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Nichts geht mehr auf der Kramertunnel-Baustelle: Seit 2013 ruhen die Arbeiten.

Neue Linie für den Kramertunnel?

Eine Trasse im Sinn der Naturschützer

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Garmisch-Partenkirchen - Seit 2013 geht nichts an der Kramertunnel-Baustelle. Die Planer ringen um Lösungen, wie sie durch den Bergsturzbereich kommen. Die Naturschützer klagen wegen der erfolgten Umweltschäden. Ihre Lösung: eine geänderte Linie, die nun im Bundesverkehrswegeplan 2030 erscheint.

Irreführend: Im Bundesverkehrswegeplan 2030 ist die grüne Linie als „fest disponiert“ verankert. Somit scheint die Trasse (blau), an der bereits gebaut wird, vom Tisch zu sein.

Die Begeisterung ist groß beim Bund Naturschutz (BN). Ausgelöst wurde diese durch den Entwurf zum Bundesverkehrswegeplan 2030, in dem eine Trasse zum Kramertunnel präsentiert wird, die weitgehend ihre Forderungen berücksichtigt. „Wir freuen uns, dass nach den langen und teilweise sehr emotional geführten Auseinandersetzungen, nun eine vernünftige Lösung in Sicht zu sein scheint“, betont Axel Doering, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe. Die im Online-Informationssystem des Bundesverkehrsministeriums gezeigte Variante „trägt dem Naturschutz Rechnung, führt zu einer besseren Verkehrsentlastung von Garmisch und nähert sich dem Kompromiss an, der vor den überhasteten Straßenplanungen vor der Ski-WM 2011 jahrelang bestand“. Das heißt, dass das Südportal unter dem US-Gelände in der Breitenau – „2014 hatten die amerikanischen Streitkräfte ja angekündigt, dieses größtenteils aufzugeben“ – durchführt. Somit „werden die Bergbahnen am Kreuzeck besser angebunden und die Entlastung des Ortes vom Durchgangsverkehr erhöht“. Im Norden, wo der Bau seit drei Jahren ruht, rückt die Linie vom problematischen Bergsturzbereich ab und wird talwärts verschoben: „So werden die hochwertigen Biotope der Hangquellmoore und des Schmölzersees voraussichtlich von einer Grundwasserabsenkung im Berg und damit dem Austrocknen verschont.“

Problemstellen im Kramer: 348 Meter fehlen zum Durchbruch des Erkundungsstollens. Der Bergsturzbereich im Norden bereitet den Planern ebenso Probleme wie der Hauptdolomit, in dem bereits drei Quellen versiegt sind.

Was Doering so freut, entspreche aber in keinster Weise der realen Planung, sagt Michael Kordon, Leiter des Staatlichen Bauamts Weilheim. Von der Veröffentlichung des Ministeriums ist aber auch er überrascht. „Irreführend, eine unglückliche Darstellung“ nennt Kordon das, was hier im Internet zu finden ist. An der Trasse werde derweil nicht gerüttelt: „Fakt ist, dass eine Unterfahrung des US-Geländes nicht zur Diskussion steht. Das ist fernab jeglicher Realisierung.“

Wie es zu der missverständlichen Linienführung kommen konnte, vermag Kordon nicht nachzuvollziehen. Möglicherweise „ist eine veraltete Planung reingerutscht“. Mit Nachdruck weist er aber darauf hin, dass die Linien im Entwurf zum Bundesverkehrswegeplan keinesfalls als fix angesehen werden dürfen. Was in dem umfangreichen Werk steht, „sind Grobskizzen, die eine tatsächliche Planung nicht ersetzen“.

Und mit der ist nach wie vor das Staatliche Bauamt betraut. Nachdem beim Bau des Erkundungsstollens Probleme aufgetreten sind, mit denen die Planer nicht gerechnet hatten, herrscht Stillstand auf der Baustelle. 348 Meter fehlen zum Durchbruch, das Gelände in diesem Abschnitt erwies sich allerdings als äußerst diffizil. „Da kommt man nicht so einfach durch“, sagt Kordon. Deshalb laufen in Weilheim nach wie vor die Vorbereitung, um die Unterlagen für ein geändertes Planfeststellungsverfahren einzureichen. „In den nächsten Wochen stimmen wir uns mit der Regierung von Oberbayern ab, wie das Ganze läuft.“ Der Antrag werde noch im ersten Halbjahr 2016 gestellt. Darauf hofft auch Garmisch-Partenkirchens Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD), die „enttäuscht ist, dass das nicht, wie angekündigt, bis Ende 2015 erfolgt ist“. Sie hofft, dass die ergänzende Planung alle Belange berücksichtigt, um eine Klage der Naturschützer zu vermeiden.

Dazu kann Doering derweil noch nichts sagen. „Wir kämpfen ja nicht gegen den Tunnel, sondern dafür, dass er wie versprochen, abgedichtet wird.“ Daher erwarte die BN-Kreisgruppe nun, dass die im Entwurf verankerte Trasse auch Grundlage des neuen Planfeststellungsverfahrens wird, das seit Jahren auf sich warten lässt. „Wenn dieser Zeitraum notwendig war, um der verkehrsplanerisch und für den Naturschutz besseren Alternative zum Durchbruch zu verhelfen“, sagt Doering, „dann hat sich auch für die Bürger von Garmisch-Partenkirchen das Warten gelohnt."

Lösungen für technische Probleme im Erkundungsstollen

Drei Stellen machen den Experten des Staatlichen Bauamts Weilheim im Kramer zu schaffen. Insbesondere der Bergsturzbereich, in dem zunächst kein Durchkommen war, erfordert eine Umplanung. 348 Meter fehlen im Norden der künftigen Garmischer Ortsumfahrung zum Durchbruch. Der hohe Wasserdruck und das „Wackelgestein“, wie es Werner Hüntelmann, Sachgebietsleiter Planung und Bau in der Weilheimer Behörde, nennt, erwiesen sich als Hindernisse. „Wir hatten das Ganze etwas anders eingeschätzt“, räumt Bauamtsleiter Michael Kordon ein. Somit war guter Rat teuer. Aber mittlerweile gehen er und seine Mitarbeiter davon aus, dass sie eine Lösung gefunden haben, die sich auch im ergänzenden Planfeststellungsverfahren wiederspiegeln soll. „Wir senken das Wasser drei bis vier Jahre ab, um im Trockenen bauen zu können“, erklärt Kordon. Nachdem die Quellen und auch der Schmölzersee in der Folge ebenfalls trocken fallen, „müssen wir in dieser Zeit künstlich aus dem Lahnewiesgraben bewässern“. Vor allem die hochwertigen Hangquellmoore haben die Straßenbauer dabei im Blick. Auf diese Weise, seien nun die technischen Probleme gelöst. „Die Fragen waren ja, wie kommen wir durch und wie verursachen wir möglichst wenig Schaden.“ Funktioniert das nicht 100-prozentig, werden Ausgleichsmaßnahmen gestartet.

Die stehen für die Zerstörung im Bereich des Hauptdolomits ebenfalls bevor. „Drei Quellen sind trocken gefallen“, bedauert Kordon. Im Gegensatz zu den Naturschützern ist er aber sicher, dass „ das Wasser nicht mehr anspringt“. Nachdem keine Aussichten auf Erfolg bestehen, komme es nicht in Frage, die Röhre auf 600 Metern mit Beton zu verdichten, um einem Wasserdruck von 19 bar standzuhalten. Dass sich in diesem Bereich die Natur verändert hat, nehmen die Vertreter der Weilheimer Behörde „sehr ernst. Deshalb geht es jetzt darum, wie wir einen Ausgleich schaffen können“.

Im Gegensatz zu diesem Abschnitt habe die erforderliche Umleitung der Durerlaine im Bereich des Südportals keine Auswirkungen auf die Umwelt, betont Hüntelmann. In diesem Bereich werde eine druckdichte Schale eingebaut. Insgesamt sei die Baustelle kompliziert, meint Kordon. „Wir haben drei Bereiche, die mit Wasser zu tun haben, die aber völlig unterschiedlich sind.“

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