+
Für Ärger sorgt die Mobilfunk-Antenne in Farchant.

Pächter sagt Nein zur Mobilfunk-Antenne

Rechnung ohne Wirt gemacht

Farchant – Und wieder von vorne: Nach langen Diskussionen sollte die Mobilfunk-Antenne vom Gasthof Kirchmayer zum Alten Wirt umziehen. Dessen Pächter macht aber nicht mit. Er wurde übergangen.

Da hat sich der Farchanter Gemeinderat gründlich vertan: Als die Volskvertreter am 11. Juni nach langer Beratung mit 10:7 Stimmen beschlossen, die örtliche Mobilfunkantenne der Telekom vom Gasthof Kirchmayer auf das gemeindeeigene Wirtshaus Alter Wirt zu verlegen, rechneten sie offenbar nicht mit Widerstand.

Den gibt es nun aber. Bürgermeister Martin Wohlketzetter (SPD) gab zu: „Schon ein paar Tage später kamen zwei Unterschriftensammlungen, mit denen 603 Bürger gegen diese Platzierung votierten. Vor allem meldete sich der Pächter des Gasthauses und erklärte uns, dass er mit der Antenne nicht einverstanden sei.“ Seine Meinung: Die Nutzungsänderung in dem Gebäude hätte vorher mit ihm besprochen werden müssen. Er habe seine Zustimmung zu geben.

Das wird er aber nicht tun. Anwalt Martin Bläser, Experte für Mietrecht, teilt diese Auffassung offenbar. Die Gemeinde hätte die Zustimmung des Pächters einholen müssen, betonte Wohlketzetter. Eine solche Änderung sei – ohne vorher zu fragen – möglicherweise ein Kündigungsgrund für den Wirt. Der Bürgermeister verwies im Gemeinderat auf den damals anwesenden Telekom-Fachmann. Wohlketzetter war der Meinung, dieser habe den Wirt gefragt. Das streitet der Gastronom aber ab.

Zur Klärung soll es erneut ein Gespräch mit dem Techniker geben. Zweiter Bürgermeister Hans Schmid (CSU) verwies darauf, dass er schon am 11. Juni gegen den Standort Alter Wirt votiert habe, „und ich finde es auch gut, dass über 600 Unterschriften die Antenne dort ablehnen. Ich bin dafür, den Beschluss aufzuheben“. Gerhard Portele (Freie Wähler) rechtfertigte die Entscheidung von damals. Man sei ja davon ausgegangen, dass der Wirt einverstanden war. Doch auch er will nicht darauf beharren. „Weil wir kein Recht haben, die Antenne dort aufzustellen, müssen wir über andere Standorte nachdenken“. Josef Kindler (SPD) regte an, vorläufig eine gemeindliche Veränderungssperre zu erlassen, auf dass nicht ohne kommunale Zustimmung irgendwo eine Antenne aufgestellt werden könne. Andreas Berndaner (CSU) hatte eine schlichte Lösung: „Der letzte Beschluss beruht auf einer falschen Grundlage. Ich bin dafür, solch eine Antenne außerhalb des Orts aufzustellen, beispielsweise auf der Biogasanlage oder auf dem Wasser-Hochbehälter.“

Auf einen Antrag von Schmid wurde schließlich einhellig der Antennenbeschluss vom Juni aufgehoben. Damit geht’s von vorne los.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Kies-Streit an der Isar: Warum Streibl dem Krüner Bürgermeister kontert 
Erst Streibl, dann Schwarzenberger, jetzt wieder Streibl: Bei der Dauer-Debatte um das Kiesgeschiebe in der Isar legt der Landtagsabgeordnete nach.
Kies-Streit an der Isar: Warum Streibl dem Krüner Bürgermeister kontert 
Unfallklinik ist Murnaus Arbeitsplatz-Riese
Was bedeutet es, querschnittgelähmt zu sein - heute und vor 50 Jahren? In der  Unfallklinik Murnau wird dies deutlich.
Unfallklinik ist Murnaus Arbeitsplatz-Riese
Garmisch-Partenkirchen erhöht Zweitwohnungssteuer drastisch
Geschlossene Rollläden – und das die längste Zeit im Jahr: Zweitwohnungsbesitzer sind selten da. Dabei wird Wohnraum immer knapper. Die Preise explodieren, Einheimische …
Garmisch-Partenkirchen erhöht Zweitwohnungssteuer drastisch
Ostallgäu: Münchnerin stürzt 70 Meter in die Tiefe - tödlich am Kopf verletzt
Tödlich endete ein Alpen-Ausflug für eine Frau aus München. Sie stürzte bei der Tour 70 Meter in die Tiefe und verletzte sich am Kopf.
Ostallgäu: Münchnerin stürzt 70 Meter in die Tiefe - tödlich am Kopf verletzt

Kommentare