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Freuen sich über die Präsentation von Originalschriftstücken: (v. l.) Bürgermeister Rolf Beuting, Museumsleiterin Dr. Sandra Uhrig und Gabi Rudnicki von der Ödön-von-Horváth-Gesellschaft. Über der Vitrine mit Exponaten ist ein Ölbild zu sehen, auf dem Gabriele Münter 1931 den Schriftsteller festgehalten hat.

Auftakt der Murnauer Horváth-Tage

Spannender Blick in Horváths Leben

Murnau – Mit der Erstpräsentation der 2014 von der Ödön-von-Horváth-Gesellschaft erworbenen Dokumente aus dem Leben des bekannten Schriftstellers im Schloßmuseum haben die  Murnauer Horváth-Tage  ihren Auftakt genommen. Das Motto der Reihe lautet passenderweise „Lebenslinien“.

Bis zum 12. November wird in einem Dutzend Veranstaltungen an das viel zu kurze Leben des Autors Ödön von Horváth erinnert, der einige Jahre in Murnau verbrachte und dort Anregungen für seine international bekannt gewordenen Werke fand. Bei der Auftaktveranstaltung im Saal des Museums wurden die 2015 in Wien erworbenen Dokumente vorgestellt. Dafür, dass es dabei nicht allzu trocken zuging, sorgten einige Schauspieler wie etwa „Frau Budapest“ (Ozzy Thompson), die den Klassiker „So oder so ist das Leben“ anstimmte, begleitet von „Herrn München“ (Harry Helfrich) am Clavinova.

„Jedes der ausgestellten Dokumente erzählt eine Geschichte und bildet ein Stück von Horváths Lebenswelt ab“, sagte die Erste Vorsitzende der Gesellschaft, Gabi Rudnicki, die das Konvolut dem Museum als Dauerleihgabe zur Verfügung stellte. „Schon die unterschiedlichen Sprachen, die in den Schriftstücken vorkommen, zeugen von einem bewegten Dasein in Europa.“ Diese sind Deutsch, Ungarisch, Englisch, Französisch und Lateinisch – letzteres im Taufschein. Auch der Führerschein des Schriftstellers ist unter den Exponaten, den er 1935 in Berlin erwarb: „Und das, wobei er sich vor Straßen fürchtete. Er hat einmal geschrieben: ‚Vor den Nationalsozialisten habe ich nicht soviel Angst wie vor Straßen’. Wir wissen, dass er diese Angst zu Recht hatte.“ Der Autor war am 1. Juni 1938 im Alter von nur 37 Jahren auf der Champs-Élysées in Paris von einem Ast erschlagen worden. Unter den Dokumenten befindet sich auch ein Kindergedicht, dass Horváth im Alter von sieben Jahren für seinen Vater verfasste, und eine Postkarte an seinen Bruder Lajos, die er einen Tag vor seinem Tod schrieb. Des Weiteren wies Rudnicki auf den Schriftverkehr mit Verlagen hin, in dem es um Rechte und die Verwertung seiner Werke ging, und auf Streichungen, die er in den Verträgen vorgenommen hatte. Auch drei Erstausgaben zählen zu der Sammlung.

 Dass die Präsentation der Dokumente über die Horváth-Tage hinaus weiterhin gezeigt wird, gab Museumsleiterin Dr. Sandra Uhrig bekannt: „Sie kann vom 15. Dezember bis zum 5. März im Rahmen der Sonderausstellung ,New Borrowed Blue’ besichtigt werden.“ Die gezeigten privaten Gegenstände Horváths ermöglichten es den Besuchern, einen authentischen Einblick in das Leben des Schriftstellers zu nehmen, unterstrich Murnaus Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum). Das Konvolut werte die Sammlung im aufwändig gestalteten Horváth-Raum auf. „Vielleicht wird ja aus der Dauerleihgabe auch eine Dauerschenkung“, setzte er schmunzelnd hinzu.

In zwei kurzen Auftritten beschäftigte sich „Madame Paris“ (alias Schauspielerin Gaston Florin) humorvoll-hintergründig mal mit dem Werk des Autors, mal mit wichtigen Stationen seines Lebens.

Heino Herpen

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