen Patienten und ihren Angehörigen zu tun. „Gleichzeitig habe ich bei Diskussionen in meinem Umfeld festgestellt, dass ein sehr großer Aufklärungsbedarf zum Thema Organspende besteht. Mit meinem Motiv möchte ich insbesondere Jugendliche zum Nachdenken bringen, ohne an das schlechte Gewissen zu appellieren“, erklärt Steeger.

Ganz in Weiß: Andreas Steegers Tochter Amber, 15, ist das Modell auf dem Plakat.

Zunächst sei ein Blickfang nötig, damit der Betrachter schon beim ersten Ansehen des Plakats „hängenbleibt“ und letztendlich die Botschaft bewusst aufnehme. „Der Appell ,Na und! Ich schenk’ mein Herz wem ich will!’ will sagen ,Na und! Ich lass’ mir von keinem was vorschreiben, ich kann selbst bestimmen, ich kann selbst entscheiden!’ und dann letztendlich: ,Ich werde selbst entscheiden!’.“ Steeger möchte das Privileg der Jugend, sich von äußeren Zwängen freizumachen und selbst über ihr Leben bestimmen zu wollen, mit seiner Arbeit positiv nutzen. Der 52-Jährige hat auch festgestellt, dass die klassischen „Werbekampagnen“ keine oder wenig Beachtung finden. „So sehe ich es als Chance an, meine Ideen zu präsentieren und die Reaktionen der Betrachter als Gradmesser für die Fortführung meiner Projekte zum Thema Organspende zu nutzen.“

Das Siegermotiv ist einer Serie entnommen. Auf dem Bild ist Steegers Tochter Amber (15) zu sehen, sowie Manfred Pinegger aus Gauting. Mit ihm spielt Steeger, der verheiratet ist und zwei Kinder hat, in einer Band. Seinen Nachwuchs hat er zur Preisverleihung nach Berlin mitgenommen. Dabei erklärte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU): „Die Preisträger des diesjährigen Organpaten-Preises tragen mit ihren tollen Plakat- und Postkartenmotiven dazu bei, die Organspende zum Gesprächsthema zu machen: Sollte es nicht selbstverständlich sein, einen Organspendeausweis wie seinen Führerschein immer bei sich zu tragen? Warum ist es wichtig, seine Entscheidung in einem Ausweis festzuhalten?“ Gröhe betonte seinen Wunsch, dass sich noch mehr Menschen mit der Organspende befassen, in ihrer Familie und mit Freunden darüber reden und ihre persönliche Entscheidung in einem Organspendeausweis festhalten. „Denn diese Entscheidung kann Leben retten.“

Befragungen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zeigen laut einer Pressemitteilung, dass derzeit 61 Prozent der Bevölkerung in Deutschland bereits im Familien- und Freundeskreis über das Thema Organspende gesprochen haben. 46 Prozent hätten ihre persönliche Entscheidung zur Organspende getroffen und ihren Angehörigen mitgeteilt. „Allerdings besitzt nur jeder Dritte einen Organspendeausweis“, bedauerte der stellvertretende Leiter Peter Lang.

Aber gerade das Ausfüllen des Ausweises verschaffe Klarheit über die Entscheidung: „Für die betroffene Person, Angehörige aber auch für Ärzte und Pflegende in den Krankenhäusern.“ Im Zuge des Wettbewerbs sind insgesamt 220 Motive eingereicht worden.

Roland Lory

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