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Geht mit der Zeit: das Parkhotel Wallgau. 

Moderne und Tradition bewahren

Parkhotel: Wallgaus Schmuckstück hat eine lange Geschichte

Wallgau - Ziemlich genau vor 50 Jahren begann die Erfolgsgeschichte des Parkhotels Wallgau. Doch eigentlich ist diese schon viel älter. Die Posthalter-Familie Neuner, der Schweizer Investor Max Bosshard sowie der aktuelle Direktor Dennis Wrba verwandelten es über die Jahrzehnte zu einem 4-Sterne-Superior-Hotel.

Es ist für Dennis Wrba die schönste Jahreszeit. Wenn es draußen kalt wird und die Weihnachtsbeleuchtung vor dem Wallgauer Parkhotel ein bedächtiges Licht wirft, kommen die meisten seiner Stammgäste. Herzlich drücken sie sich bei der Begrüßung, wie alte Freunde oder fast schon wie eine Familie. „Weihnachten ist sehr besinnlich bei uns“, sagt der Geschäftsführer. Dann halten Klaus Guth oder Andreas Bräu Lesungen, die Wallgauer Bläser lassen weihnachtliche Töne an Heiligabend erklingen. Nach der Kirche gehen die meisten entweder direkt ins Bett oder gönnen sich noch einen Schlummertrunk nach dem ausgiebigen Sechs-Gänge-Menü.

Genauso hat es sich Wrba damals vorgestellt, als er im März 2007 offiziell seine Tätigkeit als Hoteldirektor im Parkhotel antrat. Im Dezember 2006 – also genau vor zehn Jahren – erwarb der Schweizer Notar Max Bosshard den Familienbetrieb von Hans Neuner junior und seiner Frau Anneliese. „Bosshard legte den gleichen Ehrgeiz wie seine Vorgänger an den Tag“, erklärt Wrba glücklich. Das gab ihm „die nötige Freiheit“, um aus dem traditionellen und urtypischen Gasthaus ein Vier-Sterne-Superior-Domizil zu machen – jedoch ohne dabei seinen ursprünglichen markanten Charme zu verlieren.

Zwischen sechs und sieben Millionen Euro hat Bosshard die vergangenen zehn Jahre investiert. Fast jedes Jahr wurde etwas gebaut: 2007 bis 2008 hat man den Wellness-Bereich renoviert, 2009 gab es neue Bäder. 2010 installierten die Betreiber eine nagelneue Küche, 2011 war schließlich das Restaurant mit einem Umbau dran. „Auch der ehemalige Almkeller wurde komplett saniert und heißt seither „Max-und-Moritz-Bar“, erzählt der 41-Jährige. Nach einer mehrjährigen Bau-Pause geht es nun im März nächsten Jahres weiter. Das Programm ist straff: „30 Zimmer in 30 Tagen müssen dann gemacht werden“, schildert er das einmonatige Sanierungsprogramm. Damit steuert Wrba das Wallgauer Flaggschiff Parkhotel in eine sonnige Zukunft.

Der Grundstein seines Erfolges wurde jedoch schon vor ein paar Jahrhunderten gelegt. Den im Mittelalter errichteten Gasthof erweiterte dann Anfang des 19. Jahrhunderts die Familie Neuner, verdiente Bauern und Posthalter, um einen Anbau. In diesem fanden Postkutscher als Gäste ihre erste Unterkunft. Aufgrund der stetig steigenden Nachfrage an Komfort und Betten beschloss die Wirtsfamilie, ein weiteres eigenständiges Haus zu bauen. Das „Parkhotel Post“ wurde 1966 von Elly und Hans Neuner senior für damals sechs Millionen Mark errichtet – also vor mittlerweile 50 Jahren.

Die liebgewonnenen Traditionen aus dem urtypischen Gasthof flossen in das Parkhotel mit ein. Die „filigrane Schmiedekunst mit herrlichen Lüstern und kunstvollen Wandlampen“ beeindrucken bis heute noch die Gäste im Hotel, erzählt Wrba. Besonders stolz ist man auf die Nachbildung des beliebten Festsaales aus dem Gasthof Post. „Die mächtigen Zirbelholzbalken lassen die Anstrengungen nur erahnen, welche die Handwerker hier erbrachten.“

2006 verkaufte Hans Neuner junior schließlich den Familienbetrieb an Bosshard. Für ihn war es „ein großer Zufall“, wie er damals erklärte. Denn der Notar und langjährige Direktor einer Baufirma landete mit seiner Gattin Regula bei einer Spritztour im Parkhotel. „69 Jahre wusste ich gar nicht, dass es Wallgau gibt“, sagte der Schweizer. Der 81-Jährige verliebte sich in das Isartal und besucht es immer noch regelmäßig.

Die Zeit vergeht, doch das Hotel geht mit der Zeit, bleibt aber alten Traditionen treu. Die neuen Zimmer werden ebenfalls deshalb in Zirbenholz errichtet, versichert der Direktor. Denn „damit will ich an die wundervolle Basis anknüpfen, welche die Posthalter-Familie damals gelegt hat“.

Josef Hornsteiner

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