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Auf großes Interesse stößt die CSU-Veranstaltung zum Thema Leifheit-Stiftung.

Was macht man nur mit so viel Geld?

Leifheit-Stiftung: Großes Interesse an den Millionen

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Garmisch-Partenkirchen - Senioren in Garmisch-Partenkirchen wollte das Ehepaar Leifheit unterstützen. Dafür hat es dem Markt 56 Millionen Euro hinterlassen. Wie das Geld im Sinn der Stifter genutzt werden kann, darüber hat sich die CSU Gedanken gemacht.

Es ist ein Geschenk, das das Ehepaar Leifheit der Gemeinde beschert hat. Das ist allen klar. Die 56 Millionen Euro, die mittlerweile auf dem Konto des Marktes liegen, stehen aber nicht zur freien Verfügung. Vielmehr hatten die Wahl-Garmisch-Partenkirchner, die zuletzt in der Schweiz lebten, sehr konkrete Vorstellungen, was mit ihrem Vermögen passieren soll. Alte und pflegebedürftige Menschen hatten die Leifheits im Blick. „Insbesondere wollten sie mit ihrem Geld Alten- und Pflegeheimen, die wissenschaftliche Forschung mit Bezug auf die Probleme des dritten Alters sowie andere Einrichtungen, die zugunsten von Senioren tätig sind, unterstützen“, verdeutlicht Elisabeth Koch den Zweck der Stiftung. Die CSU-Fraktionsvorsitzende im Gemeinderat und Claus Gefrörer, Ortsvorsitzender der Union, hatten deshalb geladen, um Möglichkeiten vorzustellen, was mit der gewaltigen Summe passieren kann.

Was die Besucher im gut gefüllten Kurpark-Restaurant Adlwärth vor allem verblüffte, waren die Ideen von Professor Gerd Hirzinger. Der ehemaliger Direktor des Instituts für Robotik und Mechatronik beim Deutschen Zentrum für Luft-und Raumfahrt in Oberpfaffenhofen, präsentierte eine ganze Reihe von Projekten, die sich allesamt mit Hilfen für Senioren beschäftigten. Unter dem Stichwort „Elderly care“, was soviel heißt wie Unterstützung für alte Menschen, werde massiv geforscht. Ein Kriterium sei, die Leute möglichst lange in der vertrauten Umgebung zu belassen, betonte der Wissenschaftler. „Viele wollen keine Fremden in der Wohnung haben, kommen aber alleine nicht mehr zurecht.“ Ihnen könne man einen Service-Roboter zur Seite stellen, der nicht nur Essen oder einen Tee zubereitet, sondern auch Kontakt zu Verwandten hält und im Notfall Hilfe ruft. Auch in der Intensiv- und Geriatriepflege in Krankenhäusern werden immer mehr Roboter eingesetzt – etwa „um mit Patienten nach einem Schlaganfall zu trainieren“. Dazu kommt ein Projekt, das der 70-Jährige im Blick hat, mit dessen Hilfe medizinische Informationen dreidimensional abrufbar sind. Der Finanzierungsbedarf für diese Vorhaben ist enorm – Hirzingers ersten Kalkulationen zufolge beläuft er sich auf 27 Millionen Euro. 10 davon hofft er aus Mitteln der Leifheit-Stiftung zu bekommen.

„Vieles ist noch unsicher"

Noch ist freilich nichts spruchreif, was auch Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) untermauerte, die den Abend als Gast verfolgte. „Vieles ist noch unsicher, auch die Frage, wie und an wen die Gelder tatsächlich vergeben werden dürfen.“ Diese Themen würden aktuell von Juristen eruiert „und erst wenn all das klar ist, informiert auch die Gemeinde über diese Projekte“.

Fix ist derweil, dass der Markt das alte Finanzamt an der Von-Brug-Straße kauft. In dem denkmalgeschützten Objekt soll ein Service-Zentrum für Senioren mit Treff, Beratungsstellen und vielem mehr entstehen. Konkrete Gedanken darüber haben sich schon die Vertreter des sozialen Netzwerks Lebenslust gemacht, die Caritas-Geschäftsführer Alexander Huhn nun vorstellte. Auf dem angrenzenden Zollhaus-Areal stellen sich Gemeinde und Sozialverbände eine Wohnbebauung vor. „Dort könnten 30 Sozialwohnungen für ein bis zwei Personen entstehen“, verdeutlichte Gefrörer das Vorhaben. Ob diese Ideen tatsächlich realisiert werden, steht jedoch noch nicht fest.

Auch das dritte Projekt, ein „generalistisches Bildungszentrum für Kranken-, Alten- und Kinderpflege“, das Sebastian Krebs, Referent der Geschäftsführung am hiesigen Klinikum, vorstellte, ist noch nicht fix. Dass eine solche Einrichtung angesichts des Fachkräftemangels unbedingt Sinn macht, war derweil allen Anwesenden klar. „Ausbildung vor Ort ist auch wichtig“, betonte Krebs, „um Leute hier zu halten. Dass wir hier das gesamte Spektrum gebündelt anbieten können, ist außerdem ein Wettbewerbsvorteil.“

Für all diese Vorhaben stehen nun 56 Millionen Euro zur Verfügung. Bis das Geld aus der Schweiz geflossen ist, galt es einen langwierigen Prozess vor dem Landgericht Stuttgart zu überstehen. Auf dem Weg dahin, „haben sich viele Leute an dem Vermögen bedient“, meint Koch. Sie schätzt, „dass 20 Millionen Euro auf der Strecke geblieben sind“. Eine Vorstellung, die die Juristin auf die Palme bringt, weshalb sie jetzt die Prozessakten noch einmal ganz genau studieren will.

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