Bilanz im Werkausschuss Oberammergau

Passion 2020: Anwaltskosten steigen enorm

Oberammergau –  Arrangement-Ausschreibung, Gesellschaftsgründung, Vertragsabschlüsse: 2016 wurden für die nächste Passion die juristischen Grundlagen gelegt. Dafür musste viel gezahlt werden. Deutlich mehr als geplant.

Wer meint, dass bei der Passion alle zehn Jahre alles gleich ist in Oberammergau, der irrt. Zum Beispiel auf Vertriebsebene: Mit den Partnern, mit denen die Gemeinde 2010 gearbeitet hat, ist kein Zusammenkommen mehr möglich. Im Gegenteil: Das nächste Wiedersehen mit Vertretern des DER-Reisekonzerns, der Pro-Data Steuerberatungsgesellschaft und der Firma Kult-Tour Consult gibt es vor Gericht. Wie berichtet, steht der Verdacht im Raum, dass 2,8 Millionen Euro an den Oberammergauer Kassen vorbeigeleitet worden sind. Deshalb wurde Klage eingereicht.

Wie der heutige Werkleiter Walter Rutz, dem die Unstimmigkeiten beim Gelübdespiel 2010 aufgefallen sind, auf Tagblatt-Frage erklärt, stehen nun erste Termine vor Gericht an. Ende April/Anfang Mai wisse man mehr.

Wenn unterm Strich Geld für die Gemeinde herausgeholt werden kann, würde ihr das gut tun. Denn die rechtliche Vorbereitung für die nächste Passion fordert ihren Preis. Das zeigte sich im Werkausschuss des Gemeinderates, dem Rutz die Jahresbilanz des Eigenbetriebs Kultur für 2016 vorgelegt hat. Die 265 000 Euro, die für Rechts- und Beratungskosten ursprünglich angesetzt waren, reichten nicht aus. Bei weitem nicht. Die Summe hat sich bis zum 31. Dezember mit 494 654 Euro fast verdoppelt. „Ich finde das auch teuer“, sagte Rutz im Gremium. Ändern könne man das nicht.

Daran, dass von Seiten der Gemeinderäte keine Kritik kam, liegt wohl auch daran, dass sie die Kostensteigerung mitzuverantworten haben. Teurer ist es auf juristischer Ebene nämlich geworden, weil erst eine Ausschreibung für einen reinen Ticket-Verkauft vorbereitet wurde, dann hat sich der politische Wille dahingehend verändert, dass es bei der Passion 2020 doch wieder Arrangements geben soll. Weiteren juristischen Beistand hat es gebraucht, um auf der einen Ebene eine GmbH für die Passionsspiele und auf der anderen Ebene eine Kommanditgesellschaft (KG) für den Vertrieb zu gründen. Mit dem Partner, der AOVO Touristik AG, galt es, entsprechende Verträge zu schließen. Und dann ist auch noch eine kartellrechtliche Prüfung notwendig.

Viel Aufwand, der im besten Fall nicht nur für die nächsten Jahre wichtig ist – sondern auch für die Zeit danach. Wie Rutz im Ausschuss auf Nachfrage erklärte, könne die GmbH nach dem Gelübdespiel ruhen. Zwar müsse auch für 2030 eine neue Infrastruktur aufgebaut werden, man fange aber nicht mehr wieder bei Null an.

Die erste Vertriebsphase für das Gelübdespiel 2020, bei der die Wiederverkäufer die Arrangements erwerben können, läuft seit Anfang des Monats. Seit der Startschuss bei der Tourismusbörse in Berlin fiel. Rutz zufolge können die Organisatoren mit der Nachfrage zufrieden sein. „Es läuft gut an.“

Rubriklistenbild: © Arno Declair

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